ZdK-Präsident Thomas Sternberg
ZdK-Präsident Thomas Sternberg

16.01.2016

Sternberg warnt nach Silvestertaten vor Pauschalverurteilung Gute und schlechte Menschen in jeder Gesellschaft

Einer ganz großen Welreligion einen Hang zum Hass zu unterstellen sei fatal, sagt der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) Thomas Sternberg. Er warnte vor einer Pauschalverurteilung von Flüchtlingen und Muslimen aufgrund der Silvestervorkommnisse in Köln.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hat vor einer Pauschalverurteilung von Flüchtlingen und Muslimen aufgrund der Silvestervorkommnisse in Köln gewarnt. Wie in allen Gruppen der Gesellschaft gebe es unter ihnen gute und schlechte Menschen, sagte er am Freitagabend in Münster. Dass es sich bei den Straftätern von Köln nicht um glaubenstreue Muslime gehandelt habe, zeige alleine die Tatsache, dass sie stark alkoholisiert gewesen seien. "Es wäre fatal, einer der ganz großen Weltreligionen einen Hang zum Hass zu unterstellen", so Sternberg auf dem Neujahrsempfang des Verbands der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV).

Religionen hätten einen "humanen Impuls", sagte der ZdK-Präsident vor rund 100 KKV-Mitgliedern im Franz-Hitze-Haus, der katholisch-sozialen Akademie des Bistums Münster. Das gelte für das Christentum und den Islam. Für eine gelingende Integration der Muslime werde es in erster Linie auf den Dialog ankommen. "Und den können am besten diejenigen führen, die ihre eigenen festen Werte vertreten." An die Christen appellierte Sternberg, sich als "Konsensbildner" zu engagieren und Gemeinschaft herzustellen. Es gelte "mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die anders sind als wir". Es werde eine der wichtigsten Aufgaben der Christen in naher Zukunft sein, "zum Kitt der Gesellschaft" beizutragen, so Sternberg, der auch Leiter des Franz-Hitze-Hauses ist.

Sich stärker denjenigen widmen, die arbeitslos seien

An die Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung richtete Sternberg die Forderung, sich stärker jenen Menschen zu widmen, die nicht am Erwerbsleben teilnehmen. Neben Arbeitslosen gebe es die Gruppe derer, die nicht in der Lage seien, eine qualifizierte Arbeit auszuüben. Sie dürften nicht einfach mit Sozialgeld ruhiggestellt werden. Vielmehr brauche es Arbeitsmodelle, die ihnen das Gefühl vermittelten, gebraucht zu werden. "Jeder Mensch braucht am Tag eine Dosis der Bedeutung für andere", zitierte Sternberg den Psychiater Kaus Dörner.

Der KKV ist ein katholischer Sozialverband mit nach eigenen Angaben rund 80 Ortsgemeinschaften in ganz Deutschland. Ihm gehören bundesweit rund 8.000 Mitglieder an.

(KNA)

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