Abt Johannes Schaber OSB
Abt Johannes Schaber OSB
Flüchtlinge kommen in Deutschland an
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02.11.2015

Bayrischer Abt zur Flüchtlingslage und Koalitionszwist "Helfen ist Christenpflicht"

Die Union möchte die Flüchtlingszahlen reduzieren. Ein Schritt, den Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer begrüßt, um das Bundesland zu entlasten. Bei domradio.de blickte Abt Johannes Schaber aus katholischer Sicht auf den Koalitionsstreit.

domradio.de: Wie erleben Sie in Ihrem Umfeld das Engagement für Flüchtlinge?

Abt Johannes Schaber (Benediktinerabtei Ottobeuren): Ich bewundere die vielen Ehrenamtlichen, die mithelfen. Aber genau so habe ich größten Respekt vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vom Ausländeramt, in den Landratsämtern in Memmingen und Mindelheim. Ich bin immer wieder erstaunt und dankbar, wie groß das Engagement hier ist.

domradio.de: Bayern als Bundesland ist mit seiner Grenze zu Österreich besonders von den vielen Flüchtlingen betroffen. In der Union gibt es Streit um Transitzonen und eine Begrenzung von Flüchtlingsströmen. Aber kann man das Recht auf Asyl begrenzen? Wie sehen Sie das als Christ?

Abt Johannes Schaber: Wer um Hilfe bittet, sollte Hilfe bekommen. Sonst hätte jemand das Christentum nicht verstanden. Da fragt man auch nicht, wer da kommt. Der barmherzige Samariter hat auch nicht groß gefragt, er hat geholfen. Von daher sehe ich keine Möglichkeit zur Begrenzung. Die Frage ist natürlich, wenn so viele kommen, wie man damit umgehen kann, wie man das handhaben kann. Bei dem Ansturm muss man schauen, wie man das logistisch und praktisch umsetzen kann. Da sind die Grenzregionen natürlich überfordert.

domradio.de: Der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler hat im domradio.de-Interview gesagt, dass die CSU-Führung von ihrem eigenen ethischen Fundament - nämlich dem christlichen Menschenbild - durch Ihre scharfen Töne im Flüchtlingsstreit Abstand nehmen würde. Wie beurteilen Sie die Rolle von Ministerpräsident Horst Seehofer in der Debatte?

Abt Johannes Schaber: Je nachdem, wie es gemeint ist. Wenn Herr Seehofer meint, dass das Bundesland Bayern überfordert ist, in kurzer Zeit so viele Flüchtlinge aufzunehmen und sie zu registrieren, dann ist das ein logistisches Problem. Dann muss man ansetzen und schauen, wie man es umgesetzt bekommt. Wenn er gemeint haben sollte, dass man keine Flüchtlinge mehr aufnehmen soll, dann ist das aus christlicher Sicht abzulehnen und völlig zu verwerfen. Wenn Bayern überfordert ist, in möglichst kurzer Zeit die Flüchtlinge aufzunehmen und weiter zu geben, dann muss man dem Bundesland auch helfen. Man müsste genau hinschauen, wie es Herr Seehofer meint.

domradio.de: Ich habe es schon gesagt, Bayern ist durch die Grenze zu Österreich besonders betroffen. Tut Ihrer Meinung auch die Katholische Kirche genug, um die staatlichen Stellen zu unterstützen?

Abt Johannes Schaber: Da traue ich mich nicht, eine Aussage zu treffen, ob es genug ist. Dass viel gemacht wird, das erlebe ich in meinem engsten Umfeld und davon kann ich berichten. Ich hoffe, dass es genug ist.

domradio.de: Was wäre das für ein Beispiel aus Ihrem engeren Umfeld?

Abt Johannes Schaber: In meinem Umfeld sind hier in den Pfarreien Helferkreise entstanden. Diese bestehen teilweise schon seit einiger Zeit und sind teilweise jetzt neu aufgebaut worden. Die Mitarbeiter der Caritas kommen schon gar nicht mehr beim Gründen von Helferkreisen in den Orten und Pfarreien nach. Das sind mutige Leute, die da aufstehen und sagen, dass sie helfen wollen. Natürlich gibt es auch Ängste und Vorbehalte. Aber insgesamt, vom dem, was ich in anderen Pfarreien und meiner Pfarrei erlebe, ist sehr großes Engagement da.

domradio.de: Es wird ja immer davon gesprochen, dass die Stimmung kippt. Wie erleben Sie das?

Abt Johannes Schaber: Ja, sie kippt ein wenig, aber vor allem, weil man nicht weiß, wie man diese große Herausforderung in so kurzer Zeit bewältigen soll. Das ist auch ein Problem. Aber es gibt kein Wackeln in der grundsätzlichen Entscheidung dafür, dass man Menschen Hilfe gewährt, die sie jetzt oder vorübergehend brauchen.

Das Interview führte Mathias Peter

(dr)

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