Kreuz in der Hand eines Flüchtlings
Kreuz in der Hand eines Flüchtlings

14.01.2018

Hunderte Muslime wechseln zum Christentum Bibelstudium ohne Pause

In Österreich werden Flüchtlinge in der öffentliche Debatte stark als Menschen wahrgenommen, die "nur" ein besseres Leben wollen. Eine zum Christentum konvertierte Perserin erinnert an andere Fluchtmotive.

Die Flüchtlingskrise beschert der katholischen Kirche in Österreich eine Rekordzahl an Menschen, die vom Islam zum Christentum wechseln. 2017 habe es rund 750 Erwachsenentaufen gegeben, etwa 75 Prozent davon seien Konvertiten mit muslimischem Hintergrund, sagte ein Sprecher der Erzdiözese Wien der Deutschen Presse-Agentur. Allein in Wien haben sich 260 Menschen aus 15 Nationen taufen lassen.

Dass sich Asylbewerber taufen ließen, um ihre Chancen auf Asyl zu verbessern, sei ein Vorurteil, meint Friederike Dostal, die für Erwachsenentaufen in der Erzdiözese Wien zuständig ist. Denn der Weg zur Taufe ist durchaus steinig. "Da die Katholische Kirche in Österreich keine Scheinchristen will, ist sie sehr streng bei der Auswahl der Bewerber und der Zulassung zur Taufe". Die Taufvorbereitung dauere mindestens ein Jahr und schließe eine regelmäßige Teilnahme an Glaubensunterricht und Gottesdienst, einen christlichen Lebenswandel und ehrenamtliches Engagement ein.

Bibel als Leitlinie

Diesen Weg hat die 42-jährige Alexandra aus dem Iran hinter sich, die nach eigenen Worten im Herbst 2015 nach Österreich gekommen ist. Sie habe sich schon in Teheran als 23-Jährige zum Unwillen ihrer Eltern vom Koran gelöst und die Bibel als Richtschnur ihres Lebens entdeckt, erzählt sie. "Ich war ein guter Moslem und habe viel gebetet. Ich hatte aber auch viel Angst vor Gott." Als sie die Bibel gelesen habe, sei sie sofort fasziniert gewesen. "Ich habe sie zwölf mal hintereinander gelesen - ohne einen Tag Pause."

Muslime seien vertraut mit Jesus, Maria und Moses, da diese im Koran auch eine wichtige Rolle spielten. Es sei auch nicht schwer, in der Islamischen Republik eine Bibel zu bekommen. Die christliche Minderheit der Armenier habe sogar eigene Kirchen. Allerdings sei es äußerst gefährlich, den muslimischen Glauben aufgeben zu wollen. Es drohten Gefängnis und Todesstrafe.

Keine Unterstützung von der Familie

"Mein Vater hat lange nicht mit mir gesprochen", sagt die Frau, die seit Ostern 2017 auf den Namen Alexandra getauft ist. Ihren persischen Namen will sie mit Rücksicht auf die Sicherheit ihrer Familie nicht nennen. Als sie ihr Interesse für das Christentum immer mehr in Bedrängnis brachte, sei sie geflüchtet - in einem Lastwagen durch die Türkei bis Österreich.

In ihrem Sprachkurs hat die zierliche Frau, die in ihrer Heimat als Englischlehrerin gearbeitet hat, binnen neun Monaten fast fließend Deutsch gelernt. Vor wenigen Monaten wurde ihr Asylbegehren anerkannt. Sie will sich bald als Friseurin selbstständig machen.

Die aktuellen Unruhen im Iran und die Forderungen nach mehr politischer Freiheit verfolgt die 42-Jährige mit großen Hoffnungen. "Was es jetzt dort gibt, ist nicht der richtige Islam", meint sie. Sollten sich die Verhältnisse tatsächlich einmal ändern, würde sie gern zurückkehren. "Ich vermisse meine Heimat."

Polarisierende Flüchtlingsdebatte

Österreich ist wie Deutschland seit 2015 eines der Hauptzielländer von Flüchtlingen. Als abschreckende Maßnahme hat die Alpenrepublik eine Obergrenze für Asylverfahren eingeführt. 2017 lag sie bei
35 000, wurde mit rund 20 000 zugelassenen Verfahren aber deutlich unterschritten.

Die öffentliche Debatte in Österreich ist stark vom angeblichen Asylmissbrauch geprägt. "Es ist gut, dass solche konkreten Schicksale uns immer wieder an die ganz anderen Fluchtgründe erinnern", sagte eine Sprecherin der Erzdiözese.

Die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn verfügt über keine Angaben zur Zahl muslimischer Konvertiten in Deutschland, "denn in unserer Statistik weisen wir die verschiedenen Religionsgemeinschaften oder Asylbewerber nicht gesondert aus". Eine Schätzung sei auch nicht möglich.

(dpa)