Sozialpolitischer Aschermittwoch in Essen
Sozialpolitischer Aschermittwoch in Essen

13.02.2013

Aschermittwoch der Kirchen Umkehr zur Energiewende

Zu Beginn der Fastenzeit haben die Kirchen zur bewussten Umkehr im Umgang mit Energie aufgerufen. Beim sozialpolitischen Aschermittwoch warnte Klaus Töpfer davor, die Kosten der Energiewende einkommensschwachen Menschen aufzubürden.  

Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) sieht bei der Energiewende nicht in erster Linie technische Probleme, sondern vor allem sozialpolitische Herausforderungen. Die zuletzt gestiegenen Energiekosten dürften nicht nur Privatverbraucher finanziell belasten, sagte der ehemalige Vorsitzende der Ethikkommission für sichere Energieversorgung der Bundesregierung beim Sozialpolitischen Aschermittwoch in Essen.

"Wenn energieintensive Unternehmen die Umlage zur Subventionierung erneuerbarer Energien nicht zahlen müssen, dann kann man auch sozial Schwache von den Kosten ausnehmen", so Töpfer. Er warnte vor einer zu hohen Kostenbelastung der Verbraucher: "Viele Menschen wissen, dass ein stromsparender Kühlschrank langfristig günstiger ist. Den muss man sich aber erst einmal leisten können." Ein ähnliches Problem entstehe, wenn Wohnungen energetisch einwandfrei gestaltet sein, die Mieten dadurch aber unbezahlbar würden. Nicht zuletzt durch seine Aufenthalte in Afrika wisse er: "Armut ist zuerst Energie-Armut." Töpfer war von 1998 bis 2006 Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) in Nairobi.

Unterstützung für autonome Stromproduzenten

Die Reaktionen auf das Reaktorunglück von Fukushima im März 2011 haben laut Töpfer gezeigt, dass viele Menschen einen Beitrag zu sauberer Energie leisten wollten. Hier gelte es jedoch, die soziale Gerechtigkeit im Blick zu behalten. Lösungen forderte Töpfer etwa für Einzelne, die ihren Strom selbst produzierten und aus der Solidargemeinschaft der zahlenden Stromverbraucher ausschieden. Gastgeber des Sozialpolitischen Aschermittwochs sind die Kirchen.

Das Thema der diesjährigen Veranstaltung lautete: "Chancen und Probleme der Energiewende - Auf der Suche nach sozial gerechten Lösungen." Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck nannte den Aschermittwoch eine gute Gelegenheit, sich mit der Energiewende als "Mega-Thema unserer Zeit" zu befassen. Eine große Krise wie die Nuklearkatastrophe von Fukushima erfordere "eine Umkehr, die wirklich ernst gemeint ist". Ebenso stehe der Aschermittwoch am Beginn einer Zeit der Umkehr: "Im Verzicht des Fastens wollen wir uns auf das Wesentliche konzentrieren", sagte der Essener Bischof.

"Spiritualität des Genug"

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Präses Nikolaus Schneider, forderte eine «Spiritualität des Genug». In der Fastenzeit werde die gesellschaftliche Neigung zum Grenzenlosen besonders spürbar: «Es werden doppelt so viele Lebensmittel produziert, wie wir verbrauchen, und die Hälfte werfen wir dann weg.» Im Namen beider christlicher Kirchen versprach der scheidende rheinische Präses, weiterhin Initiativen anzustoßen, um sozialpolitische Strukturen zu stärken.

(KNA)

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