Flüchtling bei der Registrierung
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06.11.2017

Erzbischof Heße zum dritten katholischen Flüchtlingsgipfel Seelsorge für eine "bunte Mannschaft"

Welche Aufgaben fallen der katholischen Kirche im Umgang mit Flüchtlingen zu? Diese Frage steht im Mittelpunkt des dritten katholischen Flüchtlingsgipfels. Für den Hamburger Erzbischof Stefan Heße nimmt die Seelsorge dabei einen Hauptteil ein.

domradio.de: Der inzwischen dritte katholische Flüchtlingsgipfel findet derzeit in Köln statt. Wie hat sich die Flüchtlingshilfe seit dem ersten Gipfel im November 2015 verändert?

Stefan Heße (Erzbischof von Hamburg und Sonderbeauftragter für Flüchtlingsfragen bei der Deutschen Bischofskonferenz): Wir haben über eine Million Flüchtlinge in unserem Land. Die brauchen Zuwendung. Deswegen veranstalten wir jetzt den dritten Flüchtlingsgipfel, um uns bewusst dieser Menschen zu widmen. In diesem Jahr steht in Köln das Thema Seelsorge ganz oben auf der Agenda. Seelsorge ist für uns ein umfassender Gedanke. Es geht um das seelische Wohl, das Innere dieser Menschen. Es geht aber auch um alles, was damit zusammenhängt, um das ganze Drumherum des Lebens, weil Seele nur im Leib existiert. Deswegen ist das für uns Christen eine Einheit.

domradio.de: Wie soll das vor Ort aussehen? Wie kann Seelsorge zukünftig besser an Flüchtlinge herangetragen werden?

Heße: Da muss man sozusagen eine ganz spezielle Brille aufsetzen, weil die Flüchtlinge, die zu uns kommen, eine "ganz bunte Mannschaft" sind. Das sind viele Männer und Frauen aus Ländern, die einen ganz anderen kulturellen Kontext haben und auch oft andere religiöse Vorstellungen als wir. Es sind viele Muslime darunter. Da muss man schauen, wie diese in ihren eigenen Gemeinden betreut werden. Aber wir werden uns dem nicht ganz verschließen und entziehen können und wollen.

Unter den Flüchtlingen sind aber auch ganz viele Christen, die oft weder katholisch noch evangelisch sind. Das sind die Konfessionen, die man bei uns am besten kennt. Die Flüchtlinge sind häufig orientalische Christen, vielleicht orthodoxe Christen und kommen aus anderen Riten. Deswegen muss man schauen, wer sie denn betreut. Wir haben oft nicht die Seelsorger, die das können, sondern müssen mit deren Heimatländern kooperieren und sehen, wie wir das in Deutschland hinkriegen.

Eine der Herausforderungen ist, dass wir im Moment noch gar nicht so genau wissen, wie viele es wo gibt. Zudem sind die Flüchtlinge ziemlich mobil, sodass man sich darauf sehr flexibel einstellen muss und reagieren muss.

domradio.de: Die Flüchtlingsfrage hat in den vergangenen Jahren in Deutschland sehr stark polarisiert. Wie spiegelt sich das in den katholischen Gemeinden wieder? Ist das auch eine Frage, die dort zu Brüchen und Spannungen führt oder stehen die Gemeinden geschlossen hinter den Bischöfen?

Heße: Auch innerhalb unserer christlichen Gemeinden - und da spreche ich für die evangelische Kirche mit - ist das nicht immer einstimmig. Wir haben auch in unseren eigenen Gemeinden Leute, die das kritisch sehen und sich fragen, wie das Ganze gehen soll und große Sorgen haben. Die haben Ängste, wenn es heißt, es kommen Leute in unser Land, die aus einem ganz anderen kulturellen Hintergrund entstammen und fragen sich, wie das mit unserer Kultur zusammenpasst.

Das gibt es auch bei uns und in den Kirchengemeinden. Deswegen wäre es falsch, davor die Augen zu verschließen. Man muss das nüchtern so nehmen, wie es ist und man muss mit den Leuten klug darüber reden, worin sich die Sorgen begründen. Man muss vielleicht auch in direkten Kontakt mit den Flüchtlingen gehen, um sie wirklich kennenzulernen. Denn es sind ja oft Menschen, die nicht einfach die Koffer packen, weil sie auf eine Reise gehen wollen, sondern da nicht mehr leben können, wo sie herkommen. Deswegen sind sie auf der Flucht. Und das mit ganz primitiven, einfachen Möglichkeiten - oft auch verfolgt und unter schwierigsten Umständen bis hin zu Traumata, die sich bei jungen Leuten und bei Frauen hier und da zeigen.

Deswegen brauchen sie Fürsorge. Das, glaube ich, müssen die Menschen in unseren Gemeinden sehen und spüren, damit sie wissen, um was es da konkret geht.

Das Interview führte Alexander Foxius.

(DR)

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