Rettungsschiff Aquarius sucht wieder nach einem Hafen
Rettungsschiff Aquarius

01.08.2018

"Aquarius" kehrt vor libysche Küste zurück Kritik an EU und libyscher Seenotleitstelle

Nach mehreren Wochen Pause kehrt das zivile Rettungsschiff "Aquarius" zu Einsätzen vor die libysche Küste zurück. Die Hilfsorganisationen "SOS Mediterranee" und "Ärzte ohne Grenzen" wollen testen, ob private Seenotrettung dort noch möglich ist.

Das private Rettungsschiff "Aquarius" läuft wieder zu Einsätzen vor die libysche Küste aus. Das von den zivilen Hilfsorganisationen "SOS Mediterranee" und "Ärzte ohne Grenzen" gecharterte Schiff lag seit rund einem Monat im Hafen von Marseille.

Obwohl sich die Rahmenbedingungen für die Rettung von Flüchtlingen in den vergangenen zwei Monaten radikal verändert haben, werde das Schiff am Abend wieder in See stechen, sagte die Geschäftsführerin von "SOS Mediterranee Deutschland", Verena Papke, am Mittwoch in Berlin. "Zur Rettung von Menschen gibt es keine Alternative", betonte sie.

International geltendes Seerecht

Allein im Juni seien im Mittelmeer 700 Menschen ertrunken, weil zivile Rettungsschiffe davon abgehalten wurden, Flüchtlinge in internationalen Gewässern vor der libyschen Küste zu retten, erklärte Papke. Diese humanitäre Tragödie und das Versagen der EU spiele sich "vor unseren Augen ab". Sie fügte hinzu: "Da dürfen wir nicht zuschauen." Aloys Vimard, Projektkoordinator von "Ärzte ohne Grenzen" an Bord der "Aquarius", sagte, Menschen aus Seenot zu retten sei eine rechtliche und moralische Verpflichtung.

Papke betonte weiter, bei den Einsätzen werde man sich streng an international geltendes Seerecht halten und unter anderem durch ein öffentlich einsehbares Logbuch völlige Transparenz zeigen. Um sich abzusichern waren Vertreter der Hilfsorganisationen vergangene Woche in Tripolis zum Informationsaustausch mit der libyschen Seenotleitstelle, die jetzt für das Einsatzgebiet zuständig ist. Bei den Einsätzen gebe es allerdings eine "Rote Linie" für die zivilen Seenotretter: "Wir werden keine geretteten Flüchtlinge nach Libyen zurückbringen, sondern nur in europäische Häfen", sagte Papke.

Libyen, ein sicherer Hafen?

Libyen erfülle nicht die allgemeingültigen Kriterien eines sicheren Hafens. Das gelte nach Auffassung vieler ziviler Retter auch für alle anderen nordafrikanischen Länder an der südlichen Mittelmeerküste, erklärte Papke. Laut "Ärzte ohne Grenzen" sind Flüchtlinge in Libyen in einem "alarmierenden Ausmaß" Gewalt und Ausbeutung ausgesetzt.

Beide Organisationen kritisierten die Übertragung der Koordinierung der Rettungseinsätze von Italien an die libysche Küstenwache. Trotz der Anerkennung durch die Internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO sei für die zivilen Retter die libysche Seenotleitstelle keine kompetente Behörde, sagte Papke. Die Stelle sei nicht 24 Stunden erreichbar und viele dort sprächen kein Englisch. Nicht nur deshalb müsse Europa seine Häfen für die zivilen Rettungsschiffe wieder öffnen.

Lebensmittel und medizinische Vorräte

Für die neue Tour wurde die unter der Fahne Gibraltars fahrende "Aquarius" mit zusätzlichen Lebensmitteln und medizinischen Vorräten ausgerüstet, um auf dem Schiff über mehrere Tage Nothilfe für mehr als 500 Personen leisten zu können. Die 35-köpfige Crew besteht aus der Mannschaft sowie einem Rettungs- und einem medizinischen Team.

In einer Erklärung, die als Zeitungsanzeige am Donnerstag veröffentlicht werden soll, wollen die Retter für ihren erneuten Einsatz werben. Unterstützt werden sie den Angaben zufolge von zahlreichen europäischen Prominenten aus Politik und Gesellschaft wie Juso-Chef Kevin Kühnert, Schauspielerin Juliette Binoche, Sänger Jan Delay, Grünen-Chef Robert Habeck oder dem Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando.

Das Rettungsschiff "Aquarius" musste im Juni rund eine Woche im Mittelmeer ausharren, bis es am 17. Juni in Valencia anlegen konnte, um die Geretteten abzusetzen. Italien und Malta hatten zuvor ihre Häfen für die Seenotretter gesperrt.

(epd)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Messenger-Gemeinde

Tageskalender

Radioprogramm

 19.10.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Coronavirus: Die aktuelle Lage in Deutschland und weltweit
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Leben auf der Straße - Wie geht kirchliche Hilfe in Corona-Zeiten?
  • Frankreich im Schock - Mordanschlag auf Lehrer wegen Mohammed-Karikaturen
  • Buchtipp - Vatikan-Thriller "Der letzte Feind"
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Leben auf der Straße - Wie geht kirchliche Hilfe in Corona-Zeiten?
  • Frankreich im Schock - Mordanschlag auf Lehrer wegen Mohammed-Karikaturen
  • Buchtipp - Vatikan-Thriller "Der letzte Feind"
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • 12. Integrationsgipfel - Caritas Deutschland im Gespräch
  • Carola Rackete bekommt den Karl-Küpper-Preis
  • Verein LebensWert - Plakatkampagne für Krebspatienten endet
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • 12. Integrationsgipfel - Caritas Deutschland im Gespräch
  • Carola Rackete bekommt den Karl-Küpper-Preis
  • Verein LebensWert - Plakatkampagne für Krebspatienten endet
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Das Heilige Jahr in Santiago de Compostela

Pilgerreise auf dem Jakobsweg mit „ne Bergische Jung“ Willibert Pauels! Jetzt anmelden für Juli 2021!

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…