Beichtstuhl in einer kath. Kirche
Beichtstuhl in einer kath. Kirche
Peter Dyckhoff
Peter Dyckhoff

03.03.2015

Über die befreiende Wirkung der Beichte "Sakrament der Versöhnung als heilendes Moment"

Peter Dyckhoff, Priester und Geistlicher Begleiter, bedauert im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), dass Menschen dem Sakrament der Beichte nicht mehr viel abgewinnen können.

KNA: Herr Dyckhoff, täuscht der Eindruck, oder bleiben Beichtstühle nicht nur vor Ostern zunehmend leer?

Peter Dyckhoff (Priester, Autor, Geistlicher Begleiter): Seit in den 1970er Jahren in der Fastenzeit und Karwoche Bußandachten eingeführt worden sind, gehen Menschen weniger zur Beichte. Dabei bekommen sie bei der Andacht nur eine allgemeine Absolution - wie bei jeder Messe nach dem Schuldbekenntnis. Sie ersetzt aber nicht die persönliche Beichte und das Sakrament der Lossprechung. Die Einladung zur Beichte verhallt meist ohne großen Erfolg.

KNA: Was sind die Gründe?

Peter Dyckhoff: Viele schreckt der Beichtstuhl ab; auch ich bevorzuge diesen Ort nicht. Als zeitgemäßer empfinde ich ein Beichtzimmer, das viel einladender ist. Oft möchten Leute auch einfach nicht mit einem Pfarrer über ihre Probleme sprechen. Den Satz "Was geht das den Pfarrer an?", höre ich immer wieder. Andere sind enttäuscht von der Kirche und trauen dem Pfarrer nicht viel zu. Vielleicht hat er es sich mal zu einfach gemacht, hat sie mit ihrem Problem nicht ernst genommen oder hat sich zu wenig Zeit genommen.

KNA: Statt zur Beichte zu gehen, gehen viele Menschen heute bei Sorgen und Problemen lieber zum Psychologen. Suchen sie an der richtigen Stelle?

Peter Dyckhoff: Sicherlich kann es hilfreich sein, einen Psychologen um Rat zu fragen. Wie groß die Not vieler Menschen ist, zeigt sich an den langen Wartezeiten von Psychotherapeuten und Psychiatern. Manche sind auf Jahre ausgebucht. Ich weiß aber, dass Menschen auch nach 50 Sitzungen mitunter enttäuscht zurückbleiben, weil ihnen die Therapie doch nicht so viel gebracht hat. Der Psychologe nimmt die Psyche auseinander, er bekommt sie aber nicht mehr zusammen. Als Priester habe ich mit dem Sakrament der Versöhnung ein wirklich heilendes, ganzmachendes Moment. Viele Menschen fühlen sich danach sehr erleichtert, weil sie die befreiende und erlösende Kraft dieses Sakraments spüren. Da wird etwas gegeben, das ich mir nicht kaufen kann. Egal, wie schwer ihre Schuld auch gewesen sein mag - Gott nimmt sie in ihrer Unvollkommenheit an, wagt mit ihnen einen Neuanfang und begleitet sie dabei! Die Verbindung zur Urquelle der Schöpfung ist wiederhergestellt. Deshalb finde ich es schade, dass viel zu wenige Menschen dieses kostenlose und regelmäßige Angebot nutzen. Viele Menschen hätten es nötig, mal über Dinge zu sprechen, die bei ihnen nicht so im Lot sind. Solch eine Wegbegleitung ist eine große Chance, auch für die Kirche.

KNA: Das klingt gut - aber im Alltag haben viele Seelsorger vor lauter anderen Aufgaben doch oft gar nicht mehr die Zeit für ein Beichtgespräch.

Peter Dyckhoff: Viele Pfarrer und Seelsorger sind in der Tat mit Sitzungen und administrativen Angelegenheiten total überfordert. Mancher Seelsorger hat einfach nicht die Muße dafür.

KNA: Wie findet man dann den richtigen "Beichtvater", der sich auch Zeit nimmt?

Peter Dyckhoff: Ich mag den Begriff nicht - er klingt mir zu sehr nach erhobenem Zeigefinger. Über die deutschen Bistümer kann man nach einer Liste von Geistlichen Begleitern erfragen. Man sollte darauf achten, dass die "Chemie" stimmt, dass man diesem Menschen vertrauen und ihm sein Herz öffnen kann. Gespräche mit einem Geistlichen Begleiter können in eine Beichte münden. Manche der Menschen, die ich begleite, kommen seit Jahren und Jahrzehnten. Wenn man sich so lange kennt, nimmt man als spiritueller Begleiter am Leben und Schicksal des anderen teil. Das erinnert mich ein wenig an die Idee im "Kleinen Prinzen". Man ist verantwortlich für das, was man sich vertraut gemacht hat - auch als Geistlicher Begleiter.

KNA: Viele gehen lieber "anonym" beichten, etwa wenn sie einen Wallfahrtsort besuchen und dort den Beichtstuhl aufsuchen.

Peter Dyckhoff: Menschen, die einen Wallfahrtsort aufsuchen, sind religiös motiviert, etwas für sich zu tun. Über den Glauben kommen sie aus sich raus. Sie sind bereit, sich erneuern zu lassen und sich den Schatten ihrer Vergangenheit zu stellen. Dabei hilft die Beichte. Viele schämen sich und wollen sich nicht dem Priester ihrer Heimatgemeinde anvertrauen. Bei einem fremden Seelsorger und im Beichtstuhl, wo ich meinem Gegenüber nicht in die Augen sehen muss, sind manche eher gesprächig und haben weniger Hemmungen, über ihre Probleme zu sprechen. Die Lossprechung hat natürlich genauso Gültigkeit. Der Beichtende und der Seelsorger begegnen sich aber vielleicht nur dieses eine Mal. Deshalb sollte genügend Zeit sein, um dem Beichtenden eine Perspektive aufzuzeigen und ihn für den weiteren Lebensweg zu segnen.

(KNA)

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