Mehr Sicherheit im Karneval
Kein Karneval für Flüchtlinge?

10.02.2018

Der Karneval lässt die meisten Flüchtlinge kalt Alaaf und Allah

Nach dem Kölner Silvester-Desaster befürchteten viele an Karneval das Schlimmste. 2016 und 2017 kam es kaum zu Übergriffen durch Zuwanderer. Doch als Knallbonbon der Integration taugt das Fest genauso wenig.

Im Grunde sind Flüchtlinge im rheinischen Karneval seit jeher ein Begriff. Die nämlich, die spätestens an Weiberfastnacht fluchtartig die Städte verlassen, um dem Geschunkel, Gezeche und Geknutsche im Sylter Exil oder auf alpinen Skipisten zu entkommen.

Karnevalskurse für Flüchtlinge

Solche Spaßresistenz verbuchten die Jecken stets mit einem legeren "Levve un levve losse" (nach kölnischer Mundart). Wie aber verträgt sich der Karneval bisher mit echten Flüchtlingen aus Kulturkreisen, in denen schon ein einziger Betrunkener auf der Straße nicht als nervige Belästigung, sondern als religiöse Provokation gilt – und Hunderte erst recht? Vom lockeren Umgang zwischen den Geschlechtern ganz zu schweigen.

Nach der Kölner Silvesternacht 2015/16 schien der nächste, noch größere Schock vorprogrammiert. Eilig besserten Polizeistrategen ihre Einsatzkonzepte nach, boten Helfer wie der Kölner Caritasverband Karnevalskurse für Flüchtlinge an: Ja, der Bierkonsum an den tollen Tagen ist Teil dieser Kultur. Nein, ein zugeworfener Handkuss bedeutet nicht "Heirate mich". Einige Karnevalsvereine entsandten kostümierte Narren in Flüchtlingsheime.

Polizei riet Flüchtlingen vom Karnveal ab

Das Festkomitee der Domstadt bringt seitdem in den Unterkünften eine Broschüre aus, die das seltsame Treiben im Februar auf Arabisch erklärt. Dass die Gewehre der Fußtruppen nur Attrappen sind, war eine der zentralen Botschaften an Kriegsflüchtlinge. Der Flyer endet mit den Worten: "Sei dabei und feiere mit uns!" Integration im Zeichen der Pappnas.

Weniger euphorisch gab sich die nordrhein-westfälische Polizei. Das Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste (LZPD) in Duisburg sorgte im Februar 2017 mit einer Mail an die Betreiber von Flüchtlingsunterkünften für Aufsehen, die ihnen davon abriet, Ausflüge zu karnevalistischen Hotspots für die Bewohner zu organisieren. Das "massierte Auftreten von Flüchtlingen und Asylbewerbern bei Karnevalsveranstaltungen" könne zu "unerwünschten Wechselwirkungen" mit der Bevölkerung führen. Außerdem sollten sich die Migranten auf verstärkte Polizeikontrollen einstellen und keine großen Taschen oder Rucksäcke mitnehmen.

Die Sorge der Polizei, keine zwei Monate nach dem Terroranschlag in Berlin, leuchtete zwar ein, löste bei Flüchtlingsräten aber Empörung aus. Von einer "Sonderbehandlung vermeintlich anders Aussehender" und "racial profiling" war die Rede. Darauf ruderte das LZPD zurück; das Schreiben sei nicht autorisiert gewesen, hieß es.

Kaum Delikte durch Zuwanderer

Die Befürchtungen der Ordnungshüter haben sich nach deren Angaben bisher nicht bestätigt. In den Karnevalshochburgen Köln, Mainz und Düsseldorf meldete die Polizei 2016 und 2017 nur eine geringe Zahl von Delikten wie sexuelle Übergriffe durch junge Zuwanderer. Das liege auch an der "sehr niedrigen Einschreitschwelle" der Beamten und einer starken Präsenz an Brennpunkten.

Aber man orientiere sich bei allen Maßnahmen ausschließlich am Verhalten, nicht an der Herkunft der Leute, hieß es auf Anfrage unisono. Insgesamt wirkt der närrische Frohsinn auf die meisten, überwiegend muslimischen Migranten offenbar eher befremdlich bis abschreckend.

Existenzielle Sorgen und Traumata dürften die Feierlaune zusätzlich bremsen. "Mir sind beim Rosenmontagszug keine größeren Gruppen begegnet", sagt Hans-Peter Suchand, Sprecher des Kölner Festkomitees. "Hier und da sah man mal ein Grüppchen, vermutlich Flüchtlinge. Die waren wenig oder gar nicht verkleidet und feierten einfach friedlich mit." Wenn überhaupt, gebe es da eine Art "stillschweigende Integration".

Interesse an Karneval gering

Die integrative Kraft des Karnevals mag man auch beim Kölner Caritasverband nicht naiv überschätzen. Das Interesse an der fünften Jahreszeit sei unter ihren Schützlingen sehr gering, berichtet Flüchtlingshilfekoordinatorin Martina Soesters. Deshalb sieht sie für "Einstiegskurse" in den Karneval keinen Bedarf mehr.

Man muss als gläubiger Muslim wohl kein Anhänger von Salafistenpredigern sein, die sich auf Youtube mit Warnungen vor dem ausschweifenden Brauchtum christlicher Provenienz überschlagen, um damit nicht viel anfangen zu können. Im Islam gibt es schlicht nichts dergleichen – und Alaaf und Allah lassen sich nun mal schwer verbinden. Erst das anschließende Fasten bietet da wieder kulturelle Berührungspunkte.

Christoph Schmidt

(KNA)

Sonderseite zur DBK-Vollversammlung

Die deutschen Bischöfe in Fulda: Artikel, Videos, Bilder und Interviews.

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Messenger-Gemeinde

Tageskalender

Radioprogramm

 23.09.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Erstes Resümee: Pfarrbüro24 - Wuppertaler Pilotprojekt ausgeweitet
  • And the winner is: Der Dom! Das beliebteste Kalendermotiv der Kölner
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Bischöfe ringen um Entschädigung für Missbrauchs-Opfer
  • Bundesweit einmalig: Das Kölner Drei-Königs-Stipendium
  • Trotz Corona: Tansanische Gäste an UNESCO-Schule
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Bischöfe ringen um Entschädigung für Missbrauchs-Opfer
  • Bundesweit einmalig: Das Kölner Drei-Königs-Stipendium
  • Trotz Corona: Tansanische Gäste an UNESCO-Schule
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Quarantäne am erzbischöflichen Gymnasium - Das sagt der Seelsorger
  • Kölner Dommusik: Heute erstes Konzert nach Lockdown
  • Zungenbrecher aus der "Wunderkammer der deutschen Sprache"
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Quarantäne am erzbischöflichen Gymnasium - Das sagt der Seelsorger
  • Kölner Dommusik: Heute erstes Konzert nach Lockdown
  • Zungenbrecher aus der "Wunderkammer der deutschen Sprache"
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Das Heilige Jahr in Santiago de Compostela

Pilgerreise auf dem Jakobsweg mit „ne Bergische Jung“ Willibert Pauels! Jetzt anmelden für Juli 2021!

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…