Frauen sitzen im Hof eines von Rebellen zerstörten Pfarrhauses im Osten des Kongo
Frauen sitzen im Hof eines von Rebellen zerstörten Pfarrhauses im Osten des Kongo

29.06.2017

missio über Fluchtbewegungen von Kongo nach Angola Millionen suchen Zuflucht

Weltweit sind so viele Menschen auf der Flucht wie nie zuvor - 65,6 Millionen. Und auch im Kongo hat sich eine enorme Flüchtlingswelle entwickelt. Über die Gründe dafür berichtet missio-Länderreferent Felix Steiner im domradio.de-Interview.

domradio.de: Um das zunächst einmal geografisch einzuordnen: Wo genau fliehen die Menschen aus dem Kongo über die Grenze? Was ist das für eine Region - diese Region Kasai?

Felix Steiner (missio-Länderreferent für die Demokratische Republik Kongo): Den meisten ist wohl bewusst, dass der Kongo im zentralen Afrika liegt. Was vielen nicht klar ist, ist, dass der Kongo das zweitgrößte Land Afrikas ist, zehn Mal größer als die Bundesrepublik vor ihrer Wiedervereinigung. Der Kasai, wo Spannungen heftigster Natur schon im vergangenen September entstanden sind, liegt im Südwesten des Kongos und grenzt an Angola. Die Flüchtlingssituation ist dort immens. Wir machen uns nicht bewusst, dass leider Gottes der Kongo zurzeit eine Spitzenposition einnimmt, was die Flüchtlingszahlen angeht.

Wir haben immer die Bilder im Kopf von Binnenflüchtlingen in Syrien oder von den Mittelmeerflüchtlingen. Aus dem Kongo haben wir in den letzten Wochen dagegen nur sehr wenig gesehen. Dabei sind wie gesagt eine Millionen Binnenflüchtlinge im Kasai selbst unterwegs und in der Ostregion des Kongo, die an Ruanda und Burundi grenzt, weitere zwei Millionen.

domradio.de: Das sind erschreckende Zahlen. Wovor fliehen die Menschen im Kasai?

Steiner: Die Menschen laufen eigentlich um ihr nacktes Leben. Rebellen und Regierungssoldaten bekämpfen einander und beide Seiten kennen kein Pardon. Es wird geplündert, gebrandschatzt, vergewaltigt. Der Hintergrund: Die Regierung des Kongo fürchtet um ihre Macht. Eigentlich sollten schon Ende letzten Jahres Wahlen stattfinden, weil aber die beiden Mandate des Regierungschefs Kabila abgelaufen sind, lässt dieser die Wahlen immer wieder verschieben. Kabila hat versucht, einen der wichtigen Stammesältesten im Kasai auf seine Seite zu ziehen, aber der wollte nicht so richtig mitspielen.

Zudem hat die Regierung einen Teil des Landes, auf dem dieser Stamm lebt, an die Chinesen verkauft. Weil der Stammesführer nicht zugestimmt hat, wurde er getötet. Das hat eine immense Spirale der Gewalt ausgelöst. Junge Leute dieses Stammes haben sich Drogen beschafft und sind unter deren Einfluss gegen Regierungssoldaten vorgegangen. Die wiederum - und das ist der eigentliche Auslöser der Gewaltexzesse - haben heftigst zurückgeschlagen und seitdem fliehen die Menschen, um ihr Leben zu retten. Wenn sie es schaffen, fliehen sie bis über die Grenze nach Angola.

domradio.de: Beobachter sagen: "Der Kongo erlebt gerade die größte Flüchtlingskrise der Gegenwart." Teilen Sie diese Einschätzung?

Steiner: Ja, auch wenn das in den Medien kaum vorkommt. Wie gesagt: Wir sprechen hier von einer Millionen Flüchtlinge alleine im Kasai, einer Region die etwa drei Mal so groß wie Belgien ist; hinzukommen zwei Millionen im Ost-Kongo. 500.000 Menschen sind in die angrenzenden Staaten geflüchtet. Wir haben es da mit einer Dimension zu tun, die leider Gottes im Moment einen Spitzenwert einnimmt.  

domradio.de: Schauen wir speziell auf die Grenzregion. Ist Angola denn in der Lage, diese Menschen vernünftig aufzunehmen?

Steiner: Die Regierung in Angola behauptet das. Meiner Quelle zufolge habe ich allerdings andere Informationen. Die Flüchtlingslager befinden sich im Norden Angolas, in einer dicht besiedelten Region, die an die Hauptstadtregion des Kongos grenzt. Meinen Informationen zufolge sind dort drei Lager eingerichtet worden, für insgesamt 30.000 Menschen. Das klingt vielleicht nicht so viel, aber man muss sich die tatsächliche Zahl höher denken. Denn viele der Kongolesen sind zusätzlich zu Bekannten und Verwandten in Angola geflüchtet.

Immerhin scheint die Regierung zu versuchen, für die Sicherheit der Geflüchteten in den Camps zu sorgen. Aber das ist auch schon so ziemlich alles. Was die Versorgung der Menschen anbelangt – mit Lebensmitteln, Decken und so weiter – versucht die Kirche zu helfen. Caritas-Einrichtungen sind da im Einsatz und auch der Jesuiten Flüchtlingsdienst.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter

(dr)

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