Flüchtlinge protestieren im Auffanglager "Moria" auf Lesbos
Flüchtlinge protestieren im Auffanglager "Moria" auf Lesbos

13.06.2018

Ärzte ohne Grenzen üben scharfe Kritik an Flüchtlingspolitik "Menschliches Leid wird bewusst in Kauf genommen"

Die europäische Flüchtlingspolitik bleibt ein Zankapfel. Die Helfer von Ärzte ohne Grenzen berichten von dramatischen Zuständen auf den griechischen Inseln – und erheben schwere Vorwürfe an die Regierungen.

Illegale Zuwanderung stoppen, aber auch menschliches Leid beenden – das waren die zwei wichtigsten Ziele des vor zwei Jahren geschlossenen Abkommens der EU mit der Türkei. Darüber kann der Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland, Florian Westphal, nur müde mit dem Kopf schütteln.

Er habe vor kurzem das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos besucht, erzählt er am Dienstag in Berlin bei der Jahrespressekonferenz in Berlin. Die Menschen flöhen trotzdem vor Terror und Krieg. Im Lager sei von humanitärer Verantwortung nicht viel zu sehen.

Überbelegung und dramatische Zustände

Stattdessen gebe es viel menschliches Leid, sehr viel Leid. Das Lager in Moria sei inzwischen heillos überlegt, da die Zahl der Menschen, die weiterreisen könnten, sehr viel geringer sei als die Zahl der Neuankömmlinge.

7.400 Menschen lebten dort zur Zeit, die meisten kämen aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak. Ausgelegt sei es für 3.000 Menschen.

Die Zustände dort seien dramatisch, berichtet Westphal weiter: Hinter dem hohen Zahn lebten die Flüchtlinge dicht an dicht in Containern, Zelten oder unter Plastikplanen, die über Stangen hängen. Sechs- bis achtköpfige Familien hätten – wenn es hochkommt – so viel Platz zum Leben wie in einem Zugabteil.

Unhygienisch und unterversorgt

Die Toiletten seien dreckig und unhygienisch. Noch schlimmer: Wenn sie überliefen, liefen die Fäkalien hangabwärts in die Zelte, in denen die Flüchtlinge schliefen. Es gebe zu wenig medizinische Versorgung, und die Belieferung mit Nahrungsmitteln klappe nicht.

Ein Afghane habe ihm von einem halbrohen Huhn erzählt, das er und seine Familie bekommen habe. Von sauren Kartoffeln und von Brot, das zur Hälfte verschimmelt sei.

Dazu komme die Hoffnungslosigkeit der Menschen in dem sogenannten EU-Hotspot. Alle stellten in Moria einen Antrag auf Asyl, doch die Verfahren dauerten viel zu lange – und seien für die meisten intransparent. "Niemand weiß, welches Papier er wann und wo einreichen muss, welchen Stempel er benötigt oder wie lange sein Verfahren noch dauern wird", so Westphal. Die Perspektivlosigkeit setze den Menschen auch gesundheitlich zu.

Augen verschließen vor menschlichem Leid

Und er klagt an: In Berlin und Brüssel kümmere niemand sich um die Menschen. Offensichtlich werde das menschliche Leid vor der Haustür bewusst in Kauf genommen – politisch gewollt, um weitere Menschen davon abzuhalten, sich auf den Weg nach Europa zu machen.

Auch vor der Situation im Jemen verschließe die Weltöffentlichkeit die Augen, kritisiert der Vorstandsvorsitzende von Ärzte ohne Grenzen, Volker Westerbarkey. Dort herrscht seit rund drei Jahren Krieg, und "Kinder, Mütter, die Kranken – die ganze Zivilbevölkerung sitzt in diesem Krieg fest". Es sei praktisch unmöglich, zu fliehen.

Auch hier seien nach wie vor zu wenige Hilfsorganisationen vor Ort.

Das Gesundheitssystem im Jemen sei zusammengebrochen; es fehle an Nahrung und sauberem Wasser. Weil es auch schwierig sei, Impfungen durchzuführen, kämen längst überwunden geglaubte Erkrankungen zurück – wie die Diphtherie.

Hilfsorganisation im Jemen tätig

Ärzte ohne Grenzen versucht auch dort zu helfen: Der Jemen sei im vergangenen Jahr das Land gewesen, an das die meisten Spendengelder gegangen seien, hieß es. Insgesamt leistete die Organisation nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr in rund 70 Ländern weltweit Nothilfe. Die deutsche Sektion finanzierte mit 136 Millionen Euro Projekte in mehr als 40 Einsatzländern.

Westphal und Westerbarkey appellieren an die Politik, nicht länger wegzusehen und zu helfen: Durch bessere Asylverfahren etwa in Griechenland und dadurch, dass Menschen, die in Europa Schutz suchen, auch in der Praxis auf sicheren und legalen Wegen nach Europa kommen können. Ebenso dürfe die Politik das Leid im Jemen nicht länger ignorieren.

Humanitäre Unterstützung bis zum Kriegsende

Bis zum Ende des Krieges sei dort "viel mehr" humanitäre Unterstützung notwendig, "Hilfe, die nicht behindert wird und deren Mitarbeitende sich nicht selbst in Lebensgefahr begeben müssen".

Das liege in der Verantwortung der Kriegsparteien, "aber auch in der Verantwortung jener Staaten, die die Kriegsparteien unterstützen", so die Mahnung der Helfer.

Birgit Wilke
(KNA)

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