Flüchtlingschor
Flüchtlingschor

20.12.2015

In Köln singen Einheimische und Flüchtlinge gemeinsam Der Willkommenschor

Musik baut Brücken, haben sich zwei Kölner Musikstudenten gedacht - und einen Chor für Flüchtlinge und Nichtflüchtlinge ins Leben gerufen. Die Flüchtlinge sollten am Montagabend das Adventskonzert im Kölner Dom mitgestalten.

Die Flüchtlinge sollen jetzt ein Lied aus ihrer Heimat singen. "Wer möchte?", fragt Joachim Geibel und schaut in eine Runde abwartender Gesichter. Stühle werden gerückt, Sitznachbarn angestupst, der Lärmpegel steigt. "Will keiner?", fragt der Musikstudent noch einmal. Eine Stunde Chorprobe liegen hinter Dirigenten und Dirigierten, eine Stunde voll mit deutschem Sangesgut.

Jetzt soll Gelegenheit sein für Fremdländisches. Doch von den Flüchtlingen ergreift keiner die Initiative. Schließlich steht ein Deutscher auf und singt "Irgendwo auf der Welt gibt's ein kleines bisschen Glück" aus einem deutschen Filmklassiker. Geht es nach Geibel, gibt es dieses Glück nicht irgendwo, sondern genau jetzt und hier, in den Räumen des Jugendmigrationsdienstes.

Auf einer Wellenlänge 

Seit September probt er an diesem Ort mit dem "Kölner Flüchtlingschor", den er und Mitstudentin Nicole Lena de Terry ins Leben gerufen haben. "Singen ist eine positive Gemeinschaftserfahrung", weiß Geibel. Und: "Man ist sehr schnell auf einer Wellenlänge, wenn man zusammen etwas Ästhetisches erschafft." Einmal in der Woche bringen die Studenten deswegen sangesfreudige In- und Ausländer zusammen, um Kontakt herzustellen und Berührungsängste abzubauen, wie Geibel sagt.

"Nach dieser Erde wäre da keine, die eines Menschen Wohnung wär", beginnt ein Teil des Chores. "Darum, Menschen, achtet und trachtet, dass sie es bleibt", führt ein weiterer den Kanon fort. "Wir haben mit englischen Songs angefangen", sagt de Terry, aber die Flüchtlinge wollten lieber Deutsch lernen. Jetzt ist alles in der Landessprache - das Einsingen, die Anweisungen, die Texte. Weil "trachtet" schwer auszusprechen ist und ein Großteil der anderen Wörter auch, schreiben Geibel und de Terry alle Liedtexte an eine Tafel. "Ich gucke in Google Translate, was dieses Wort ist", sagt Isa aus Albanien. Dann versucht er, zu verstehen.

Singen für den Augenblick 

Als der Chor den Refrain "Willkommen in Köln" singt, ist eine Stimme nicht dabei. Ihr Besitzer in der letzten Reihe ist mit einem Telefonat beschäftigt - auch das ist eine Besonderheit des Flüchtlingschors. Die Chorleiter bohren nicht nach, wenn ihre Sänger zwischendurch den Raum verlassen. Nur wenn es allzu laut wird, unterbrechen sie das Gequatsche.

Wofür die Probe? "Bei uns geht es um den Augenblick, nicht so sehr um das, was in der Zukunft daraus wird", sagt de Terry. Obwohl die Sänger aus Afghanistan, Pakistan, Guinea oder Albanien noch gar nicht lange zusammen sind, wagen sie einen ersten Auftritt: Am Montagabend um 20.00 Uhr beim traditionellen Adventskonzert im Kölner Dom. Der Flüchtlingschor wird dann gemeinsam mit dem Kölner Domchor und dem Mädchenchor an der Kathedrale zugunsten der "Aktion Neue Nachbarn" im Erzbistum singen.

Vieles neu 

Die Chorleiter der multikulturellen Sangesrunde erleben bei ihrem Projekt viele Besonderheiten. "Für viele war es neu, dass sie nachsingen sollen, was wir vormachen", sagt Geibel. "Die Afrikaner wollen immer gleich mitsingen." Und auch die Tatsache, dass eine Frau den Ton angibt, habe einige Flüchtlinge anfangs verwundert. Doch inzwischen ist das Normalität.

Im Rund der knapp drei Dutzend Stimmen sitzen mehr Aus- als Inländer. Weil die Flüchtlinge im gleichen Haus vor der Probe einen Deutschkurs haben, müssen sie nur den Raum wechseln, um dabei zu sein. Für Nichtflüchtlinge ist der Weg noch weiter. "Wir überlegen uns gerade einen neuen Namen", sagt de Terry. Geht es nach den Initiatoren, soll das Projekt bald "Willkommenschor" heißen. Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen. Auch die Deutschen nicht.

 

Ricarda Breyton
(KNA)

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