Franziskus: "Aufnehmen ohne integrieren ist nicht gut"
Jugendliche Flüchtlinge brauchen Integration

30.09.2016

Katholischer Flüchtlingsgipfel widmet sich der Integration Vom Heiligen Geist und dem "Spirit" in Deutschland

Zum zweiten Mal fand ein katholischer Flüchtlingsgipfel statt. Rund 140 Teilnehmer kamen dazu in Frankfurt zusammen. Die Stadt ist eine der großen Anlaufstellen für Menschen aus aller Welt.

Die große Politik bleibt außen vor. Wenn sich Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und dem Libanon in der maronitischen Gemeinde von Frankfurt treffen, geht es eher um praktische Fragen. "Wo kann ich meinen Studienabschluss anerkennen lassen?" oder: "Wie komme ich an einen Führerschein?" - das sind die Probleme des Alltags, über die sie hier diskutieren. Man versuche zu vermeiden, dass die Menschen etwa über die Regierung von Baschar al-Assad in Syrien reden, sagen Dolly Saliba und Nehme Moussa. Die Konflikte aus der alten Heimat lassen die Menschen auch im neuen Exil nicht kalt.

Erzieherin Saliba, 55, seit 23 Jahren in Deutschland, und IT-Consultant Moussa, 40, seit 15 Jahren in Deutschland, gehören zu einem "Unterstützerteam" um Seelsorger Gaby Geagea. Der maronitische Geistliche betreut eine deutsche Gemeinde mit - und fungiert zugleich als Ansprechpartner für arabische Christen. Rund 120 Seelen zählt die Kerngemeinde in Frankfurt, im Rhein-Main-Gebiet leben schätzungsweise 400 von bundesweit 2.500 Maroniten, die im Libanon die größte christliche Gemeinschaft stellen.

Aber nicht erst seit dem vergangenen Jahr ist die maronitische Gemeinde so etwas wie eine Andockstelle für Flüchtlinge aus dem Nahen Osten. Hier wird Arabisch gesprochen. Und hier werden die manchmal seltsam anmutenden Bräuche des Gastlandes erklärt - zum Beispiel die Sachen mit den Schultüten. "Da wollten die Familien von uns wissen, was da überhaupt rein gehört", sagt Moussa.

Praktische Fragen der Integration

Um die praktischen Fragen von Integration und gesellschaftlichem Zusammenhalt ging es auch wenige Kilometer Luftlinie entfernt im "Haus am Dom" in der Frankfurter Innenstadt. Dort trafen 140 Vertreter aus Bistümern, Universitäten und Verbänden zusammen, um sich auszutauschen und zu vernetzen. Arbeitsgruppen befassten sich beispielsweise mit Themen wie "Werte und Normen", "Chancen auf dem Arbeitsmarkt" oder "Seelsorge und Gemeindeentwicklung im Angesicht der Zuwanderung". Das erste Treffen dieser Art fand im November vergangenen Jahres in Würzburg statt. Auf dem Höhepunkt dessen, was gemeinhin "Flüchtlingskrise" genannt wird.

Über das viele Krisengerede seither scheint mitunter in Vergessenheit zu geraten, wer da wirklich in der Krise steckt: Jene Menschen nämlich, die alles zurücklassen, um der Hölle zu entfliehen. Der Hölle von Aleppo in Syrien zum Beispiel. Oder der Hölle des "Islamischen Staates" im Irak. Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße rückte gleich zum Auftakt des Treffens die Maßstäbe zurecht. "Wer die christliche Prägung nur deshalb hochhält, um Menschen anderer Kulturen und Religionen fern zu halten, missbraucht und entwertet das Christentum", sagte der Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz und Vorsitzende der Migrationskommission.

Flüchtlingspolitik und Kirche

Die Kirchen, die von der großen Zahl muslimischer Zuwanderer auf ganz eigene Weise herausgefordert werden, stehen weiter hinter der ursprünglichen Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Das hatte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, in dieser Woche auch beim traditionellen Sankt-Michaels-Empfang in Berlin deutlich gemacht. Mit dem Weichzeichner wollen die Bischöfe trotzdem nicht an die Probleme herangehen. Es brauche langen Atem für die Integration, aber die Debatte darüber müsse sachlich bleiben, mahnte Heße.

Der Rat der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) hatte es am Mittwoch so formuliert: Die Integration von Migranten und Flüchtlingen sei ein komplexes, vielfältiges Phänomen, für das es kein Einheitsmodell gebe. Als erstes müssten Angst und Unwissenheit überwunden werden.

Das gilt für alle Seiten, wie das Gespräch in der maronitischen Gemeinde deutlich macht. Mit bisweilen ungeahnten Ergebnissen. Griechisch-orthodoxe, Chaldäer, Kopten und Maroniten feiern in Frankfurt gemeinsam Gottesdienst. "Im Irak, in Syrien oder Libanon wäre das undenkbar", sagt Nehme Moussa und lacht. Hier funktioniere es. "Das liegt vielleicht am Spirit in Deutschland."

Joachim Heinz
(KNA)

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