Migration hat viele Gesichter
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Domkapitular Markus Hofmann
Domkapitular Markus Hofmann

02.08.2017

Immer mehr Katholiken anderer Muttersprache im Erzbistum Köln "Zehn verschiedene katholische Riten"

Neuer Höchststand: Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund nimmt in Deutschland immer weiter zu. Darunter auch viele Katholiken. Das macht sich auch im Erzbistum Köln deutlich bemerkbar, so Msgr. Markus Hofmann gegenüber domradio.de. 

domradio.de: Bei diesem Anstieg handelt es sich um den stärksten Zuwachs seit Beginn der Messung 2005. Das merken Sie vermutlich auch im Bistum, oder?

Monsignore Markus Hofmann (Bischofsvikar für die Internationale Katholische Seelsorge im Erzbistum Köln):  Auf jeden Fall, wir nehmen schon seit sieben Jahren einen deutlichen Anstieg der Katholiken anderer Muttersprache wahr. Von denen haben wir die Zahlen, und wir können sagen, dass wir jedes Jahr etwa 5.000 bis 6.000 mehr Katholiken anderer Muttersprache im Erzbistum Köln haben als im Jahr davor. Das macht über 30.000 in den letzten sechs Jahren aus. Das ist deutlich wahrnehmbar. 

domradio.de: Welche Nationalitäten sind da besonders vertreten im Bistum? 

Hofmann: Die stärkste Gruppe sind die Italiener, dann kommen die Polen. Wir haben aber auch viele englisch-sprachige Katholiken. Aber gerade auch bei den ungarisch-sprachigen, die nicht alle aus Ungarn kommen, sondern zum Teil auch aus Rumänien, also bei den rumänischen Katholiken sind diese Anstiege deutlich wahrnehmbar. 

domradio.de: Was heißt das für die Seelsorge im Bistum? Ich vermute mal, jede Gruppe, jede Nationalität wird ihre eigenen Anforderungen haben. 

Hofmann: Das ist richtig. Wir haben sehr große Gemeinden, etwa die polnisch-sprachige und die italienisch-sprachige. Das sind mehrere zehntausend Menschen, die an verschiedenen Standorten ihre Gottesdienste feiern. Die Gemeinden wachsen sehr deutlich, die haben auch Platzprobleme. Die Kirchen sind sehr voll, manchmal sind sie auch zu klein, sodass wir schauen müssen, ob wir größere Kirchen in der Nähe finden. Dann ist es wichtig, dass wir auch Versammlungsorte finden für die Treffen nach den Heiligen Messen und Gottesdiensten. Dann haben wir schon immer wieder Platzschwierigkeiten. Außerdem haben wir eine begrenzte Zahl von Priestern, Schwestern und anderen Laien im pastoralen Dienst, die für diese Katholiken zuständig sind. Wenn die Zahlen deutlich wachsen oder Neugründungen stattfinden, dann gilt es für sie Seelsorger zu finden und Orte, wo sie sich treffen könnten. In Wuppertal und Düsseldorf zum Beispiel haben wir neue Gemeinden, englisch-sprachige und arabisch-sprachige. 

domradio.de: Gibt es bei den arabischen Christen, die zu uns kommen, irgendwelche besonderen Riten, die man beachten muss? Sieht deren Katholizismus anders aus, als der bei uns am Kölner Dom? 

Hofmann: Das ist richtig, wir haben bei uns im Erzbistum Köln zehn verschiedene Riten, alle katholisch, alle Teil der katholischen Weltkirche, aber eben mit unterschiedlichen liturgischen Anforderungen, Sprachen und Riten. Da ist es wichtig, dass wir darauf Rücksicht nehmen und denen ihre Heimat auch geistlicher Art bieten.

domradio.de: Bei so vielen verschiedenen Herkunftsländern, ist es schwierig, die alle unter einen Hut zu bringen?

Hofmann: Das ist ein sehr abwechslungsreiches Aufgabengebiet. Gott sei Dank haben wir muttersprachliche Seelsorger, die das tun. Bei uns im Generalvikariat laufen die Fäden zusammen und wir versuchen, so gut es möglich ist, den verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden. 

domradio.de: Die Fluchtbewegung in den Jahren 2015 und 2016 hat die Zahl der ausländischen Katholiken bei uns mit hochgetrieben. Ist es nochmal was anderes auf Flüchtlinge zuzugehen in der Seelsorge? 

Hofmann: Es ist richtig, dass ein Teil der neuen Katholiken anderer Muttersprache aus den Flüchtlingsländern kommen, wobei der enorme Anstieg eben schon länger da ist. Die großen Zahlen kommen aus der Europäischen Union. Der Anstieg der katholischen Migranten innerhalb Deutschlands kommt zu 80 Prozent und mehr aus EU-Ländern. Die Flüchtlinge sind bei uns stark im Bewusstsein, was auch wichtig und gut ist, aber unter ihnen sind nicht die Massen, die katholisch sind. Denn die meisten Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, sind nicht katholisch. Dennoch haben wir zum Beispiel bei den syrisch-katholischen Christen eine Verdopplung von 600 auf 1200 Gemeindemitglieder. Das ist absolut gesehen nicht gigantisch, aber sie können sich vorstellen, wenn es auf einmal doppelt  so viele sind, ist das schon eine Herausforderung für alle die, die da Verantwortung tragen. 

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch. 

(DR)

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