11.09.2015

CDU-Bundestagsabgeordneter fordert Religionsfreiheit als Menschenrecht "Toleranten Umgang mit Religion kann man lernen"

Die Strom der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, reißt nicht ab. Oftmals ist die Religion der Grund, warum sie ihre Heimat verlieren. Darauf macht auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Prof. Heribert Hirte im domradio.de-Interview aufmerksam.

domradio.de: Wie kann Deutschland darauf hinwirken, dass religiöse Toleranz im Ausland gestärkt wird?

Prof. Heribert Hirte: Einer der Punkte ist, dass wir das auch einmal laut sagen müssen. Das ist auch das Anliegen, dass wir verfolgen. Das Europäische Parlament hatte auf Betreiben von Rainer Wieland eine entsprechende Initiative gestartet. Wir als Mitglieder der CDU-Bundestagsfraktion schließen uns diesem Appell an. Denn wir wissen, dass in Ländern, in denen religiöse Toleranz herrscht, auch andere Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit und auch die Gleichbehandlung von Mann und Frau in größerem und stärkerem Umfang gewahrt werden, als in den Ländern, in denen die Religionsfreiheit beeinträchtigt ist. 

domradio.de: Was kann man denn tun, um in Ländern wie dem Irak oder Afghanistan konkret Religionsfreiheit zu fördern?

Prof. Heribert Hirte: Wir stehen natürlich bei solchen Ländern, wie dem Irak oder Afghanistan, vor der Frage, ob wir mit Waffengewalt etwas durchsetzen könnten. Diese Frage wird bei uns in Deutschland zu Recht mit "Nein" beantwortet. Deshalb müssen wir uns darauf beschränken, die Regierungen dieser Länder davon zu überzeugen, dass religiöse Toleranz ein wichtiges Menschenrecht und ein Gut ist, das der gesamten Gesellschaft zugute kommt. Der zweite Punkt, den wir jetzt in der Flüchtlingsdiskussion sehen, ist folgender: Wir nehmen natürlich und genau aus diesem Grund Flüchtlinge auf, die gerade wegen ihrer religiösen Überzeugung verfolgt werden. Das betrifft im Augenblick in großer Zahl vor allem die Syrer.

domradio.de: Inwiefern sehen Sie in Deutschland ein Problem mit der Religionsfreiheit und religiöser Toleranz? Immer weniger Menschen bezeichnen sich als gläubig, wohingegen für viele Flüchtlinge die Religion eine zentrale Rolle spielt. Inwiefern haben die Menschen hier vielleicht ein Verständnisproblem, was Religion anbetrifft?

Prof. Heribert Hirte: Sie sprechen damit ein wichtiges Problem an. Wir haben in der Tat in Deutschland eine Situation, in der Religion im öffentlichen Raum kaum noch stattfindet. Die Auseinandersetzung findet dort sehr deutlich statt, wo Moslems wohnen und zuziehen. Das Interessante ist jedoch, dass diejenigen, die sich in ihrer Position beeinträchtigt fühlen, nicht Christen sind, sondern es sind diejenigen, die mit Glauben bisher überhaupt keinen Kontakt hatten. Wir sehen das ja in den unterschiedlichen Ausprägungen von Angriffen gegen Flüchtlingsheime im Osten und im Westen der Republik. Der Osten Deutschlands ist heute leider religiös betrachtet ziemliches Niemandsland. Deshalb ist auch der Umgang mit anders religiösen Menschen oder mit Menschen, die überhaupt eine Religion haben, ein Problem. Wir im Westen und aus Köln, wo ich herkomme, sind es gewohnt, dass wir auch mit anderen Religionen einen toleranten Umgang pflegen und haben deshalb auch ein gegenseitig besseres Verständnis. Das gilt es, zu exportieren.

domradio.de: Kann man das lernen oder beibringen?

Prof. Heribert Hirte: Ja, das kann man lernen. Man kann beispielsweise lernen, die Feste miteinander zu feiern. Ich erinnere mich noch sehr genau an eine Situation aus meiner Schulzeit früher. In einem damals noch stärker katholisch dominierten Köln hat ein evangelischer Mitschüler gesagt, er habe das "falsche Gebetbuch", woraufhin alle gemeinsam gelacht haben. Das ist das Entscheidende. Man hat gemeinsam darüber gelacht und zwar gesagt, dass er in einem Punkt anders ist, weil er einen anderen Glauben hat, aber wir respektieren diesen Glauben. Dieses Lernen setzt natürlich voraus, dass man zur anderen Religion ein Verhältnis des Kennens und des gegenseitigen Verstehens hat. Man muss sich auch austauschen können. Das ist genau das, was wir im Rheinland in den letzten Jahrzehnten und auch schon davor sehr intensiv gepflegt haben. In anderen Teilen, auch Deutschlands, ist das nicht so ausgeprägt.

Das Interview führte Dr. Christian Schlegel

(dr)

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