Flüchtlinge in Ungarn
Flüchtlinge in Ungarn
Kardinal Erdö
Kardinal Erdö

07.09.2015

Journalistin: Ungarns Amtskirche engagiert sich wenig für Flüchtlinge "Die katholische Kirche ist nicht da"

Ungarns Kirche tut sich schwer mit der Flüchtlingshilfe, urteilt die Journalistin Márta Orosz. Sie habe sich nicht um die Flüchtlinge am Budapester Bahnhof gekümmert. Sie wolle nicht in den Verdacht der Schleuserei geraten.

domradio.de: Hier in Deutschland ist Kirchenasyl ein großes Thema, auch viele Gemeinden nehmen Flüchtlinge auf. Papst Franziskus hat dazu am Wochenende aufgerufen. Wie sieht das denn bei der Kirche in Ungarn aus? Treten die Kirchen in Erscheinung?

Márta Orosz (freiberufliche Deutschlandkorrespondentin für ungarische Medien mit Sitz in Berlin): Das Problem ist, es gibt bei den großen Kirchen in Ungarn keine zentrale Richtlinie, was das Thema angeht. Die einzelnen Gemeinden sind zwar aktiv, aber auf der zentralen Ebene passiert nicht so viel. Ein gutes Beispiel dafür ist die katholische Kirche in Ungarn. Wo zurzeit anscheinend nicht so viel passiert, aber die einzelnen Gemeinden sind dann doch aktiv und versuchen zu helfen, zum Beispiel nimmt eine Abtei auch Flüchtlinge auf. Sehr viele sehen die Rolle der katholischen Kirche kritisch und sagen, die katholische Kirche ist nicht da, sie ist nicht in diesem Ostbahnhof, wo in den letzten Tagen so viele Flüchtlinge waren und die setzen sich nicht genügend ein.

domradio.de: Der ungarische Kardinal Erdö spricht zum Beispiel davon, dass die Kirche in Ungarn keine Flüchtlinge aus rechtlichen Gründen aufnehmen darf, „sonst wird die Kirche zum Schleuser", hat er gesagt. Ist denn da was dran?

Orosz: Diese Aussage hat natürlich für sehr viel Kritik gesorgt. Leider ist es tatsächlich so, dass man laut dem ungarischen Recht einfach keine Flüchtlinge zu sich aufnehmen kann, weil man sich damit strafbar machen kann. Das ist natürlich ein riesengroßes Problem, aber es ist natürlich auch kein Grund für die Kirchen sich aus dieser Verantwortung herauszunehmen. Es gab sogar einen Kirchenaustritt wegen dieser Aussage. Ein Mitglied der katholischen Kirche hat öffentlich gesagt, diese Einstellung von der katholischen Kirche, dass sie keine Flüchtlinge aufnehmen, einfach weil sie in Verdacht von Schleuser stehen können, das ist ja keine vertretbare Einstellung in dieser Situation.

Das Interview führte Verena Tröster.

(dr)

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