Jede Unterschlupfmöglichkeit wird genutzt
Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch

23.01.2018

Bangladesch verschiebt Rückführung von Rohingya-Flüchtlingen Ungewisse Zukunft

Ursprünglich sollte nun mit der Rückführung Hunderttausender Rohingya-Flüchtlinge von Bangladesch nach Myanmar begonnen werden. Doch der Plan verzögert sich. Hilfsorganisationen sehen zudem die Sicherheit der Rohingya in Myanmar gefährdet.

Die Rückführung der Rohingya könne nicht wie geplant an diesem Dienstag beginnen, meldeten Medien in Bangladesch unter Berufung auf die Behörden. Die Vorbereitungen dafür seien noch nicht abgeschlossen. Unter anderem müssten noch Transitzonen eingerichtet werden, erklärte der Leiter der dafür zuständigen Kommission, Abul Kalam Azad. Ein neues Datum nannte er zunächst nicht.

In einem Ende November unterzeichneten Abkommen hatten sich beide Länder darauf verständigt, dass am 23. Januar offiziell damit begonnen werden solle, mehr als 750.000 Angehörige der muslimischen Rohingya-Volksgruppe schrittweise zurück nach Myanmar zu bringen.

Rückführung binnen zwei Jahren abschließen

Mehr als 650.000 Rohingya waren seit Ende August wegen einer Militäroffensive in Myanmars westlichem Rakhine-Staat nach Bangladesch geflohen. Im Zuge einer vorherigen Welle ethnischer Gewalt hatten Ende 2016 schon etwa 100.000 Rohingya die Flucht ins Nachbarland ergriffen.

Vergangene Woche hatten sich die Regierungen von Bangladesch und Myanmar dann darauf geeinigt, die Rückführung binnen zwei Jahren abzuschließen. Demnach sollten pro Woche 1.500 Rohingya zurückgebracht werden. Bangladesch ist mit der Versorgung überfordert und dringt seit langem auf eine Rückkehr der Geflohenen. Eigentlich hatte die Regierung in Dhaka die Rückführung von wöchentlich 15.000 Flüchtlingen gefordert, was Myanmar jedoch ablehnt.

Wegen anhaltender Gewalt und der seit Jahren herrschenden Diskriminierung und Verfolgung der Rohingya in Myanmar warnen Menschenrechtler und Hilfsorganisationen vor einer Rückführung. Es gebe keinerlei Garantien für die Sicherheit der Geflohenen im vornehmlich buddhistischen Myanmar.

Geflohene Rohingya berichteten von Morden, Massenvergewaltigungen, Folter und niedergebrannten Dörfern im Bundesstaat Rakhine. Menschenrechtsorganisationen und die Vereinten Nationen verurteilten "ethnische Säuberungen" und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Manche sprechen mittlerweile von Völkermord.

Rohingyas fürchten Rückkehr nach Myanmar

Der Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes, Christian Reuter, bezweifelt, dass die von Myanmar nach Bangladesch geflüchteten Rohingyas wieder in ihre Heimat zurückkehren wollen. Die Menschen wüssten trotz der katastrophalen Umstände in den provisorischen Lagern in Bangladesch, dass sie dort geschützt seien und nicht verjagt würden, sagte Reuter dem "Tagesspiegel". "Warum also sollten die jetzt freiwillig dorthin gehen, wo sie ihres Lebens nicht sicher sein können?", so Reuter.

(epd, KNA)

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