In einer Erstaufnahmerichtung
In einer Erstaufnahmerichtung

05.10.2015

Gemeinde fühlt sich von Erstaufnahmelager überrollt Obergrenze gefordert

Rheinland-Pfalz plant offenbar, im 3800-Einwohner-Ort Langenlonsheim ein Erstaufnahmelager für bis zu 2400 Flüchtlinge zu errichten. Das Land übernimmt Kosten und Organisation. Bürgermeister Cyfka ist dennoch besorgt.

domradio.de: Es war erst ein Gerücht am Freitag, auch die Zahlen, mittlerweile ist das aber verifiziert und es steht fest, dass bis zu 3000 Flüchtlingen bei ihnen untergebracht werden?

Michael Cyfka (Bürgermeister von Langenlonsheim bei Bad Kreuznach): Zunächst 900 Menschen in den vorhandenen Produktionshallen des Standesortes (Anm. d. Red.: auf einem ehemaligen Werksgelände eines Autozulieferers) und dann weitere 1500 in mobilen Zelten, die dort fest aufgebaut werden, so dass wir zunächst über 2400 sprechen. Eine weitere Prüfung in den vorhandenen leerstehenden Büroräumen soll ergeben, was dort noch an Potenzial ist, um weitere Menschen unterzubringen.

domradio.de: Wie können Sie jetzt so schnell Unterkünfte bereitstellen, Essen organisieren und all das?

Cyfka: Das obliegt ja alles dem Land, die Gemeinde ist rein rechtlich außen vor. Es handelt sich um eine Erstaufnahmeeinrichtung. Das Land wird sowohl die Finanzierung als auch die Versorgung der Menschen mit Nahrung oder die medizinische Versorgung übernehmen. Uns wurde gesagt, dass weder Kosten noch Personaleinsatz von Seiten der Gemeinde erforderlich sind. Das kann man auch gar nicht erwarten. Es ist vielmehr die Situation: Es ist ein Erstaufnahmelager, die Menschen können sich ja frei bewegen, wir fordern von der Landesregierung schon eine Obergrenze, eine Deckelung, wir fordern, dass die Menschen registriert werden, dass es möglicherweise auch Ausgangssperren gibt. Sie müssen sich vorstellen, die Menschen können sich zunächst einmal  24 Stunden frei bewegen. Das können wir ja auch nicht kontrollieren. Sie werden möglicherweise in Hunderten von Gruppen in die Gemeinde gehen. Dann wissen wir natürlich nicht, was da auf uns zukommt, was uns erwartet. Das kann eine Gemeinde wie Langenlonsheim infrastrukturell auch gar nicht leisten.

domradio.de: Was sind das für Szenarien, die Sie sich vorstellen?

Cyfka: Nun gut, das ist ja in der Frage so, dass man nicht alles planen kann und ich will das jetzt auch gar nicht alles nur negativ sehen. Der Ortsbürgermeister und ich haben ja von Anfang an gesagt, dass jeder seinen gesellschaftspolitischen Beitrag bringen muss. Dass natürlich dort eine Unterbringung auch notwendig ist. Ich meine, wenn Flächen zur Verfügung stehen, hat das Land Handlungsdruck. Das ist völlig verständlich. In einem gewissen Maß unterstützen wir das auch. Sie müssen sich mal vorstellen - 3800 Einwohner und 3000 Flüchtlinge - das heißt, es käme ja fast auf einen Einwohner ein Asylbewerber. Dass das natürlich auch nicht gut sein kann für das soziale Gefüge in einer Gemeinde, ist klar - ohne dass man jetzt Vorbehalte hat oder Horrorszenarien an die Wand malt. Wir wurden am Samstag erst informiert und hätte man sich von Seiten der Landesregierung zeitnah an einen Tisch gesetzt, hätte man das ein oder andere in Ruhe miteinander besprechen können. So sind wir regelrecht von den Ereignissen überrollt worden.

domradio.de: 150 Flüchtlinge sind in der Verbandsgemeinde bisher untergebracht, schon seit längerer Zeit, wie hat das Zusammenleben geklappt?

Cyfka: Das Zusammenleben klappt exzellent. Als kommunaler Träger mieten wir Wohnraum an, wir haben einen Pool an Wohnungen über Privatinitiativen, die wir anmieten. Wir bringen die Menschen dort unter, die integrieren sich im Vereinsleben, die nehmen an Bürgerfesten teil. Es gibt eine hohe ehrenamtliche Tätigkeit hier in der Verbandsgemeinde, wir haben eine Willkommensgruppe, die aus 40-50 ehrenamtlichen Helfern besteht, die sich tagtäglich mit den Menschen beschäftigen und diese Alltagsprobleme bewältigen, die dann anfallen.

domradio.de: Sie bitten die Landesregierung die Entscheidung über die Anzahl der Flüchtlinge, die nach Langenlonsheim kommen sollen, noch einmal zu überdenken. Sehen Sie da noch Möglichkeiten?

Cyfka: Nach den Gesprächen heute mit der Staatskanzlei scheint das doch aussichtslos zu sein, dass sich da viel bewegen lässt. Ob man dem medialen Druck nachgeben wird, das wage ich im Moment zu bezweifeln. Die Entwicklung müssen wir jetzt abwarten. Ich gehe davon aus, dass wir im Laufe der Woche mit Vertretern der Landesregierung noch einen Ortstermin zusammen bekommen und die Situation hier vor Ort besprechen. Bisher wurde ja nur über E-Mail oder Telefon miteinander kommuniziert. Ich denke, es muss einfach mal vor Ort persönlich miteinander gesprochen werden.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(dr)

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