Flüchtlingslager in einem alten Flughafen
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Lesbos: Ein Mönch begrüßt Neuankömmlinge
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08.08.2016

Deutsche Theologin in Griechenland für besseres Flüchtlingsabkommen "Lösung, die den Flüchtlingskonventionen entspricht"

Von Griechenland aus blickt Theologin Dorothee Vakalis besorgt auf das EU-Flüchtlingsabkommen mit der Türkei. Sollte das Abkommen scheitern, wäre das eine Katastrophe sowohl für Flüchtlinge als auch für Griechen, warnt sie.

domradio.de: Frau Vakalis, wie sieht es derzeit in den griechischen Flüchtlingslagern aus? 

Dorothee Vakalis (Ev. Pfarrerin im Ruhestand): Die Situation in den ungefähr 40 Flüchtlingsaufnahmelagern auf dem Festland in Griechenland ist weiterhin katastrophal, manche reden von Menschendeponien. Man muss sich das so vorstellen, dass innerhalb von vier bis sechs Tagen auf alten Militärgeländen, in alten Fabrikhallen diese Lager aus dem Boden gestampft worden sind. Es sind Lager,  in denen zwischen 500 bis 4000 Menschen in provisorischen Zelten, meist ohne einen Fußboden, leben. Die Leute schlafen mit Decken oder Pappen auf Fußböden. Die Zelte sind ganz dicht aneinander gepflockt, dass jede Zelteinheit gar keinen privaten Raum hat. Die sanitäre Versorgung ist ungenügend, es gibt in der Regel viel zu wenig Toiletten und Duschanlagen oder auch Wasserhähne. In manchen Lagern gibt es nur Wasserbassins, aus denen kein Frischwasser geholt werden kann. Die medizinische Versorgung ist ungenügend, das Essen ist auch nicht angepasst an die Bedürfnisse oder auch an die Gewohnheiten dieser Menschen. Es ist zusammengefasst, eine Situation, die unmenschlich ist und auch jetzt von Amnesty International angeprangert worden.

domradio.de: Wenn man diese unmenschliche Situation erlebt, wie blicken Sie dann aus Griechenland auf dieses ganze Gezerre um das Flüchtlingsabkommen zwischen EU und Türkei?

Vakalis: Wir empfinden es so, dass dieses Flüchtlingsabkommen eigentlich nur dazu dient, Flüchtlinge an der Weiterreise zu hindern, die Festung Europa weiterhin zu schützen. Es geht den Menschen hier in den Lagern schlecht, aber sie wissen eben, dass unzählige andere Menschen auch noch weiterhin auf der Flucht sind, also aus Syrien, aber auch aus anderen Ländern, wo Krieg herrscht, wo Bürgerkrieg herrscht, wo es Hunger gibt. Wir denken, es muss eine Lösung gefunden werden, die den Flüchtlingskonventionen entspricht, die den Menschenrechten entsprechen und die dem Wohl der Frauen, der Kinder, der Männer, der Alten, der vielen Kranken entsprechen. Wir haben in den Lagern sehr viele Menschen, die chronisch krank sind, Menschen, die kriegsverletzt sind, die keine besondere medizinische Versorgung bekommen. Sie können sich vorstellen, wenn es hier schon nicht genügend ist, was ist dann mit denen vor den Toren Europas, was sie erleiden müssen.

domradio.de: Die Türkei droht damit, das Flüchtlingsabkommen platzen zu lassen. Welche Folgen hätte das für Griechenland?

Vakalis: Sicherlich, dass noch mehr Menschen kommen. Es kommen ja täglich Menschen, das wird in der Öffentlichkeit gar nicht so verbreitet. Es gelingt immer wieder einer sehr begrenzten Zahl, 50-150 Menschen pro Tag auf die griechischen Inseln zu kommen. Sie werden dort erst einmal zurückgehalten, aber wenn diese Zahl sich wieder sprunghaft erhöhen sollte, wie im letzten Sommer und im letzten Herbst, wird das eine Katastrophe werden für die Flüchtlinge selbst, aber auch natürlich für die griechische Bevölkerung gerade auf den Inseln. Man wird versuchen, die Ankommenden zurückzuhalten, nicht aufs Festland weiterreisen zu lassen. Es ist unvorstellbar, wenn da nicht andere Lösungen gefunden werden. 

Das Interview führte Silvia Ochlast.

(DR)

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