Kardinal Marx besucht Flüchtlinge
Kardinal Marx besucht Flüchtlinge

17.08.2015

Kirche warnt vor Fremdenhass Debatte über Flüchtlinge hält an

Wie soll Deutschland mit den vielen Flüchtlingen umgehen, die derzeit ins Land kommen? Darüber wurde auch am Wochenende wieder leidenschaftlich diskutiert. Dabei warnten prominente Kirchenvertreter vor dem Schüren von Fremdenfeindlichkeit.

Mehr aufnehmen oder schneller abschieben? Die Debatte über den Umgang mit Flüchtlingen hält weiter an. Unter anderem forderten Politiker und Behördenvertreter am Wochenende, abgelehnte Asylbewerber aus den Balkanländern schneller abzuschieben und diesen auch schon vorher weniger Geld zu geben, sondern stattdessen Gutscheine und andere Sachleistungen. Prominente Vertreter der katholischen Kirche warnten unterdessen vor Fremdenfeindlichkeit und vor einer unbedachten Wortwahl in der Debatte.

Kardinal Marx fordert menschenwürdige Behandlung der Flüchtlinge

"Wer deutschen Boden betritt, soll menschenwürdig und gerecht behandelt werden", forderte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. "Es ist eine Schande, dass Deutsche Flüchtlingsheime anzünden und 'Ausländer raus' gegen Flüchtlinge schreien", ergänzte Bambergs Erzbischof Ludwig Schick.

Zugleich mahnte er zur Vorsicht bei der Wortwahl und warnte davor, von "Flüchtlingsströmen und Masseneinwanderung" zu reden. Diese und ähnliche Begriffe könnten Angst verbreiten "nach dem Slogan: Unser Haus ist voll". Deutschland könne aber noch mehr Flüchtlinge "aufnehmen und verkraften". Auch die Menschen vom Balkan sollten "freundliche Gesichter, gute Worte und helfende Hände erleben"

Außenminister Steinmeier für schnellere Rückführung von abgelehnten Asylbewerbern

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte angesichts des deutlichen Anstiegs der Zahl der Migranten vom Balkan schnellere Rückführungen von abgelehnten Asylbewerbern aus der Region. Zudem plädierte er dafür, nach Serbien, Mazedonien und Bosnien weitere Länder in der Region zu sicheren Herkunftsstaaten zu erklären, da dies die Ablehnung von Migranten erleichtere.

Auch SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann sprach sich dafür aus, Albanien, Kosovo und Montenegro als sicher einzustufen: "Viele Balkanflüchtlinge wollen vor allem Arbeit in Deutschland. Bei uns gibt es Schutz vor Krieg und Verfolgung, nicht aber einen Anspruch auf Arbeitsmigration." Angesichts der langen Bearbeitungszeiten bei den Asylanträgen schlug er vor, vorübergehend pensionierte Beamte aus dem Ruhestand zurückzurufen.

Bundesamt für Migration möchte weniger Taschengeld an Flüchtlinge verteilen

Der Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Manfred Schmidt, will Asylbewerbern vom Balkan weniger Geld geben und stattdessen Gutscheine, Fahrkarten und andere Sachleistungen. Bisher bekommen sie in den Erstaufnahme-Einrichtungen Essen sowie ein Taschengeld von 143 Euro im Monat. Auch FDP-Chef Christian Lindner unterstützte diese Überlegung.

Der Deutsche Kinderschutzbund dagegen warnte vor negativen Folgen. Sollten Asylbewerber künftig weniger Geld und stattdessen Gutscheine und Sachleistungen erhalten, könnte dies "die katastrophale Situation von Flüchtlingskindern in Deutschland deutlich verschärfen", sagte Präsident Heinz Hilgers: Um die Integration zu fördern, müssten "sie und ihre Familien die Chance haben, mit dem vorhandenen Geld ihr eigenes Leben zu gestalten". Linken-Fraktionschef Gregor Gysi Gysi nannte es eine Illusion, zu glauben, durch Sach- statt Geldleistungen die Zahl der Flüchtlinge zu begrenzen.

Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters, forderte Hilfsorganisationen und Politik auf, ihre Konzepte im Katastrophen- und Bevölkerungsschutz weiterzuentwickeln. Notwendig seien Fachleute, die traumatisierte und von Gewalterfahrung belastete Flüchtlinge aufnehmen, betreuen und begleiten könnten. Der geplante nationale Flüchtlingsgipfel müsse auch auf den Winter vorbereiten.

Neuausrichtung der deutschen Flüchtlingspolitik gefordert

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund forderte eine Neuausrichtung der Flüchtlingspolitik und die Gründung eines Deutschen Flüchtlingshilfswerks, da die Schätzungen für das Jahr 2015 jetzt von mehr als 600.000 Asylanträgen ausgingen. Für abgelehnte Asylbewerber aus Balkanländern sollte es zudem eine Wiedereinreisesperre und eine Visumspflicht geben.

Rupert Neudeck, der Gründer der Flüchtlingshilfe Cap Anamur, schlug unterdessen die Errichtung von Ausbildungszentren in Nordafrika vor. So könnten Fachkräfte für die deutsche Wirtschaft ausgebildet und herumirrende Flüchtlinge aufgefangen werden, "bevor sie die mörderische Fahrt übers Mittelmeer nach Europa" machten.

 

Gottfried Bohl
(KNA)

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