18.09.2018

Kirchen kritisieren Angstmache mit Migration "Politischer Missbrauch"

Klare Worte: Christliche Kirchen haben in Rom den politischen Umgang mit der Migrationsfrage kritisiert. Ängste würden immer wieder "politisch missbraucht", um die Menschen zu spalten, zu polarisieren und weitere Angst zu schüren.

Das sagte der Generalsekretär des Weltkirchenrates (ÖRK), Olav Fykse Tveit, am Dienstag in Rom. Er erinnerte daran, dass viele Migranten auf der Mittelmeerroute ihr Leben verlieren, und warnte davor, "selbst unmenschlich zu werden".

Tveit sprach zu Beginn einer dreitägigen internationalen und interreligiösen Konferenz zum Thema "Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Populismus im Kontext weltweiter Migration". Der ÖRK-Generalsekretär rief die Kirchen auf, für die Rechte anderer aufzustehen und "Botschafter der Liebe Christi" zu sein, um "Versöhnung in eine Welt voller Angst" zu bringen.

Vatikan: Angst dominiert beim Thema Migration

Auch Kurienkardinal Peter Turkson von der vatikanischen Entwicklungsbehörde beklagte, dass beim Thema Migration die Angst dominiere. Er rief die verschiedenen Religionen auf, Aspekte von Fremdenhass, Rassismus und Populismus zu analysieren und gemeinsam dagegen vorzugehen.

Felipe Camargo, Vertreter des UN-Flüchtlingshochkommissariats, sagte, Hassreden und Fremdenfeindlichkeit gegenüber Migranten und Flüchtlingen nähmen auf allen Ebenen der Gesellschaft zu, auch über Europa hinaus. Er kritisierte hohe Intoleranz gegenüber Migranten und Flüchtlingen etwa in den USA, in Deutschland, Costa Rica, Brasilien, Italien und Kolumbien.

Fremdenfeindlichkeit im Internet

65 Millionen Menschen seien weltweit gezwungen, ihre Heimat aufgrund von Gewalt, Rassismus oder Konflikten zu verlassen. Ein großes Problem sei auch Fremdenfeindlichkeit im Internet. Mit Worten Nelson Mandelas erinnerte Camargo daran, dass Hass kein angeborenes, sondern ein erlerntes Gefühl sei. Er rief dazu auf, Respekt, Liebe und Toleranz gegenüber anderen zu lehren.

Der Vatikan und der Weltrat der Kirchen (ÖRK) mit Sitz in Genf haben das dreitägige, hochkarätig besetzte Treffen in Rom gemeinsam organisiert. Neben Analysen und theologischen Einschätzungen sollen auch gelungene Beispiele von Integration präsentiert werden. Erwartet werden auch Vertreter anderer Religionen.

Aus Deutschland nehmen der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und der Berliner Sozialwissenschaftler Andreas Lob-Hüdepohl teil. Sprechen wird auch der frühere Vizepräsident des Internationalen Gerichtshofs, Raymond Ranjeva. Für Donnerstag ist eine Begegnung mit Papst Franziskus vorgesehen.

Dem in Genf ansässigen ÖRK gehören weltweit 350 evangelische, anglikanische und orthodoxe Kirchen an. Der Weltkirchenrat vertritt damit eigenen Angaben zufolge mehr als eine halbe Milliarde Christen auf der ganzen Welt.

(KNA)

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