Brot: mehr als bloße Nahrung
Brot: mehr als bloße Nahrung

02.06.2013

Brot hat eine 4.500 Jahre alte Tradition Mehr als ein Lebensmittel

Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki will beim Eucharistischen Kongress in Köln in der kommenden Woche Brot verkaufen. Brot macht nicht nur satt, es hat auch eine spirituelle Bedeutung in den Religionen.

Christian Ewald haut kräftig auf das warme Brot. "Es muss sich hohl anhören." Der Kilo-Laib besteht die Klopfprobe, der dumpfe Klang verrät dem Chef einer Eifeler Familienbäckerei: "Das Brot ist gut." Alltagsroutine. Sie lässt leicht vergessen, dass das Handwerk schon eine 4.500 Jahre alte Tradition aufweist. Schon pharaonische Bäckereien im alten Ägypten stellten mit Sauerteig Brot her, um den Hunger der Arbeiter beim Pyramidenbau zu stillen. Griechen und Juden und mit ihnen die Christen übernahmen die Kunst des Backens.

Brot macht aber nicht nur satt, sondern hat auch eine spirituelle Bedeutung in den Religionen. Kein Brot zu besitzen, wird im Judentum als Fluch Gottes verstanden. Umgekehrt gilt das Vorhandensein von Brot als Segen. Im Christentum wurde das Mahl mit dem Brechen des Brotes zum zentralen Zeichen für die Gemeinschaft mit Jesus. Denn beim letzten Abendmahl vor seiner Kreuzigung bezeichnete er Brot und Wein als seinen Leib und sein Blut und forderte die Jünger dazu auf, dieses Mahl zu seinem Gedächtnis immer wieder zu begehen. Wenn am Altar der Priester Jesu Wort "Das ist mein Leib" oder "Das ist mein Blut" über Brot und Wein spricht, sind die Katholiken davon überzeugt, dass sich eine Wandlung vollzieht und Christus gegenwärtig ist. Durch den Verzehr von Brot und Wein erfahren sie eine geradezu leibliche Nähe zu ihrem Gott.

Diese innige Verbindung demonstrieren die Katholiken, wenn sie am Fronleichnamsfest mit der geweihten Hostie durch die Straßen ziehen oder wenn sie Anfang Juni in Köln zum Eucharistischen Kongress zusammenkommen. Eucharistie ist ein anderes Wort für das Sakrament.

Und die Wertschätzung?

Brot ist in der jüdisch-christlichen Tradition also immer mehr als bloße Nahrung. Aber schon als Lebensmittel kommt dem Brot eine herausragende Stellung zu. Durchschnittlich ißt und genießt der Bundesbürger pro Jahr rund 80 Kilogramm Brot und Brötchen - in den unterschiedlichsten Sorten vom Weizen- bis zum Roggenbrot.  Diesen Bedarf decken rund 14.170 Meisterbetriebe mit rund 44.000 Verkaufsstellen in Deutschland und zunehmend auch Großbäckereien und Discounter.

Christian Ewald und seine Kollegen von der Bäckerei "Klatschmohn" im Eifeldorf Berg verwenden nur Zutaten von kontrolliert biologischen Bauernhöfen. "A und O" für ein herzhaftes Aroma, eine knusprige Kruste und eine weiche Krume ist das Gelingen des Vorteigs. Der "Sauer" - man riecht's - macht seinem Namen alle Ehre. Essig- und Milchsäurebakterien haben die Mischung aus Wasser, Roggenmehl und Körnern über Nacht hochgetrieben. Eben wegen dieser langen Gär-Zeit konnte einst das Volk Israel bei seiner Flucht aus Ägypten nur ungesäuertes Brot verwenden. Die "Mazza" backen die Juden nach wie vor für ihr Pessachfest.

Um für einen Sauerteig "die optimale Gare zu erwischen", braucht es etwa zwölf Stunden, so Ewald. Das "Brot reißt", wenn die Masse zu früh weiterverarbeitet wird - also mit weiterem Mehl, Wasser und anderen Zutaten wie Sonnenblumen- oder Kürbiskernen verknetet wird. Lässt sich der Bäcker zu viel Zeit, droht das Brot zu «schießen» und zu "flach" zu werden.

Die "Klatschmohn"-Bäckerei bedient Läden im Umkreis. Immer mehr gewinnt aber die industrielle Brotherstellung an Bedeutung, worunter die Wertschätzung für das Nahrungsmittel leiden kann. Die Achtung vor dem Brot ist dem katholischen Priester Hermann Scheipers dagegen in Fleisch und Blut übergegangen. Der fast 100-Jährige wurde während der NS-Zeit ins KZ Dachau gesperrt. Unvergessen ist, wie ihm ein mitgefangener Priester vor dem Transport in den Tod seine Brotration gibt. "Jedes Mal, wenn ich die Messe feiere und das Brot breche, denke ich daran."

Das «tägliche Brot», um das Christen im "Vaterunser" beten, sei für die meisten selbstverständlich und oft im Überfluss vorhanden, erklärte Erzbischof Woelki in dieser Woche. "Es gibt aber auch in unserer Gesellschaft Menschen, die gehen 'containern': Sie suchen in den Abfallcontainern der Supermärkte nach Essbarem, um ihr tägliches Brot zu haben."e Auch in Berlin und Brandenburg gingen mehr als 4.000 Mädchen und Jungen morgens ohne Frühstück zur Schule. "Doch wer Hunger hat, kann sich nicht auf Mathe und Hausaufgaben konzentrieren." Deshalb bieten Einrichtungen der Caritas den Kindern eine warme Mahlzeit, so der Kardinal, der auch Vorsitzender der Caritas-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz ist.

Andreas Otto
(KNA)

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