Kirche St. Benedikt in Bremen
Kirche St. Benedikt in Bremen

17.12.2015

Flüchtlinge ziehen in Bremer Kirche St. Benedikt ein Eine besondere Herberge

Als deutschlandweit erste noch für Gottesdienste genutzte katholische Kirche dient Sankt Benedikt in Bremen als Notunterkunft für Flüchtlinge. Am Donnerstag wurden die fertigen Räume vorgestellt, am Abend sollten die ersten Flüchtlinge einziehen.

"Einmal durchfegen und wischen, dann können die Flüchtlinge kommen." Für die Helfer aus der Gemeinde bleibt nur noch wenig zu tun, um ihre Kirche Sankt Benedikt im Bremer Stadtteil Woltmershausen als Notunterkunft an die Stadt zu übergeben. Leicht ist ihnen die Entscheidung nicht gefallen. Aber letztlich seien alle einverstanden gewesen, sagt Pfarrer Johannes Sczyrba. Innerhalb von zwei Wochen wurde aus dem Gottesdienstraum eine Schlafstätte für Asylbewerber. Die Bänke lagern bei einer Spedition, der Altar wurde umbaut, andere sakrale Gegenstände sind ausgelagert. Jetzt stehen hier elf Wohneinheiten von je 20 bis 25 Quadratmetern aus hölzernen Trennwänden. Rund 40 Syrer können einziehen.

Bremens Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) macht sich am Donnerstag ein Bild vom Umbau. Und ist beeindruckt. Statt in Zelten oder Turnhallen zu nächtigen, hätten die Flüchtlinge im Winter jetzt ein festes Dach über dem Kopf und zumindest ein wenig Privatsphäre. Sie sei ganz gerührt und sofort begeistert gewesen, als Bremens Propst Martin Schomaker im Oktober mit dem "Riesen-Angebot" gekommen sei, eine Kirche für die Menschen aus den Kriegs- und Krisengebieten zur Verfügung zu stellen.

Entspannte zunkünftige Bewohner

Das Besondere daran ist: Die Kirche bleibt weiterhin ein Gotteshaus. Sie ist nicht profaniert. Nach der zunächst auf ein Jahr angelegten Nutzung als Flüchtlingsunterkunft kann und soll sie wieder für Gottesdienste genutzt werden. Damit ist Sankt Benedikt die erste Kirche, die "aus dem laufenden Betrieb" zur Verfügung gestellt wird. An anderen Standorten in Deutschland wurden die Gotteshäuser schon länger nicht mehr als solche genutzt.

Keiner der ankommenden Muslime sei gezwungen, in eine katholischen Kirche zu ziehen, betont die Geschäftsführerin des Katholischen Gemeindeverbands in Bremen, Sonja Glasmeyer. Wer das mit seinem Glauben nicht vereinbaren könne, werde in eine andere Unterkunft vermittelt. Aber die Diskussion unter den Flüchtlingen sei schnell geklärt gewesen, ergänzt Stahmann. "Jesus gehört für die Muslime ja zu den Propheten, da sind die künftigen Bewohner ganz entspannt."

Gottesdienste im Gemeindesaal

Es war der Gemeinde schon wichtig, den "besonderen Charakter" des Raumes zu erhalten. So wurde das Kreuz hinter dem Altar nicht abgenommen. Und oben auf der Empore thront über allem die Orgel. Aber ihre Gottesdienste feiern die Mitglieder jetzt im Gemeindesaal nebenan.

Bei den Menschen, die in ihre Kirche ziehen, handelt es sich ausschließlich um Syrer, zumeist junge Männer. Nur eine Familie mit einem zweijährigen Sohn ist unter ihnen. Sie kommen mit ihrer wenigen Habe zu Fuß aus einer nahen Schulturnhalle, in der es keine Trennwände und somit keinerlei Privatsphäre gab. Parallel werden Etagenbetten, Tische und Stühle herübergebracht. Der Umzug aller 40 Personen soll nur zwei Tage dauern.

"Eine der besten"

Er habe in den letzten Monaten schon viele Flüchtlingseinrichtungen gesehen, sagt der Direktor der Bremer Caritas, Martin Böckmann. Diese hier sei sicher eine der besten. Er verweist darauf, dass jede Wohneinheit über eigenen Stromanschluss, Lampen und vor allem abschließbare Türen verfügt. Toiletten und Duschen stehen den Flüchtlingen in Containern im Kirchhof zur Verfügung. Geleistet wurde das alles in nur zwei Wochen durch die Firma A + W aus Sögel, ein Bildungszentrum der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB). Die beschäftigt neben Langzeitarbeitslosen auch Flüchtlinge. So verdoppelt sich Hilfe. Und so wird der Geist christlicher Nächstenliebe besonders deutlich.

Die Caritas wird die Notunterkunft betreiben. Ein Sicherheitsdienst ist rund um die Uhr im Einsatz. Besonders überzeugend findet Böckmann auch den Caterer, der das Essen für die 40 Personen liefern wird: Der Betreiber hat selbst einen arabischen Hintergrund. Er kennt sich nicht nur damit aus, was halal, also nach islamischem Recht zulässig ist. Er weiß auch, was Syrern besonders gut schmeckt: "Viel Süßes und zugleich recht Scharfes." An hoffentlich alles ist gedacht, die letzten Handgriffe sind getan. 40 Flüchtlinge haben an Weihnachten eine Herberge.

Johannes Schönwälder
(KNA)

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