Flüchtlinge auf dem Mittelmeer
Flüchtlinge auf dem Mittelmeer

11.06.2018

Spanien will Rettungsschiff mit 629 Flüchtlinge aufnehmen Gestrandet auf hoher See

Nach dem Tauziehen zwischen Italien und Malta über die Erstaufnahme von 629 Bootsflüchtlingen hat Spanien angekündigt, das Rettungsschiff aufzunehmen. Die katholische Kirche geht mit der italienischen Regierung hart ins Gericht.

Ministerpräsident Pedro Sanchez teilte laut Medienberichten am Montag in Madrid mit, die "Aquarius" könne den Hafen von Valencia anlaufen. Es gelte, eine "humanitäre Katastrophe" zu verhindern und den Verpflichtungen des internationalen Rechts nachzukommen, so der sozialistische Regierungschef.

Zuvor hatte der Jesuiten-Flüchtlingsdienst der katholischen Kirche die Weigerungshaltung von Italiens Innenminister Matteo Salvini (Lega Nord) hart kritisiert. Italien stelle die Demonstration von Stärke und politischem Gewicht über das Leben von Migranten, sagte der Leiter des Flüchtlingszentrums Centro Astalli, Camillo Ripamonti. Humanität und Menschenwürde rückten so auf den zweiten Platz.

"Unschuldige auf dem Meer im Stich zu lassen, kann niemals eine politische Strategie sein, sondern bleibt klar eine Verletzung der Menschenrechte", so der Geistliche. Regierungschef Giuseppe Conte erklärte laut dem Sender Tgcom 24, Italien habe um eine "Geste der Solidarität seitens der EU in dieser Notlage" gebeten. Man könne Spaniens Regierung nur danken, dass sie diese Bitte angenommen habe.

Fremd und nicht aufgenommen

Im Tauziehen um die Migranten hatte Kurienkardinal Gianfranco Ravasi an ein Jesus-Wort erinnert: "Ich war fremd, und ihr habt mich nicht aufgenommen", twitterte Ravasi am Montag mit Verweis auf das Schiff "Aquarius". Das Zitat stammt aus der sogenannten Gerichtsrede Jesu im Matthäus-Evangelium, nach der die Menschen sich einmal nach ihrem Sozialverhalten vor Gott verantworten müssen.

Menschenleben in Sicherheit zu bringen, sei ein Akt der Humanität und dürfe nicht Gegenstand politischer Verhandlungen oder eines Disputs zwischen Regierungen sein, erklärte der Jesuiten-Flüchtlingsdienst in Rom.

Die Ordenseinrichtung verwies in ihrer Mitteilung vom Sonntagabend darauf, unter den Geretteten seien 123 Minderjährige und sieben schwangere Frauen. Demonstrative Akte, die Konsequenzen für die Gesundheit von Männern, Frauen und Kindern hätten, brächten nichts angesichts einer fehlenden langfristigen Einwanderungspolitik mit Möglichkeiten einer legalen Einreise. Im Gegenteil erhöhe dies das Risiko, dass Unschuldige auf der Suche nach Sicherheit auf dem Meer ums Leben kämen, so die Jesuiten.

Verschränkte Arme

Die Geflohenen an Bord stammen laut Papke aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara und wurden aus internationalen Gewässern vor der libyschen Küste gerettet. "Die Aquarius ist ein Rettungsschiff und nicht drauf angelegt, die Menschen an Bord über einen längeren Zeitraum zu versorgen", sagte sie.

Innenminister Salvini stellte am Sonntagabend ein Foto von sich mit verschränkten Armen und abweisender Haltung mit dem Hashtag "Wir schließen die Häfen" ins Internet. "Im Mittelmeer gibt es Schiffe unter niederländischer, spanischer und britischer Flagge, deutsche und spanische Nichtregierungsorganisationen, und da ist Malta, das niemanden aufnimmt", betonte Salvini im Nachrichtendienst Twitter.

Mit Waffen verteidigt

Frankreich weise Migranten an der Grenze zurück, Spanien verteidige seine Grenzen mit Waffen. "Von heute an wird auch Italien Nein zum Menschenhandel, Nein zum Geschäft der illegalen Einwanderung sagen."

Die Aquarius ist seit Februar 2016 im Einsatz. Nach Angaben von SOS Mediterranée wurden seitdem mehr als 28.000 Flüchtlinge an Bord genommen. Die Höchstzahl an Geretteten, die an Bord war, lag bei knapp über 1.000.

(epd)

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