09.03.2013

Weihbischof König über heilsames Fasten "Besondere Gnadenzeit"

Wer sich bewusst auf das Osterfest vorbereitet, der feiert das wichtigste Fest des Glaubens anders. Diese Erfahrung hat Paderborns Weihbischof Matthias König selbst gemacht. Im domradio.de-Interview spricht er über die Heilsamkeit des Fastens.

domradio.de: Warum verzichten wir eigentlich in den vierzig Tagen vor Ostern?

Weihbischof Matthias König: Als sich die christlichen Feste bildeten, hat sich schnell ein Kreis von Vorbereitungstagen um sie gelegt und dazu gehörte ganz eindeutig von Anfang dazu, dass man bestimmte Tage fastete. Ich nehme an, dass das aus dem Judentum kommt, wo zumindest am Versöhnungstag ein strenger Fasttag für die Gläubigen ist, um offen zu sein für Gott und sich von Dingen einmal ganz bewusst fernzuhalten, die sonst den Alltag und das Leben bestimmen.

domradio.de: Viele nehmen sich Dinge vor, wie zum Beispiel auf Schokolade zu verzichten oder auf Alkohol. Müssen es denn immer verzehrbare Genüsse sein, die wir fasten oder kann das auch etwas ganz anderes sein?

Weihbischof König: Das Verzehrbare ist manchmal das Praktikabelste. Indem ich mir auferlege, bestimmte Dinge mal eine ganze Zeit bewusst außen vor zu lassen, werde ich immer wieder daran erinnert, dass ich eben in einer besonderen Zeit bin und freue mich dann womöglich wieder darauf, wenn die Zeit vorbei ist, das Fest erreicht ist und ich bestimmte Dinge wieder genießen kann, aber natürlich ist damit auch gemeint, indem ich auf äußere Dinge verzichte, bereite ich mich innerlich vor.

domradio.de: In der Fastenzeit gibt es Angebote über Angebote, vom SMS-Fasten über Online-Fastenimpulsen bis zum Heilfasten. Würden Sie einem Gläubigen, der Sie fragt, etwas raten?

Weihbischof König: Ich würde ihm oder ihr raten, ersteinmal zu schauen, woran hängt Dein Herz so sehr, dass Du merkst, da ist immer die Tendenz drin, Dich von Gott wegzuziehen. Wenn also einer nur noch vor dem Computer sitzt oder ständig mit dem Handy spielt, dann würde ich sagen, versuche doch mal diesen Konsum einzuschränken. Früher war das eben Fernsehen oder Süßigkeiten oder der Verzicht auf Fleisch, das ist ja heute für manche sowieso schon fast das, was sie im Alltag kaum noch erleben. Also zu schauen, was besetzt mich, was stellt sich zwischen mich und Gott und wo will ich dann, auch wenn es mal ein bißchen weh tut, versuchen mich einzuschränken.

domradio.de: Sie haben als Weihbischof einen gut gefüllten Terminplan, wie gelingt Ihnen das, sich einzuschränken in der Fastenzeit?

Weihbischof König: Eigentlich geht das. Ich habe mir vorgenommen, deutlich weniger zu essen, das klappt, wenn ich mich selber diszipliniere. Alkohol trinke ich sowieso nicht, zumindest außerhalb der Messe, von daher wäre das kein Verzicht, wenn ich sage, ich verzichte auf Alkohol. Ich kann Gott ganz dankbar sein, dass es besser gelingt, als ich das vor Jahren schon einmal in meinem Alltag erlebt habe.

domradio.de: Versuchen Sie denn abgesehen vom Verzicht auf das Essen die Fastenzeit ganz besonders zu gestalten?

Weihbischof König: Einmal hat sie schon ihre besondere Prägung durch die liturgischen Vorgaben, das heißt wenn ich das Stundengebet bete, gliedert das meinen Tag und erinnert mich mit jeder Gebetszeit daran, dass wir in dieser besonderen Zeit, der österlichen Bußzeit stehen. Die Heilige Messe, die ich täglich feiere, ist immer wieder ein Anlass sich mit Gottes Wort auseinanderzusetzen, dass in dieser Zeit besonders zur Buße, zur Umkehr, zur Hinwendung zu Gott mahnt und da bin ich der erste Hörer der Verkündigung. Was bei mir ausfällt, war das, was ich als Pastor in der Gemeinde hatte, wo eben besondere Andachten oder der Kreuzweg waren. Da habe ich jetzt weniger die Möglichkeit das mit Menschen zu beten. Ich habe drei Fastenpredigten in verschiedenen Gemeinden zu halten, was dann nocheinmal so eine Begegnung mit Menschen in den Pfarreien ist, in dieser ganz besonderen Zeit.

domradio.de: Die Fastenzeit besteht nicht nur aus Verzicht, da gehört vielleicht auch das intensivere Gebet dazu, die tätige Nächstenliebe. Wie kann es gelingen, so eine Fastenzeit wirklich sinnvoll gestalten?

Weihbischof König: Zunächst einmal muss ich mir klar machen, ich bin in dieser besonderen Zeit der Quadragesima, der heiligen 40 Tage und das ist eine große Chance. Wenn ich sie richtig gestalte, werde ich die heiligen österlichen Tage von Gründonnerstagabend bis zur Osternacht einschliesslich auch ganz anders mitfeiern, als wenn diese Zeit an mir vorbeigeht und ich da förmlich hineinstolpere und dann denke, ach, das war es schon. Leute, die das wirklich intensiv mitmachen, erzählen mir immer wieder - was ich ja auch erlebe - ich feiere das wichtigste Fest des Glaubens anders und deshalb kann ich auch jeden ermutigen, das ganz bewusst zu tun auf die Art und Weise, die er und sie im Alltag wirklich umsetzen kann. Das können manchmal sehr hehre Vorsätze sein, wo ich dann merke, ach ja, das gelingt. Es können manchmal Kleinigkeiten sein, die mich wie so kleine Pickser am Tag daran erinnern, ich stehe in einer besonderen Gnadenzeit, wie das die Liturgie ja auch nennt.

domradio.de: Warum ist die Fastenzeit für Sie eine heilsame Zeit?

Weihbischof König: Menschen, die Heilfasten machen - ich habe das noch nie gemacht - berichten, dass sie auf einmal viele Dinge ganz anders wahrnehmen, also der Verzicht auf Essen, dieses sich enthalten von Dingen, die sonst meinen Alltag durchziehen, öffnen mein inneres Bewusstsein für Gott. Das muss eine wunderbare Erfahrung sein. Ich habe wohl schoneinmal Zeiten gehabt, in denen ich sehr bewusst reduziert habe und wo ich gemerkt habe, mir fehlt eigentlich nichts und irgendwie kommt Gott dann mehr in den Blick, wenn - ich sage es mal ganz platt - der Bauch nicht so drückt.

Das Interview führte Matthias Friebe

(dr)

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