Flüchtlinge vor der libyschen Küste
Flüchtlinge vor der libyschen Küste
Vielseitig unterwegs: Erzbischof Heße mit Flüchtlingen
Erzbischof Heße mit Flüchtlingen

07.09.2017

Erzbischof Heße kritisiert Flüchtlingsrückführung nach Libyen "Kein sicheres Land"

Der Hamburger Erzbischof und Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Stefan Heße, ist derzeit in Italien, um sich ein Bild über die Flüchtlingssituation vor Ort zu machen. Er kritisiert die Rückführung von Flüchtlingen nach Libyen.

Der Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, hat die Rückführung von Flüchtlingen nach Libyen kritisiert. Wer auf dem Mittelmeer in Seenot sei, müsse aufgenommen und in ein sicheres Land gebracht werden, sagte Heße dem Internetportal katholisch.de am Mittwoch im sizilianischen Pozzallo. "Und Libyen scheint mir nicht unbedingt das sicherste Land zu sein, das es gibt." Der Erzbischof hält sich noch bis Freitag auf der süditalienischen Insel auf, um sich über die Lage der Flüchtlinge vor Ort und die Situation an den EU-Außengrenzen zu informieren.

Heße warnte davor, die Grenzen Europas zu schließen. Man müsse den Grenzverkehr zwar kanalisieren, um die Situation vernünftig zu bewältigen. "Aber Grenzen zu schließen oder gar Mauern oder Zäune zu bauen, kann nicht die Antwort auf das menschliche Problem sein, das hinter der Flucht steckt." Entgegen mancher Behauptung handele es sich bei den Flüchtlingen nicht einfach um Wirtschaftsmigranten, sondern um Menschen, die unter Krieg und Terror litten oder für ihre Kinder keine Perspektiven sähen.

"Ich habe so wenige Flüchtlinge gesehen"

Ausdrücklich lobte der Hamburger Erzbischof bei seinem Besuch die gute Organisation des Hotspots in Pozzallo und die Zusammenarbeit zwischen staatlichen Einrichtungen und den privaten Hilfsorganisationen. Als negativ habe er lediglich empfunden, dass "ich so wenig Flüchtlinge gesehen habe". Sie kämen offenbar nicht so nach Europa durch, dass sie in dieser vorbildlichen Einrichtung aufgenommen werden könnten.

In der 20.000-Einwohner-Stadt Pozzallo befindet sich einer von insgesamt vier sogenannten Hotspots in Italien. Dort werden alle ankommenden Asylsuchenden registriert. Zuständig sind die nationalen Grenzbehörden, die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache "Frontex" sowie das Europäische Unterstützungsbüro für Asylfragen (EASO). Die drei weiteren Hotspots befinden sich auf der Insel Lampedusa, in Tarent in der Region Apulien sowie in Trapani im Westen Siziliens. Seit Jahresbeginn sind in Süditalien rund 94.000 Flüchtlinge an Land gegangen. Seit 2014 liegt die Zahl insgesamt bei etwa 600.000.

(KNA)

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