Geöffnete Kirchentür
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12.04.2017

Flüchtlingshelfer in den großen Kirchen Kirchenasyl nicht als Wahlkampfthema

Die Evangelische Kirche hat das Kirchenasyl verteidigt und als rechtmäßig beurteilt. Es stelle das staatliche Gewaltmonopol nicht in Frage und sei im Einklang mit rechtlichen Bestimmungen, sagte der Bevollmächtigte des Rates der EKD in Berlin, Martin Dutzmann.

Nach Medienberichten vom Mittwoch wollen zwei AfD-Politiker den beiden großen Kirchen mit einem Antrag für den Bundesparteitag am 22. und 23. April in Köln den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts entziehen lassen. Der niedersächsische AfD-Landesvorsitzende Armin-Paul Hampel begründe seinen Vorstoß mit der Duldung des Kirchenasyls in einer Anzahl von Gemeinden, meldete das RedaktionsNetzwerk Deutschland am Mittwoch. Damit hätten die Kirchen das staatliche Gewaltmonopol missachtet. In den vergangenen Wochen war die Praxis des Kirchenasyls verstärkt in die Kritik geraten, besonders von bayerischen Landespolitikern.

EKD-Vertreter Dutzmann verwies auf eine Vereinbarung zwischen dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und den beiden Kirchen aus dem Jahr 2015. Darin sei ein Verfahren vereinbart, in dessen Rahmen Kirchenasyle eine erneute rechtliche Überprüfung ermöglichten und damit im Interesse eines rechtsstaatlichen Verfahrens dazu beitragen könnten, "besondere Härten im Einzelfall zu vermeiden", sagte er. Die Flüchtlinge würden "weder versteckt noch dem staatlichen Zugriff entzogen".

Zusammenhang zwischen Kritik an Kirchenasyl und Wahlkampf

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche sieht einen Zusammenhang zwischen steigendem Druck auf das Kirchenasyl und den anstehenden Wahlen. "Mit der Kriminalisierung von Kirchenasyl im Wahljahr punkten zu wollen, ist unlauter", erklärte die Vorsitzende der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft, Dietlind Jochims.

Jochims erinnerte an eine Vereinbarung zwischen dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und den Kirchen aus dem Jahr 2015 und betonte, die Bundesarbeitsgemeinschaft habe "großes Interesse an der Fortsetzung des seit zwei Jahren geführten Dialogs" und nicht am Aufkündigen der Regelung. Bei der Suche nach guten Lösungen würden aber Einschüchterungen nicht weiterhelfen. Das Kirchenasyl bleibe "eine wichtige Tradition für die Wahrung und Durchsetzung von Menschenrechten", erklärte Jochims.

Kritik besonders in Bayern

In den vergangenen Wochen war die Praxis des Kirchenasyls verstärkt in die Kritik geraten, besonders von bayerischen Landespolitikern. Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft werden "vermehrt Ermittlungsverfahren gegen Pastorinnen und Pfarrer eingeleitet und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge übt Kritik an der Kirchenasylpraxis". Zugleich bekämen aber Gemeinden wegen der "forcierten Abschiebepraxis" immer mehr Anfragen, ob sie Kirchenasyl gewähren könnten.

An diesem Donnerstag will sich der bayerische evangelische Landesbischof und zugleich Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, mit dem bayerischen Justizminister Winfried Bausback (CSU) zu einem nicht-öffentlichen Gespräch über das Kirchenasyl treffen.

Über das ganze Jahr 2016 hat die Bundesarbeitsgemeinschaft knapp 700 Kirchenasyle gezählt. Für etliche Fälle sei im Gespräch mit den Behörden eine Lösung gefunden worden, hieß es. So seien Familientrennungen verhindert und Abschiebungen in unmenschliche und existenzbedrohende Verhältnisse wie nach Ungarn oder Bulgarien den Angaben zufolge abgewendet werden.

(epd)

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