Flüchtlingskinder
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15.01.2016

Kölner Aktivistin sieht Willkommenskultur nicht infrage gestellt "Interesse lässt nicht nach"

Nach aktuellem ARD-Deutschlandtrend mehren sich Zweifel, ob die Flüchtlingskrise bewältigt werden kann - und die Willkommenskultur wird infrage gestellt. Eine Beobachtung, die Gabi Klein vom Kölner "Forum für Willkommenskultur" nicht teilt.

domradio.de: Was genau machen Sie im "Forum für Willkommenskultur"?

Gabi Klein: Wir unterstützen in Kooperation mit dem Kölner Flüchtlingsrat die Willkommenskultur in unserer Stadt. Das bedeutet, wir vernetzen die Willkommensinitiativen miteinander, so dass nicht an jeder Stelle in Köln das Rad neu erfunden werden muss. Wir bieten Qualifizierungen und Veranstaltungen an und informieren.

domradio.de: Haben Sie jetzt nach der Silvesternacht eine größere Skepsis gegenüber Flüchtlingen wahrgenommen? Sind Ihre Freiwilligen verunsichert?

Gabi Klein: Nein. Wir merken da keinen Einbruch. Wir haben nach wie vor ganz viele Anfragen von Menschen, die sich engagieren wollen. Wir begleiten im Moment rund 100 Freiwillige, die in unserem Paten- oder Mentorenprojekt sind. Die haben wir übrigens auch schon nach der Silvesternacht getroffen und wir haben festgestellt, dass dabei die Silvesternacht kein Thema war. Ich habe den Eindruck, dass die Menschen, die sich schon engagieren, das Ganze sehr differenziert betrachten. Die Menschen, die sich engagieren wollen, und zu uns kommen, haben sich die Entscheidung vorher gut überlegt und geraten nicht ins Wanken.

domradio.de: Das war schon ein halber Erklärungsansatz. Aber würden Sie sagen, ein persönlicher Kontakt mit Flüchtlingen ist vielleicht der beste Schutz gegen fremdenfeindliche Anwandlungen?

Gabi Klein: Jeder persönliche Kontakt erweitert den Horizont. Davon würde ich ausgehen, und wir machen das auch in unseren Paten- oder Mentorenrunden so. Am Anfang gibt es Vorbehalte, vielleicht auch gegenüber bestimmten Nationalitäten. Das kommt durchaus vor und wird dann thematisiert. Ich glaube, es ist auch sehr gut, dass es thematisiert werden darf. Viele Freiwillige melden uns zurück, dass sie sehr viel über sich selber gelernt haben und inzwischen viel differenzierter aufgrund und während ihres Engagements schauen.

domradio.de: Versuchen Sie vom "Forum für Willkommenskultur" jetzt auch auf die Stimmungsmache mit konkreten Veranstaltungen zu reagieren?

Gabi Klein: Ja. Wir haben zum einen in diesem Monat zwei offene Angebote. Das ist einmal ein Barcamp (offener Workshop, Anm. der Redaktion), zu dem alle am 30. Januar ganz herzlich zu eingeladen sind. Das Barcamp für eine Willkommenskultur in Köln ist ein ganz offenes Format, da kann jedes Thema eingebracht werden, das die Menschen interessiert. Es wird dann besprochen, wenn genügend andere es als diskussionswürdig erachten. Wir laden dazu auch aktiv Organisationen ein, die sich schon mit den Ereignissen aus der Silvesternacht beschäftigen und darauf reagieren wollen. Wir bieten auch eine sogenannte Energiestation an, das ist eine offene Supervisionsgruppe für Menschen, die sich für Flüchtlinge engagieren. Dabei kann das auch angesprochen werden. Wir haben jetzt zufällig am 26. Januar eine Veranstaltung "Gute Flüchtlinge - schlechte Flüchtlinge" zur medialen Kategorisierung von Schutzsuchenden. Das war eine Reaktion auf die Entwicklung in den Medien im letzten Jahr, dabei werden die Geschehnisse aus der Silvesternacht auch aufgegriffen.

domradio.de: Sie tragen die Willkommenskultur ja sogar im Namen. Wollen Sie einfach weitermachen wie bisher - oder Ihre Bemühungen jetzt vielleicht sogar noch verstärken?

Gabi Klein: Wir werden weitermachen wie bisher. Das heißt, wir greifen die Themen auf, die die Menschen interessieren, die sich für die Arbeit mit und für Flüchtlinge engagieren und wir werden Themen selber einbringen. Wir machen das bisher in einem großen Maße und werden das so weitermachen.

domradio.de: Was würden Sie gerne einmal denjenigen sagen, die jetzt die Verbrecher der Silvesternacht mit Flüchtlingen über einen Kamm scheren?

Gabi Klein: Ich persönlich bin sehr betroffen von dem, was in der Silvesternacht geschehen ist. Ich finde es schlimm, was geschehen ist, und es muss auf jeden Fall auch geahndet werden, aber es darf auf keinen Fall für eine Pauschalisierung missbraucht werden.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(dr)

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