Jabbar Abdullah
Jabbar Abdullah

20.06.2017

Der Vorzeige-Flüchtling: Archäologe Jabbar Abdullah arbeitet für ein Museum in Köln "Integration ist wie Liebe. Sie muss von zwei Seiten kommen!"

Er hat eine Wohnung gefunden und sogar eine Anstellung in seinem Beruf: Der Archäologe Jabbar Abdullah lebt jetzt seit zweieinhalb Jahren in Köln. Er arbeitet für das Römisch-Germanische Museum.

Wer ihn reden hört, glaubt kaum, dass Jabbar Abudllah erst seit so kurzer Zeit Deutsch lernt. Erstaunlich differenziert drückt er sich aus, ist problemlos in der Lage, in der fremden Sprache seine Gedanken über das große Thema Integration darzulegen. Wobei für Abdullah feststeht: Ohne Sprache keine Integration!

Englisch war ihm in den ersten Tagen nützlich, um Adressen zu finden oder für allgemeine Auskünfte. Auf Arabisch hat er sich mit anderen Flüchtlingen ausgetauscht. Dabei war ihm von Anfang an klar, dass er in Deutschland nur zurechtkommen wird, wenn er in der Landessprache kommunizieren kann. Deshalb hat er sich selbst um einen Kurs bemüht, fleißig Vokabeln und Grammatik gepaukt und außerdem von Beginn an Kontakt zu Einheimischen gesucht. Wer nur in seiner Unterkunft sitze und vor sich hinlerne, schaffe den Sprung in die Gesellschaft auch nicht, meint Abdullah.

Jabbar Abdullah trifft auf ablehnende Reaktionen

Wie viele Flüchtlinge hat auch Jabbar Abdullah zunächst die Erfahrung gemacht, dass die Deutschen Fremden erst einmal eher distanziert begegnen. Es sei schon schwerer als zu Hause in Syrien, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Aber er hat versucht, zurückhaltende bis ablehnende Reaktionen nicht auf sich selbst zu beziehen, sondern sie erst einmal hinzunehmen als Art und Weise, wie viele Deutsche nun einmal sind.

"Neben der Sprache ist die wichtigste Voraussetzung für Integration, die Regeln hierzulande zu kennen und zu respektieren", sagt Abdullah und sieht Flüchtlinge in diesem Punkt in der Pflicht.  Sie dürften auch nicht einfach darauf warten, dass die deutsche Gesellschaft auf sie zukommt. "Wir Flüchtlinge sollten den ersten Schritt machen und gucken, was passiert. Vielleicht klappt das mit dem ersten nicht, aber mit den zweiten oder dritten schon!"

Archäologe und Schriftsteller

Ihm selbst hat dabei sehr geholfen, dass er neben seiner Tätigkeit als Archäologe auch Schriftsteller ist und relativ bald schon Lesungen syrischer Exil-Autoren in Köln und Umgebung organisiert hat. Dazu hat er noch die Ausstellungsreihe "Kunst und Flucht" auf die Beine gestellt - beides übrigens mit Unterstützung des katholischen Flüchtlingshilfe-Netzwerks "Neue Nachbarn". Die Kulturveranstaltungen fanden große Resonanz; und Abdullah hat während der Vorbereitung und Durchführung eine ganze Reihe neuer deutscher Freunde kennen gelernt.

Sein Fall klingt wie der eines Vorzeige-Flüchtlings und Jabbar Abdullah ist sich bewusst darüber, dass er als hoch qualifizierter Intellektueller deutlich leichter Zugang zur deutschen Kultur und Gesellschaft finden konnte als viele andere. Dennoch meint er, dass auch weniger Gebildete in Deutschland eine Chance haben und verweist auf gleich mehrere syrische Freunde. Die kämen auch ohne Schul- und Unilaufbahn klar, indem sie im Rheinland diverse syrische Restaurants aufgemacht hätten. "Die sind immer voll - das ist auch Integration!"

"Integration ist wie Liebe"

Wenn er an Integration denkt, sagt Abdullah, fallen ihm sofort die Worte eines Freundes ein: "Integration ist wie Liebe - sie muss von zwei Seiten kommen!" Und so gehört für ihn natürlich auch eine grundlegende Offenheit der deutschen Gesellschaft den neu Angekommenen gegenüber dazu. Nur wer sich grundsätzlich akzeptiert fühle, könne dann seinerseits die notwendigen Schritte tun, um sich wirklich einzuleben und anzukommen.

Dass manche Deutsche vor Geflüchteten Angst haben, versteht Jabbar Abdullah nicht. Er wirbt dafür, sich nicht von Vorurteilen einer Religion oder Nationalität gegenüber leiten zu lassen, sondern den Einzelnen und seine Geschichte zu sehen. Außerdem, das ist seine Überzeugung, können Geflüchtete aus ihrer jeweiligen Kultur so viel Spannendes und Neues einbringen. Und genau darin sieht er die große Chance der Integration: Dass sich am Ende beide Seiten gegenseitig bereichern - die, die schon vorher da waren und die, die neu dazugekommen sind.

Dieses Porträt ist Teil der domradio.de-Themenwoche "Neue Nachbarn: Wie Integration gelingt". Weitere Geschichten und Informationen finden Sie hier.  

Hilde Regeniter
(DR)

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