Prags Kardinal Dominik Duka
Prags Kardinal Dominik Duka

26.12.2015

Prager Erzbischof weist Kritik an Umgang mit Geflüchteten zurück Zweifel an Quoten

Der Prager Kardinal Dominik Duka hat zu Vorsicht angesichts der derzeitigen Flüchtlingssituation aufgerufen und Kritik an der Abschottung osteuropäischer Länder zurückgewiesen. Skeptisch äußerte sich er auch zum Zusammenleben verschiedener Religionen.

"Mitgefühl und Emotion ohne vernünftiges Verhalten führen in die Hölle", sagte der Vorsitzende der Tschechischen Bischofskonferenz in einem Weihnachtsinterview der slowakischen Tageszeitung "Dennik N". Weder alle noch niemanden aufzunehmen sei richtig; vielmehr müsse man einen kühlen Kopf bewahren und "rational vorgehen", so Duka.

In dieser "Flüchtlingswelle ohne jede Kontrolle, in der die Staaten "völlig versagt" hätten, müsse sorgfältig geprüft werden, "wer tatsächlich hilfsbedürftig und wessen Leben bedroht ist", sagte der böhmische Primas und Dominikaner. Die Flüchtlingswelle bediene "auch bestimmte Pläne und Programme der Dschihadisten".

Christen bevorzugt

Duka führte aus, da es sich aktuell um eine Vertreibungswelle handele, die mit der Vertreibung der Armenier vor 100 Jahren begonnen habe, sei man in Tschechien "in erster Linie darauf vorbereitet, christliche Flüchtlinge aufzunehmen". Christen würden "in diesen Ländern permanent verfolgt und von niemand anderem unterstützt". Man könne "auch nicht einen einzigen Flüchtling aufnehmen, ohne dass dieser einen staatlichen Überprüfungsprozess durchlaufen hat".

Wenn man den Flüchtlingen zurufe "kommt und nehmt", dann müsse man auch etwas anzubieten haben, so der 72-Jährige. Faktisch aber verfüge Tschechien weder über genügend Lehrer noch ausreichend Dolmetscher. Zudem hätten die Flüchtlinge keinerlei Interesse, nach Tschechien, in die Slowakei oder nach Ungarn einzuwandern. Der Prager Kardinal hinterfragte die zuletzt beschlossenen Quoten zur Verteilung der Flüchtlinge auf die 28 EU-Staaten. "Wohin dann mit jenen, die wir nicht werden haben wollen?"

Die kommunistische Tschechoslowakei trage am Nahost-Konflikt eine Mitschuld, da sie Waffen in die heutigen Bürgerkriegsstaaten exportiert habe. Seit der Revolution von 1989 hingegen habe allein Tschechien eine halbe Million Flüchtlinge aufgenommen, vorzugsweise aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion und aus Vietnam sowie "eine große Menge slowakischer Roma". Dieser Zuwachs sei durchaus mit jenem in den westeuropäischen Ländern vergleichbar, sagte Duka zu Vorwürfen, die Länder der "Visegrad-Vier" (Ungarn, Slowakei, Polen, Tschechien) machten es sich zu leicht und hätten vergessen, wie viele Flüchtlinge der Westen aus ihnen zur Zeit des Kommunismus aufgenommen hätten.

Misstrauen gegenüber Muslimen

Zu seinen Kontakten mit Muslimen sagte der Prager Kardial, er habe gleich nach seinem Amtsantritt 2010 einen Vertreter der muslimischen Gemeinde empfangen und diesem mit einiger Mühe eine Verurteilung terroristischer Anschläge abgerungen. Bald danach habe das Tschechische Fernsehen denselben Mann in einem Gebetssaal mit verdeckter Kamera aufgenommen, wie er die angesprochenen Attacken rühmte. Daher identifiziere er sich "völlig mit jenen, die die Muslime verdächtigen, Beileid nur aus Selbstverteidigung zu bekunden". Aus dreimaliger Lektüre des Koran wisse er, "dass ein gläubiger Muslim nicht verpflichtet ist, mir gegenüber sein Wort zu halten".

Skeptisch äußerte sich Duka auch zum Zusammenleben verschiedener Religionen auf einem Territorium. "Theoretisch" sei alles möglich, aber man müsse auch die Realitäten betrachten. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) seien 50 Jahre verstrichen, und in akademischen Räumen werde ein Dialog geführt. Doch in Wirklichkeit habe sich "das Zusammenleben in den Ländern des Nahen Ostens radikal verschlechtert".

Im Widerspruch zu Schönborn und Woelki

Der Prager Erzbischof setzte darin deutlich andere Akzente als Wiens Kardinal Christoph Schönborn, der vor Weihnachten in einem Gespräch mit dem Pressburger Magazin "Tyzden" und in einer Stellungnahme in der "Kronenzeitung" Kritik an jenen EU-Ostländern geübt hatte, die sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen stellen und europäische Solidarität eingemahnt hatte.

Auch der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki hatte Bestrebungen einiger osteuropäischer Länder, nur christliche Flüchtlinge aufzunehmen, als skandalös bezeichnet. Jedes Staatswesen in Europa sei verpflichtet, Menschen in Not unabhängig von ihrer Hautfarbe, Religion und ethnischer Zugehörigkeit zu helfen, sagte Woelki im September gegenüber domradio.de. Eine solche Auswahl sei für einen europäischen Staat nicht hinnehmbar, erst recht nicht unter einem christlichen Gesichtspunkt. Die europäische Idee werde beschädigt, wenn sich Staaten wie die Slowakei, oder auch Tschechien und Großbritannien hier ihrer Verantwortung entledigen, so Woelki weiter. Den betreffenden Staaten warf er eine Flüchtlingspolitik nach dem Sankt-Florian-Prinzip vor: "Da wird um Quoten und Aufnahme-Kontingente gefeilscht wie sonst um Abgasmengen oder Schadstoffe. Jeder hält seine Haustür zu und verweist auf den Nachbarn, der doch bitte die Flüchtlinge aufnehmen soll." Woelki fügte hinzu: "Es geht doch hier nicht um die Pest, die wir ins Haus holen, sondern um Menschen, die unsere Hilfe brauchen." Menschen verließen nicht freiwillig ihre Heimat, sondern wegen Krieg, Terror, Not, Elend und Armut.

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