Rauch steigt nach dem Einschlag einer Rakete der syrischen Armee über Duma auf
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Filippo Grandi, Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, spricht bei der "Syrien-Konferenz" in Brüssel
Filippo Grandi, Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen, spricht bei der "Syrien-Konferenz" in Brüssel

24.04.2018

Diakonie Katastrophenhilfe fordert schnelle Hilfe für Syrien "Menschlichkeit kann nicht warten"

Durch den blutigen Konflikt in Syrien sind mittlerweile 13,5 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Derzeit tagt in Brüssel eine weitere Geberkonferenz. Wird der Erfolg diesmal größer ausfallen als bei den vielen Vorgängern?

DOMRADIO.DE: Schon wieder eine Geberkonferenz – dabei haben doch all die anderen keinen Durchbruch gebracht – denken Sie das auch?

Christian Huber (Referent für Humanitäre Hilfe der Diakonie Katastrophenhilfe): In der Tat ist die "Brüssel-2-Konferenz" eine der vielen Geberkonferenzen, die in den letzten Jahren stattgefunden haben. Warum die nicht funktionieren? Ja, das fragen wir uns auch. Es zeigt sich einfach, dass die versprochenen Gelder nicht ankommen. Letztes Jahr wurde viel Geld zugesagt, davon sind nur 15 Prozent angekommen. Die Bedarfsermittlungen, die die UN aufstellt, werden jährlich nicht einmal zu 50 Prozent gedeckt. Das heißt, es ist schon sinnvoll, dass es diesen Dialog gibt und dass die Länder sich bereiterklären, dieses Geld auch zu liefern. Aber dieser politische Dialog ist wirklich sehr, sehr schwierig. Wir erhoffen uns zumindest, dass ein neuer Impuls im politischen Rahmen von dieser Konferenz ausgeht.

DOMRADIO.DE: Die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel, spricht von einem "humanitären Desaster und riesigem Skandal". Wer ist für diesen Skandal verantwortlich?

Huber: Das ist sehr schwer zu sagen. Wir können zu ganz vielen Menschen, die humanitäre Hilfe benötigen, keinen Zugang finden. Es ist sehr schwierig, den Zugang zu humanitärer Hilfe herzustellen. Es ist auch weiterhin so, dass das humanitäre Völkerrecht dort eklatant gebrochen wird. Es ist klar, dass die ungeklärte politische Situation in Syrien viele Geber zögerlich macht, ihr zugesagtes Geld auch zu liefern. Aber wir glauben, dass Menschlichkeit nicht warten kann. Dieses Geld muss die Menschen und die humanitären Hilfsorganisationen erreichen.

DOMRADIO.DE: Sie fordern von den Geberstaaten nicht nur finanzielle Unterstützung für die Soforthilfe, sondern es geht Ihnen auch darum, die "Menschenwürde" zu sichern. Was wird am dringendsten benötigt?

Huber: Neben dem Zugang zu humanitärer Hilfe und neben dem Schutz der Zivilbevölkerung und der zivilen Infrastruktur braucht es gerade auch eine Verbesserung des Zugangs zu Nahrung, des Wohnraums, der Erwerbsmöglichkeiten und der Bildung für die Menschen. Fast zwei Millionen Menschen sind außerhalb der Schule. Das ist nicht nur für Syrien ganz wichtig, sondern auch für die Nachbarstaaten. Es braucht auch eine ganz klare Erleichterung der bürokratischen Prozesse und Auflagen, die uns dort als humanitäre Hilfsorganisationen gestellt werden.

DOMRADIO.DE: Der Krieg befindet sich bereits im achten Jahr – das letzte Jahr war besonders schlimm, oder?

Huber: Ja, das letzte Jahr war eines der schlimmsten in diesen sieben Jahren des Konfliktes. Die Katastrophen in Ost-Ghuta oder in Afrin waren bei uns in den Medien ja sehr deutlich präsent. In Ost-Ghuta sind im Moment 50.000 Menschen vertrieben, in Afrin sind es mehr als 130.000 Menschen und es zeichnet sich nicht ab, dass sich die Situation dort verbessern wird.

DOMRADIO.DE: Schauen wir darauf, wie dieser Konflikt gelöst werden soll. Die USA, Frankreich und Großbritannien haben vor Kurzem schon zu einem Militärschlag ausgeholt. Kann das eine Lösung sein?

Huber: Für uns ist es einfach wichtig als humanitäre Helfer, dass die Kämpfe jetzt aufhören und der politische Prozess, der alle gesellschaftlichen Gruppen und alle Regionen des Landes umfasst, endlich losgeht. Wie dieser Konflikt dann gelöst wird, was für Initiativen die politischen Akteure unternehmen, das liegt außerhalb unserer Tätigkeiten. Wir sagen ganz klar: Wir brauchen einen Frieden in diesem Land, um die humanitäre Hilfe in diesem Land auch zur Verfügung stellen zu können.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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