Werbung für den Rabatt-Tag "Black Friday"
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27.11.2020

Religionspädagoge zur Rabattschlacht am "Black Friday" Was zählt im Leben eigentlich?

Der "Black Friday" ist für den Handel hierzulande mittlerweile einer der umsatzstärksten Tage des Jahres. Der Kaufrausch kann aber auch bedenkliche Seiten haben, meint der Salzburger Religionspädagoge Anton Bucher. Er hat deshalb einen Rat.

DOMRADIO.DE: Ab wann ist er ungesund, der "Black Friday"?

Prof. Anton Bucher (Lehrstuhl für Religionspädagogik an der Universität Salzburg): Da müssen wir vielleicht auseinanderhalten, was am "Black Friday" wahrscheinlich vor allem gelebt werden kann. Ist es Habgier, noch mehr zu haben, wenn man vielleicht schon genug hat? Wohingegen Geiz eher darin besteht, Dinge, die man hat, nicht mehr weggeben zu können, knauseriger zu sein.

In der Werbung gab es auch einmal bei Saturn den Spruch "Geiz ist geil". Das ist übrigens die dümmste Formulierung, die ich in meinem Leben je gehört habe, weil erwiesenermaßen Geiz unsympatisch macht.

Es gibt eine Untersuchung, bei der Frauen ihre Männer eingeschätzt haben, ob sie geizig seien oder nicht. Bei immerhin einem Drittel war das der Fall. Und diese Ehefrauen fanden ihre Männer dann auch weniger sympathisch und weniger attraktiv. Ich glaube, ungesund wird Geiz vor allem dann, wenn man sich selber nichts mehr gönnt. Geiz wäre auch zu unterscheiden von der an sich wünschenswerten Sparsamkeit. Aber wenn man selber und auch andere darunter leiden, ist das nicht erstrebenswert.

Davon würde ich vielleicht ein bisschen die Habgier auseinanderhalten, die auch mit der Kaufsucht zusammenhängt und mittlerweile rege untersucht worden ist. Gemäß den vorliegenden Untersuchungen sind bis zu zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung betroffen. Eine wirklich ausgeprägte Kaufsucht geht vielfach auch einher mit einem geringen Selbstwertgefühl, mit Neigung zur Depression. Manchmal ist es gescheiter, auch gesünder und beglückender, auf etwas zu verzichten beziehungsweise auch etwas weggeben zu können.

DOMRADIO.DE: Lassen Sie uns vielleicht noch über die Habgier sprechen und wie schnell sich daraus eine Sucht entwickeln kann. Gerade online und gerade jetzt, während der aktuellen Situation, wo die Menschen nicht viel rausgehen, ist das ein Risikofeld, oder?

Bucher: Das kann relativ schnell passieren, und zwar vor allem bei solchen Personen, die in ihrem Selbstwertgefühl angeschlagen sind, die eine Neigung zur Ängstlichkeit haben, bis hin zu existenziellen Ängsten. Es kann dann leichter im Gehirn zu Dopaminschüben kommen, die kurzfristig jeweils auch beglücken, euphorisch stimmen. Aber das verfliegt dann in aller Regel sehr, sehr schnell. Bei vielen, die an Kaufsucht leiden, ist das erwiesen. Aus der Euphorie kommen sie heim. Manchmal sind sie dann niedergeschlagen, haben Schuldgefühle, den Verlockungen nicht widerstanden zu haben.

Als katholischem Religionspädagogen fällt mir in dem Zusammenhang natürlich auch eine wunderschöne Formulierung im Neuen Testament ein, worin es heißt "Geben macht seliger". Das ist mittlerweile auch empirisch bestätigt worden. Viele Menschen meinen ja, sie wären glücklicher, wenn sie mehr Geld oder noch mehr Geld hätten. Man hat aber sehr schlüssig nachweisen können, dass Menschen, die spendabel sind, die spenden und Geld auch für andere und für karitative Zwecke einsetzen, glücklicher und zufriedener sind. Das ist vielleicht gerade das Gegenteil von Black Friday.

DOMRADIO.DE: Das klingt zumindest in der Theorie gut. Aber lässt sich denn sowas wieder abtrainieren? Habgier oder Geiz? Wie kann man in solchen Tagen denn widerstehen?

Bucher: Es gibt da eine neue Weltliteratur, eine sehr bekannt gewordene Geschichte von Charles Dickens, die Weihnachtsgeschichte. Die handelt von einem Geizhals, der Bettelkinder abweist und einem Angestellten die längst fällige Gehaltserhöhung nicht gewährt. Dann erlebt er mehrere massive Träume. Im letzten Traum wird er von einem Geist auf einen Friedhof geführt. Da sieht er den leeren Grabstein, schaut die Rückseite an und sieht dann seinen Namen. Er erwacht dann als ein ganz anderer Mensch und beginnt darüber nachzudenken: Was ist im Leben denn eigentlich wirklich wichtig - angesichts des unausweichlichen Todes? Er wird ein sehr großzügiger und spendabler Mensch.

Wir wissen auch aus der Psychologie der Nahtoderfahrung, die ja aufgrund der Fortschritte in der Medizin immer häufiger wird, dass Menschen, die eine solche Erfahrung der Todesnähe gemacht haben, in ihren materialistischen Bestrebungen zurückhaltender und sozialer, großzügiger und dann auch liebenswürdiger werden.

Das gelegentliche Bedenken wäre jetzt mein Vorschlag: Was zählt denn im Leben eigentlich angesichts des unausweichlichen Todes? Was sind erfüllende soziale Beziehungen? Eingebettet sein mit lieben Menschen ist einfach wichtiger, als noch mehr zu haben oder noch mehr haben zu wollen. 

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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