Tabletten auf einem Tisch
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Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes
Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes
Diakoniepräsident Lilie
Diakonie-Präsident Lilie
Matthias Kopp
Matthias Kopp, Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK)

11.01.2021

Caritas, DBK und EKD kritisieren Vorschlag zu Suizidbeihilfe in Heimen Mit christlicher Grundüberzeugung unvereinbar

Ein assistierter Suizid in Altenpflegeinrichungen ist laut Caritas-Präsident Peter Neher "unvorstellbar". Auch die Deutsche Bischofskonfernz und die Evangelische Kirche in Deutschland widerspricht einem Gastbeitrag evangelischer Theologen. 

Der katholische Wohlfahrtsverband Caritas kritisiert die Position prominenter protestantischer Theologen, Suizidbeihilfe in kirchlichen Einrichtungen zu ermöglichen. "In katholischen Einrichtungen kann es kein solches Angebot geben. Die Aufgabe der Einrichtungen kann nicht darin bestehen, möglicherweise den Suizid von Bewohnern zu organisieren", sagte der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Es gehe darum, Menschen zu begleiten und Alternativen zum Suizid zu eröffnen.

Mitarbeiter der Caritas, die sich aus ihrem christlichen Selbstverständnis heraus dem Schutz des Lebens verpflichten, müssten die Selbstbestimmung der Bewohner zwar akzeptieren, könnten aber "unmöglich selbst einen aktiven Part im (Selbst)tötungsprozess übernehmen".

Evangelische Theologen für assistierten Suizid

Protestantische Theologen plädieren in einem Gastbeitrag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montag) dafür, in Deutschland einen assistierten professionellen Suizid auch in kirchlichen Einrichtungen zu ermöglichen.

Dies könne bedeuten, "abgesicherte Möglichkeiten eines assistierten Suizids in den eigenen Häusern anzubieten oder zumindest zuzulassen und zu begleiten", schreiben unter anderen der Vorsitzende der Kammer für öffentliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Reiner Anselm, und der Präsident des evangelischen Wohlfahrtsverband Diakonie, Ulrich Lilie.

Caritas und EKD lehnen Vorstoß ab

Der Caritas-Präsident bemängelte, dass die Autoren ausschließlich Einrichtungen der Altenhilfe in den Blick nähmen. Das Bundesverfassungsgerichts-Urteil aus dem letzten Jahr beschränke sich aber längst nicht auf den Suizidwunsch betagter Menschen. "Was ist beispielsweise mit Menschen, die (offenkundig) in ihrem freien Willen eingeschränkt sind und nach einem assistierten Suizid verlangen? Aus meiner christlichen Grundüberzeugung heraus ist es unvorstellbar, dass zum Beispiel Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, Dienste der ambulanten Pflege oder der Sozialpsychiatrie assistierten Suizid anbieten", sagte er.

Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) distanzierte sich von der Position der Theologen. "Jede organisierte Hilfe zum Suizid, die dazu beiträgt, dass die Selbsttötung zur Option neben anderen wird, lehnt die Evangelische Kirche in Deutschland ausdrücklich ab", teilte ein EKD-Sprecher mit.

Der Pressesprecher der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, widersprach ebenfalls. Kirchliche Einrichtungen seien der christlichen Hoffnungsbotschaft und damit der Förderung des Lebens verpflichtet. Ein Angebot des assistierten Suizids sei damit unvereinbar.

Kritik auch von der Deutschen Bischofskonferenz

Die katholische Deutsche Bischofskonferenz widersprach der Position der Autoren. "Respekt vor der Selbstbestimmung bedeutet in diesen Situationen gerade nicht, den Wunsch oder die Entscheidung zum Suizid unhinterfragt hinzunehmen oder den Suizid als normale Form des Sterbens auszuweisen", sagte Konferenz-Sprecher Matthias Kopp der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Bonn. "Wir sind daher der Überzeugung, dass die Ermöglichung des assistierten Suizids nicht die richtige Antwort auf die Lebenssituationen von Menschen ist, die Suizidwünsche entwickeln oder Suizidabsichten haben." Die Unterstützung bei der Entwicklung von Lebensperspektiven sei in diesen Situationen geboten.

Ein subtiler Druck, dem assistierten Suizid zuzustimmen, um am Ende des Lebens anderen nicht zur Last zu fallen, sei eine große Gefahr.

"Wir glauben, dass dieser Druck sich von Kranken und Sterbenden nicht mehr fernhalten ließe, wenn der assistierte Suizid zu einem Normalmodell des Sterbens würde, das bis in kirchliche Einrichtungen hinein Anwendung fände. Das darf nicht geschehen!", betonte Kopp.

(KNA)

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