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18.02.2021

Warum Fasten gerade nach dem ersten Corona-Jahr gut tun kann Zwischen Selbstwirksamkeit, Spielräumen und Spiritualität

Die Fastenzeit lebt vom Kontrast zum Alltag: Aussteigen aus dem Trott, mehr Besinnung statt Berieselung und Aktivitäten. Für manchen war das ganze erste Jahr mit Corona eine einzige Fastenzeit. Dennoch ist Fasten jetzt sinnvoll.

Auf was mussten wir in den vergangenen Monaten nicht alles verzichten? Treffen mit Freunden und Familie, Konzert- und Kinobesuche, das Abendessen im Restaurant, Reisen... Nach fast einem ganzen Jahr des gefühlten Verzichts - sind wir in diesem Frühjahr überhaupt bereit für Fasten und Besinnung?

"Auf jeden Fall", meint Sabine Henning, Redakteurin beim ökumenischen Verein "Andere Zeiten". Aber das "Wie" werde sich ändern: "Es wird mehr Ideen geben, was man machen kann, außer zu verzichten." Einige Anregungen von Leserinnen und Lesern hat der Verein in seiner Broschüre "7 Wochen anders leben" aufgegriffen: etwa jeden Tag einen Brief an einen lieben Menschen zu schreiben, täglich etwas Gesundes zu kochen oder Mundharmonika spielen zu lernen. Besonders in der Corona-Zeit sei es wichtig, "Selbstwirksamkeit zu erleben".

Nach Hennings Beobachtung hat sich das Bedürfnis nach Spiritualität unter Corona "intensiviert". Das zeige auch die "Rekordauflage" des Kalenders "Der Andere Advent" mit 710.000 Exemplaren. Die Auflage der Fastenbriefe liege wie in den Vorjahren bei etwa 15.000. Gewachsen sei indes das Interesse an dem Fastenwegweiser "wandeln", der sich an Menschen richte, die dem christlichen Glauben eher distanziert gegenüberstehen. In diesem Jahr erscheine "wandeln" erstmals in einer Auflage von 50.000.

Bessere psychische Stimmung und vermehrte Stressresistenz

Den gesundheitlichen Aspekt des Fastens betont Eva Lischka, Vorsitzende der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung in Überlingen. "Viele haben in der Zeit des Lockdowns zugenommen durch mangelnde Bewegung, zu viel und ungesundes Essen und erhöhten Alkoholkonsum", stellt die katholische Medizinerin fest. Der Bedarf zu fasten sei derzeit deshalb groß. Die Klinik, an der sie Menschen beim Buchinger-Fasten unterstützt, sei "voll belegt".

Gesunde Menschen könnten aber auch zu Hause eine Fastenwoche oder einen wöchentlichen Fastentag mit Saft und Gemüsebrühe einlegen. "Jeder hat seinen eigenen Biorhythmus, was das Hungergefühl betrifft", weiß die Fastenexpertin. Wer morgens auf das Frühstück verzichten möchte, könne auch die 16/8-Variante des Intervallfastens ausprobieren: In den 16 Stunden der Essenspause verbrauche der Körper Überschüssiges, was zu Gewichtsabnahme und Stoffwechselverbesserung führe. "Andere verzichten vielleicht lieber auf das Abendessen mit dem gleichen Effekt."

Egal, für welche Fastenoption man sich entscheide: "2021 sollte man unbedingt fasten - kombiniert mit Bewegung und Entspannungsübungen", findet Lischka. Gerade angesichts der Corona-Belastungen sorge dies für eine bessere psychische Stimmung und vermehrte Stressresistenz.

Einladung, das Leben in Ordnung zu bringen

Arnd Brummer, Geschäftsführer der evangelischen Aktion "7 Wochen ohne", betont den Aspekt der Besinnung beim Fasten - "wie es Jesus während der 40 Tage in der Wüste getan hat". Die Aktion setzt auf die "Konzentration auf das Wesentliche im Leben". Die Pandemie verstärke die Notwendigkeit dazu, sagt Brummer. "Einfach so weitermachen", das funktioniere in der Corona-Zeit nicht. Die Menschen müssten eigene Wege finden, "um mit den gegenwärtigen Herausforderungen leben zu können". Die zentrale Frage spiegelt sich in dem diesjährigen Motto wider: Wo finde ich persönliche Spielräume in einer Zeit weltweiter Blockaden?

Benediktinerpater Anselm Grün rät, die Fastenzeit nicht nur als "unangenehme Zeit" und sich selbst nicht als "Opfer" wahrzunehmen. Vielmehr sei sie eine Einladung, "sein Leben in Ordnung zu bringen". Auch wenn die Menschen durch Corona auf vieles verzichten mussten, empfiehlt der Bestsellerautor, die Fastenzeit "als Trainingszeit in die innere Freiheit" zu nutzen.

So könne man die Fastenzeit dafür nutzen, über den eigenen Lebensstil nachzudenken und ihn so zu ordnen, "dass ich mit mir und meinem Leben zufrieden bin". So gelinge es, aktiv mit der Fastenzeit umzugehen und sie kreativ zu gestalten. Als Fastenvorsatz im Corona-Tunnel schlägt Grün vor, "eine Woche lang einmal nicht über andere zu reden. Dann wandelt sich etwas in der Beziehung zu mir und zu den andern."

Angelika Prauß
(KNA)

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