Notunterkunft im niedersächsichen Oerbke - nicht überall gibt es genug Dolmetscher
Notunterkunft im niedersächsichen Oerbke - nicht überall gibt es genug Dolmetscher

22.10.2015

Student entwickelte Dolmetscherdienst für Flüchtlinge Übersetzer am Telefon

Sprachbarrieren sind ein Problem für Flüchtlinge - nicht überall gibt es Übersetzer. Lucas Uhlig kam da die Idee eines einmaligen Dolmetscherdienstes. Dafür erhält er am Freitag den Cusanus-Preis der bischöflichen Studienförderung.

"Bringen Sie bitte Formblatt zwei in doppelter Ausführung bis morgen in zwei Wochen inklusive einer beglaubigten Kopie ihres Reisepasses mit", sagt die Dame in der Ausländerbehörde mit freundlichem Lächeln. Der junge Somalier ihr gegenüber ist perplex, nickt verschüchtert, nimmt das Formular und geht.

Verstanden hat der Flüchtling nur einen Teil. Wenig später erhält er einen Kürzungsbescheid für seine finanzielle Unterstützung aufgrund fehlender Unterlagen. Der Hallenser Medizinstudent Lucas Uhlig bekam die Sache mit: "Ich bin dann einfach mit zu den Behörden gegangen und habe gemerkt: Schon ganz simples Dolmetschen hilft beiden Seiten enorm weiter."

Uhlig überlegte sich: "Kann man diese einfache Hilfe nicht ausbauen, damit möglichst viele Leute davon profitieren?" Entstanden ist daraus die "Hallesche Interkulturelle Initiative" - ein Dolmetscherdienst für Asylbewerber und Flüchtlinge per Telefon. Rund 100 ehrenamtliche Übersetzer wirken daran inzwischen mit und dolmetschen über eine Hotline live Gespräche in 20 Sprachen. Und Initiator Uhlig erhält an diesem Freitag in Münster für seine kreative Idee den mit 5.000 Euro dotierten Cusanus-Preis. Der 26-Jährige ist selbst Stipendiat des katholischen Begabtenförderwerks Cusanuswerk.

Dolmetschen über den Handylautsprecher

Uhligs Telefon-Dolmetscherdienst zielt auf die Simultanübersetzung von kleineren Gesprächen ab, etwa bei Terminvereinbarungen und der Klärung kleinerer Formalitäten bei der Ausländerbehörde oder aber bei Lehrer-Eltern-Gesprächen in Schulen. Über eine Hotline geht der Anruf auf den Handys des Organisations-Teams ein. Wer ihn entgegen nimmt, erkundigt sich beim Anrufer nach der gewünschten Sprache, hält den Anruf, sucht per Telefonliste einen freien Übersetzer und schaltet ihn dann per Konferenzschaltung zum Anrufer.

Dieser erhält nun noch eine Belehrung, dass der Dolmetscher zwar "Laie", aber auch zur Geheimhaltung verpflichtet ist. Über den Handylautsprecher kann nun das Gespräch live gedolmetscht werden. "Der Vorteil ist: Der Übersetzer muss nicht anreisen, und wir können in der Regel innerhalb von fünf bis zehn Minuten jemanden mit passenden Sprachkenntnissen organisieren", so Uhlig.

Das System hat natürlich seine Grenzen: Länger als 20 Minuten sollten die Gespräche nicht dauern. Auch können keine Fachgespräche, etwa juristischer oder medizinischer Art gedolmetscht werden, erklärt der Student: "Wir sind ja alle keine professionellen Übersetzer, sondern bringen nur unsere einfachen Fremdsprachenkenntnisse mit." Eine besondere Qualifikation müssen die ehrenamtlichen Übersetzer nicht mitbringen. Aber es gibt kleinere Schulungen, um die Ehrenamtlichen für den interkulturellen Dialog fit zu machen.

Sehr direkte Einblicke in Situation der Asylbewerber

Die Initiative führt ihre Übersetzer aus Datenschutzgründen anonymisiert in Listen. "Der Anrufer soll nicht die Nummer des Übersetzers sehen, damit es nicht zu Missbrauch kommt", sagt Uhlig und berichtet, dass das durchaus schon vorgekommen ist. Häufig fragten Anrufer, ob nicht auch eine persönliche Begleitung möglich sei - doch das kann die Initiative nicht leisten, deren Team aus etwa einem Dutzend Leuten, überwiegend Studenten, besteht. Menschlich sei es manchmal schwierig, professionelle Distanz zu wahren, räumt Uhlig ein, denn natürlich bekomme man sehr direkte Einblicke in die persönliche Situation der Asylbewerber.

Anfangs konzentrierten sich Uhlig und sein Team auf die Ausländerbehörde und boten ihre ehrenamtlichen Dienste an. "Denn erstaunlicherweise ist es dort nicht vorgesehen, dass amtliche Dolmetscher beauftragt werden, dabei ist der Bedarf gerade in dieser Behörde riesig", erzählt er. Inzwischen gibt es weitere Kooperationen, etwa mit den Schulsozialarbeitern in Sachsen-Anhalt und der Caritas. Die Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert, und die Anfragen nehmen zu. Aktuell sind es vier bis fünf pro Tag. "Es ist ein Glücksfall, dass unser System genau jetzt rund läuft, wo der Bedarf quasi explodiert", sagt Uhlig. Gleichzeitig sind die Kapazitäten begrenzt. "Aber vielleicht greift ja ein Bundesland das Modell als Pilotprojekt auf."

Karin Wollschläger
(KNA)

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