Mann mit Tabletten in der Hand
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Bischof Peter Kohlgraf
Bischof Peter Kohlgraf

31.03.2021

Kohlgraf: Suizid selten reflektierte und autonome Entscheidung "Der sterbende Mensch gehört zu uns"

In der Debatte über Sterbehilfe hat der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf Zweifel am Kriterium einer selbstbestimmten Entscheidung zum Suizid geäußert. Auch etwaige Beratungsangebote reichen Kohlgraf nicht aus.

Bei Suizid handele es sich in den seltensten Fällen um eine reflektierte und autonome Entscheidung, bei der Menschen frei von äußerem Druck seien, schreibt der Bischof in einem am Mittwoch in der Bistumszeitung "Glaube und Leben" veröffentlichten Beitrag.

Hilferuf oder Sterbewunsch?

Er äußerte sich mit Blick auf eine geplante gesetzliche Neuregelungen der Beihilfe zur Selbsttötung. Das Bundesverfassungsgericht hatte im Februar 2020 das Verbot geschäftsmäßiger Beihilfe zum Suizid gekippt.

Kohlgraf betonte, dass oft traumatische Erfahrungen Suizidwünsche auslösten. Vielfach sei ein Suizidwunsch ein Hilferufe, kein realer Sterbewunsch. Auch könne besonders für alte und schwache Menschen gesellschaftlicher Druck entstehen. "Indem Gesellschaften das Starke, Schöne, Gesunde als Maßstab in den Mittelpunkt stellen, kann es zu inneren Drucksituationen kommen, die vom Einzelnen gar nicht reflektiert werden können", so der Bischof.

Lebensqualität bis zum Ende

Ausdrücklich lehnt Kohlgraf demnach Gesetzesentwürfe ab, die Beihilfe zum Suizid nach Beratung und Klärung der Motive ermöglichen. Eine solche Beratung, die "nur der Klärung der Motive dient, lässt am Ende den Menschen in seiner Not allein". Zudem erteilte er Beihilfe zum Suizid in kirchlichen Einrichtungen eine Absage. Vielmehr sollte es darum gehen, Sterbebegleitung, Beratung, Hospizarbeit und Palliativmedizin auszubauen.

Ziel müsse sein, Lebensqualität auch in der letzten Phase zu ermöglichen. Denn gerade auch der "kranke und sterbende Mensch gehört zu uns" und sei keine Last, so der Bischof.

Die Kirchen greifen die Debatte über Sterbehilfe bei ihrer ökumenischen "Woche für das Leben" vom 17. bis 24. April unter dem Leitwort «Leben im Sterben» auf. Sie wollen demnach ein Signal für eine menschenwürdige Sterbebegleitung setzen.

(KNA)

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