Flüchtlingskind
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Grafitti mit "Kita"
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11.09.2015

Caritas veröffentlicht Leitfaden für Flüchtlingskinder in Kitas Für ein besseres Miteinander

Die Caritas im Erzbistum Köln hat auf die steigende Zahl der Flüchtlingskinder in katholischen Kitas reagiert und eine Orientierungshilfe veröffentlicht. Kindern, Eltern und Erziehern soll das Miteinander dadurch vereinfacht werden, erklärte Dorothea Herweg domradio.de.

domradio.de: Laut einer aktuellen Studie leidet ein Dritter aller Flüchtlingskinder an psychischen Belastungsstörungen. Die Kinder haben oft Schreckliches hinter sich. Inwiefern kann das in den Kitas aufgefangen werden?

Dorothea Herweg (Leiterin der Abteilung Tageseinrichtungen für Kinder beim Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln): Zunächst ist es das wichtigste Ziel, den Kinder Sicherheit zu vermitteln. Das zweitwichtigste Ziel danach ist dann, ihnen neue und persönlichkeitsstärkende Erfahrungen zu ermöglichen. Damit das gelingt, müssen wir die Erzieherinnen und Erzieher fortbilden. Das ist für sie kein Alltagsgeschäft. Sie müssen lernen, Symptome von Traumatisierung zu erkennen und entsprechend professionell zu handeln. 

domradio.de: Ein großes Problem ist sicherlich die Sprachbarriere, denn viele Flüchtlingskinder sprechen kein Deutsch und die Mitarbeiter meist nicht die Muttersprache der Kinder. Wie kann dem begegnet werden? 

Dorothea Herweg: Sprachbarrieren sind tatsächlich ein Problem. Das besteht weniger bei den Kindern untereinander, denn die verständigen sich mit Händen und Füßen. Die Kinder lernen in diesem Alter in der Regel sehr schnell die deutsche Sprache. Oftmals können sie schon nach drei Monaten korrekte Sätze bilden. Schwieriger ist allerdings das Gespräch mit den Eltern der Kinder. Da nutzen wir Dolmetscher, soweit sie verfügbar sind.

domradio.de: Sie haben gerade gesagt, sie möchten positive Erfahrungen vermitteln. Welche können das sein?

Dorothea Herweg: Bei traumatisierten Kindern ist es in erster Linie wichtig, dass sie eine feste Tagesstruktur erleben und eine feste Begleitperson haben. Das sollte eine Erzieherin oder ein Erzieher sein, die wiederkehrend auf die Kinder eingehen. Außerdem brauchen sie Unterstützung für eine bessere Selbststeuerung. Das können beispielsweise Angebote für eine bessere Körperwahrnehmung, Massage oder psychomotorische Behandlungen sein. Ebenso sind Angebote für die Entspannung und den Rückzug wichtig. Wenn man erkennt, dass es bestimmte Anzeichen für panische Reaktionen gibt, dann sollte man die möglichst abschalten und vermeiden, soweit das machbar ist. In manchen Fällen gelingt dies jedoch nicht. Ein Kollege berichtete mir, dass ein Kind in einer Einrichtung beispielsweise unter den Tisch flüchtet, sobald es Flugzeug- oder Hubschraubergeräusche hört. Daran kann man erkennen, welche Traumata bei den Kindern bestehen.

domradio.de: Der von der Caritas vorgestellte Leitfaden soll auch dabei helfen, interkulturelle Hürden abzubauen. Wie konkret?

Dorothea Herweg: Viele der Familien, die zu uns ziehen, kommen aus Ländern, in denen man wenig Wissen über den kulturellen Hintergrund hat. Wir bieten deshalb Fortbildungen und Informationsveranstaltungen an, damit ein Maß an Wissen aufbereitet werden kann und man sich auf kulturelle Unterschiede besser einstellen kann. Daneben suchen wir natürlich ein möglichst intensives Gespräch mit den Eltern, um viel über die Familie, wie sie denkt und welche Erziehungsvorstellungen sie hat, zu ermitteln. Das gelingt jedoch nicht immer, weil nicht immer Dolmetscher zur Verfügung stehen.

domradio.de: Dann müssen die Erzieher im Umkehrschluss ja auch über die kulturellen Verhältnisse der Eltern Kenntnisse haben. Wie wollen Sie da vorgehen?

Dorothea Herweg: Ich sagte ja schon, dass wir Fortbildungen anbieten, die dieses Wissen vermitteln. Wir erklären, welche kulturellen Gegebenheiten es in Syrien, Äthiopien und anderen Ländern gibt, aus denen die Flüchtlinge kommen. Ich denke es ist wichtig, dass diese Informationen vermittelt werden, um sich auf bestimmte Dinge einstellen zu können. Das sind beispielsweise die Essensgewohnheiten in den genannten Ländern. Oder die Frage, wie fremd das Essen hier in Deutschland für die Kinder sein könnte. Es könnte auch sein, dass Kinder das Essen ablehnen, weil es nicht den Gepflogenheiten zuhause entspricht. Ich denke hier an koscheres Essen.

domradio.de: Bis vor den Sommerferien haben 76 katholische Kitas im Erzbistum Köln etwa 230 Flüchtlingskinder aus Afrika, Asien und Osteuropa aufgenommen. Wie wird sich das wohl weiterentwickeln? 

Dorothea Herweg: Wir gehen davon aus, dass die Zahlen stetig steigen. Die Zuzüge von Familien mit Fluchthintergrund nach NRW sind ja in den letzten Wochen sehr intensiv angestiegen. Das wird sich auch in den Tageseinrichtungen niederschlagen. Wir starten jetzt gerade eine Online-Abfrage bei den 670 Kitas, die uns angehören, um mal genauere Zahlen in Erfahrung zu bringen. Dabei werden wir auch abfragen, aus welchen Ländern konkret die Familien stammen und momentan die größten Probleme sind.

Das Interview führte Hilde Regeniter

 

(dr)

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