Flüchtlinge im Deutschunterricht
Flüchtlinge im Deutschunterricht

31.08.2017

Wie ein Flüchtling versucht, schnell anzukommen Integration im Turbogang

Der katholische Syrer Fadi K. kam 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsbewegung nach Deutschland. Seitdem tut der 32-Jährige alles, um sich schnell zu integrieren. Als Vorbild sieht sich der Neu-Berliner aber nicht.

Der Terminkalender des syrischen Flüchtlings Fadi K. ist ziemlich voll: Fadi, der seinen Familiennamen nicht nennen möchte, engagiert sich in Berlin in einem studentischen Sprachcafe und lernt in sogenannten Sprach-Tandems. Von montags bis freitags geht er täglich vier Stunden zum Deutschkurs. Außerdem hat er beim Deutschen Roten Kreuz eine Rettungsschwimmer-Prüfung erfolgreich abgelegt.

Derzeit überlegt er, sich dort zum Sanitäter ausbilden zu lassen. In einer Kirchengemeinde bietet der Katholik ehrenamtlich eine Sportgruppe für Jugendliche an.

Von Damaskus nach Berlin

Als Vorbild oder Ausnahme betrachtet er sich dabei nicht: "Es gibt viele, die noch mehr machen als ich", sagt er bescheiden. 2015 kamen fast 900.000 Menschen als Flüchtlinge nach Deutschland. Mehr als 160.000 Syrer stellten einen Asylantrag. Fadi floh aus Damaskus. Nach mehr als zweiwöchiger Flucht landete er in Passau und wurde freundlich empfangen, wie er erzählt. Danach verschlug es ihn in die deutsche Hauptstadt.

Als Mitglied der vom IS verfolgten christlichen Minderheit wurde dem Syrer der Schutzstatus gewährt. Er weiß, dass er Glück hatte, in Berlin unterzukommen: "Die Menschen hier sind offener", schildert der 32-Jährige seine Erfahrungen. Eine große Umstellung ist das Leben in der Metropole für ihn nicht. "Damaskus ist ja auch eine Großstadt."

Anlaufstelle Kirche

Erster Anlaufpunkt war seinerzeit für ihn eine katholische Kirchengemeinde im Bezirk Reinickendorf. Bevor er vor einigen Wochen eine kleine Wohnung beziehen konnte, kam er dort in der Gemeinde Maria Gnaden in Hermsdorf in der Pfarrerswohnung unter. Mit einzelnen Mitgliedern steht er bis heute in Kontakt. Vor allem in den ersten Monaten sei das eine große Hilfe für ihn gewesen, erzählt er.

Ehrenamtliche halfen ihm, im Alltag zurechtzukommen und Ämtergänge zu erledigen - wie in so vielen anderen Kirchengemeinden. Aktuell gehen beide Kirchen von jeweils mehr als 100.000 Ehrenamtlichen aus, die sich vor Ort für Flüchtlinge engagieren.

Fadi wünscht sich strengere Einreisekontrollen

In Syrien hat Fadi als Kommunikationstrainer gearbeitet. Diese Erfahrungen helfen ihm jetzt in Deutschland, auch beim Erlernen der Sprache. Neben seiner Muttersprache spricht er trotz guter Deutschkenntnisse bisher besser Englisch. "Ich will möglichst schnell das Niveau B1 erreichen", sagt der Syrer. Er muss dafür diszipliniert sein, denn im weltläufigen Berlin kommt man oft auch ohne die Landessprache zurecht: "Am Anfang habe ich mich manchmal gefragt: Sind wir hier überhaupt in Deutschland?", erinnert er sich mit einem ungläubigen Lachen. Ständig hörte er arabische und englische Sprachfetzen auf den Straßen der Hauptstadt.

Aber ihm begegnet auch Misstrauen. "Es wird immer viel über Flüchtlinge geredet", sagt er und wünscht sich, dass mehr differenziert würde. Ihn ärgert, dass Straftaten von einzelnen Asylsuchenden die ganze Gruppe diskreditieren. Besonders regt er sich über Flüchtlinge auf, die vorgeben, Syrer zu sein, um leichter Asyl zu bekommen. "Die kommen teilweise sogar vom Balkan und sind nicht einmal Araber!", sagt er. Wäre es leicht, die Lügner mit einem Gespräch von zwei, drei Minuten zu enttarnen? "Zwei, drei Sätze würden mir reichen", so Fadi. "Ich höre sofort, ob jemand ein Syrer ist oder nicht." Daher wünscht er sich strengere Überprüfungen bei der Einreise.

Er will zurück

Für seine Schicksalsgenossen in den Flüchtlingsheimen wünscht er sich mehr Beschäftigung: "Wenn die Leute nur herumsitzen, bekommen sie Langeweile und dumme Gedanken."

Mit seiner Familie in Damaskus bleibt Fadi über das Internet in Kontakt. "Sie freuen sich für mich, aber als einziger Sohn werde ich natürlich auch sehr vermisst", erzählt er. Trotz Krieg dort sei es für seine Familie nach wie vor so, als wäre er "im Urlaub". Nach dem Ende des Konflikts will der junge Mann zurückkehren in sein Heimatland: "Wenn wir Syrer nicht zurückgehen, wer soll dann unser Land wieder aufbauen?"

Christoph Koitka
(KNA)

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