Flüchtling in der Ausbildung
Flüchtling in der Ausbildung

27.11.2016

Stockende Handwerksausbildung von Flüchtlingen Anfänglicher Elan verraucht

Handwerkspräsident Wollseifer lobt die Bereitschaft vieler Unternehmen, Flüchtlinge als Auszubildende einzustellen. Der bürokratische Aufwand, der damit verbunden sei, schrecke jedoch besonders kleine Betriebe ab - der erste Elan ist weg.

Deutsche Handwerksbetriebe bilden derzeit 2.500 junge Flüchtlinge aus den acht wichtigsten Herkunftsländern aus. "Dazu kommen viele Tausend in Praktika oder Hilfsjobs", sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, diese Woche dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Zudem absolvierten aktuell rund 2.000 junge Flüchtlinge ein Programm zur Berufsorientierung.

Der Handwerksverband und die Bundesagentur für Arbeit haben im April ein Projekt gestartet mit dem Ziel, 10.000 Flüchtlinge binnen zwei Jahren in eine Ausbildung zu vermitteln. Das Programm richtet sich an anerkannte Flüchtlinge, Asylbewerber und Geduldete mit einer Arbeitserlaubnis. Das Projekt besteht laut Wollseifer aus zwei Stufen der Berufsorientierung: "Einige Flüchtlinge wurden bereits nach dem ersten Kurs als Azubis vermittelt."

Anfänglicher Elan verraucht

"Allerdings spüren wir auch: Es ist viel vom anfänglichen Elan verraucht", sagte der Handwerkspräsident. Die Abläufe seien nicht komplikationsfrei, "wie manche das anfänglich erwartet haben". Es habe geradezu euphorische Prognosen führender Vertreter der Großunternehmen gegeben, die Flüchtlinge seien die Lösung für das Fachkräfteproblem. "Das ist bei weitem nicht der Fall", sagte Wollseifer.

Der Handwerkspräsident beklagte Hemmnisse bei der Beschäftigung von Flüchtlingen. So könnten die Arbeitsagenturen den Betrieben noch nicht so viele Bewerber zuweisen, weil offenbar Sprach- und Integrationskurse fehlten und die Anerkennungsverfahren zu lange dauerten. Auch schreckt der bürokratische Aufwand nach Wollseifers Worten viele kleinere Betriebe ab. "Kleine Betriebe, in denen die Chefs ihre Buchhaltung selbst machen, sind hier überfordert", sagte er.

Zudem sei der Qualifizierungsstau bei den Flüchtlingen enorm, erklärte Wollseifer. Meldungen der Bundesagentur, wonach die Flüchtlinge im Durchschnitt deutlich höher gebildet seien als angenommen, deckten sich nicht mit den Erfahrungen der Unternehmen. Viele junge Leute hätten in ihren Herkunftsländern nur kurz eine Schule besucht und verfügten kaum über berufliche Qualifikationen.

Vorbehalte gegen handwerkliche Berufe

"Wir stoßen aber auch auf Vorbehalte gegen handwerkliche Berufe", sagte Wollseifer. Es sei die Aufgabe von Integrationskursen und der Berufsorientierung, solche Vorurteile aus der Welt zu schaffen.

Dennoch betonte Wollseifer: "Tausende Betriebe hätten die Flüchtlinge lieber heute als morgen, ihnen geht es nicht schnell genug." Dem Handwerk fehle es flächendeckend an Nachwuchs. "Junge Flüchtlinge zu qualifizieren, ist ein Baustein, diesem Mangel abzuhelfen", sagte er. Auch deshalb seien die Handwerksbetriebe zum "Integrationsmotor" geworden. Dagegen sei der Beitrag der Industrie zur Beschäftigung von Flüchtlingen "bisher eher gering", sagte der Verbandspräsident.

(epd)

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