Erzbischof Heße vor einem Flüchtlingsboot auf Sizilien.
Erzbischof Heße vor einem Flüchtlingsboot auf Sizilien.
Es klaffen Löcher im Rumpf.
Es klaffen Löcher im Rumpf.
Erzbischof Heße informiert sich über die Flüchtlingslage auf Sizilien.
Erzbischof Heße informiert sich über die Flüchtlingslage auf Sizilien.
Erzbischof Heße informiert sich über die Flüchtlingslage auf Sizilien.
Erzbischof Heße informiert sich über die Flüchtlingslage auf Sizilien.
Erzbischof Heße informiert sich über die Flüchtlingslage auf Sizilien.
Erzbischof Heße informiert sich über die Flüchtlingslage auf Sizilien.

08.09.2017

Erzbischof Heße über die Flüchtlingssituation in Europa "Wir müssen unsere Herzen zusammenstecken"

Der Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Stefan Heße, weilt auf Sizilien, um sich ein Bild über die Flüchtlingssituation vor Ort zu machen. Ihm ist klar geworden: "Wir müssen unsere Herzen zusammenstecken."

domradio.de: Heute reisen Sie nach Deutschland zurück, was haben Sie in Sizilien erlebt, was haben Sie gesehen?

Stefan Heße (Hamburger Erzbischof und Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz): Ich habe von den Rettungsaktionen wenig mitbekommen. Das liegt daran, dass durch die Politik zwischen Italien und Libyen eigentlich die Rettung der Flüchtlinge doch eingestellt worden ist. Das heißt, die Retter können nicht auf das Meer raus. Die Grenzen werden nach Außen verlagert, weiter nach Libyen rein, wenn man es ganz hart beschreiben mag.

domradio.de: Wenn man derzeit wenig von den Flüchtlingen mitbekommt, wo haben Sie sich über die Lage informiert

Heße: Wir waren an den Hotspots der sizilianischen Küste, wo die Menschen aufgenommen, wo sie registriert und wo sie gesundheitlich versorgt werden. Der italienische Staat will sie möglichst schnell von der Insel weg ins Landesinnere verteilen. Die einzigen, die hier bleiben, das sind die unbegleiteten Minderjährigen.

domradio.de: Was haben die Menschen Ihnen erzählt?

Heße: Die unbegleiteten Minderjährigen haben wir gestern in einer Einrichtung des Salesianerordens besucht. Sie sind froh, dass sie überhaupt sicheren Boden unter den Füßen haben. Ich habe bei diesen jungen Menschen auch eine gewisse Traurigkeit wahrgenommen. Wir haben das nur vorsichtig ansprechen können und wir haben uns gefragt: Wie ist das mit den Traumatisierungen und dem, was sie erlebt haben? Manche haben gar keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie, wissen nichts von ihnen. Dann kann man sich vorstellen, welche Schicksale sich hinter den jugendlichen Gesichtern verbergen.

domradio.de: Auf der anderen Seite gibt es auch den Konflikt mit den Rettungsorganisationen auf dem Mittelmeer. Es gibt mehrere Organisationen, die sich zurückgezogen haben, weil ihnen unter anderem die italienische Regierung die Zusammenarbeit mit Schleusern vorgeworfen hat. Macht es das Problem nicht noch schlimmer, wenn die privaten Retter hier nicht mehr retten?

Heße: Es ist schon traurig, wenn die privaten Organisationen verschwinden und etwa in den Golf von Bengalen gehen – wie MOAS das zum Beispiel tut. Sie retten weiterhin, nur halt woanders. Nur sind sie dadurch nicht mehr hier an diesem wichtigen Punkt.

domradio.de: Welche Konsequenzen hat das?

Heße: Wahrscheinlich wird das dazu führen, dass Flüchtlinge sich dann andere Wege suchen. Wahrscheinlich werden sie über Spanien oder andere Routen gehen. Es hat sich ja gezeigt, dass sie die Routen wählen, die passierbar sind.

domradio.de: Einige osteuropäische Länder wie Ungarn oder Polen wehren sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen. Sie haben jetzt das Schicksal der Menschen hautnah gesehen. Können Sie für solche Regierungen und deren Abwehr-Haltung überhaupt Verständnis aufbringen?

Heße: Ich habe da kein Verständnis für, weil ich der Überzeugung bin, dass das Thema der Migration kein lokales ist, sondern ein globales. Deswegen bin ich der Auffassung, dass das auch nur im Miteinander gelöst werden kann. Das kann nicht nur eine Region machen, das kann auch nicht nur Europa hinbekommen. Das ist ein Kennzeichen unserer Zeit.

domradio.de: Was meinen Sie damit?  

Heße: Ich glaube, dass eher davon auszugehen ist, dass die Migrations-Ströme größer als kleiner werden. Deswegen kann ich nur sagen, wir müssen alle unsere Köpfe zusammenstecken, um Lösungen zu finden. Wir müssen unsere Herzen zusammenstecken. Denn letztlich geht es bei den Migrations-Strömen nicht um "Fälle" und nicht um "Routen", sondern um Menschen. An denen müssen wir Interesse haben und sie herzlich aufnehmen. Natürlich müssen die Ströme kanalisiert und gut begleitet werden, aber durch Abschottung wird dieses Thema nicht zu lösen sein.

domradio.de: Sie sitzen auf gepackten Koffern, gleich geht es zurück nach Deutschland. Was nehmen Sie mit?

Heße: Ich bin dankbar für die Menschen, die ich getroffen habe. Ich habe bei vielen eine Hoffnung gespürt. Ich bin für die Helfer aus Kirche und Nichtregierungsorganisationen dankbar. Die leisten eine tolle Arbeit. Ich muss auch den Behörden ihren Respekt zollen. Das alles muss gehändelt werden. Die Leute machen es sich nicht einfach, sondern sie versuchen es so gut zu machen, wie es eben geht. Sie haben gemerkt, es geht nur im Miteinander der unterschiedlichen Organisationen und des Staates. Sonst wird das Megathema nicht umsetzbar sein.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(dr)

Nachrichten-Video

Zum Video:
Montag, 16.10.2017

Video, Montag, 16.10.2017:Christliche Nachrichten

Jetzt im Radioprogramm

12:00 - 18:00 Uhr 
Der Tag

Informationen, Musik und nette Menschen

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 19.10.
06:00 - 06:30 Uhr

Laudes

06:30 - 10:00 Uhr

Der Morgen

  • Ministerpräsident in Sachsen: Katholisches Büro zum Rücktritt
  • 50 Jahre Justitia et Pax
  • "Wie kann man den Papst nicht lieben?": Dan Brown über Religion
10:00 - 12:00 Uhr

Beratung

10:00 - 12:00 Uhr

Beratung

12:00 - 18:00 Uhr

Der Tag

  • Propst Giele zu Ministerpräsident Tillichs Rücktritt
  • Herbstfest für Obdachlose in Köln
  • Ablassbrief von Martin Luther gefunden
  • Insekten- und Vogelsterben in Deutschland
12:00 - 18:00 Uhr

Der Tag

  • Propst Giele zu Ministerpräsident Tillichs Rücktritt
  • Herbstfest für Obdachlose in Köln
  • Ablassbrief von Martin Luther gefunden
  • Insekten- und Vogelsterben in Deutschland
18:00 - 20:00 Uhr

Kompakt

20:00 - 22:00 Uhr

Beratung

22:00 - 22:30 Uhr

Komplet

22:30 - 24:00 Uhr

Kompakt

00:00 - 06:00 Uhr

Nachtportal

02:00 - 03:00 Uhr

Kopfhörer

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Komplet – Das Nachtgebet mit Weihbischof Ansgar