Das Pestizid Nativo soll in Brasilien Vergiftungen hervorgerufen haben
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28.04.2020

Bayer-Produkt soll ungeborenes Leben schädigen Zieht man sich aus der Verantwortung?

Anlässich der Hauptverammlung der Bayer AG erhebt das Hilfswerk Misereor mahnend die Stimme gegen den Chemie-Konzern. Bayer missachte in Brasilien seine unternehmerischen Verpflichtungen zur Einhaltung der Menschenrechte.

DOMRADIO.DE: Eine aktuelle Studie von INKOTA, der Rosa-Luxemburg-Stiftung, BUND und von Misereor berichtet von mehr als 7.000 gemeldeten Pestizidvergiftungen in Brasilien allein im Jahr 2017. Ganze Dorfgemeinschaften leiden unter Sprüheinsätzen, warnen Sie. Das besagte Pestizid stammt von Bayer und die Vorwürfe sind nicht neu. Welche Folgen hat dieses Pestizid Nativo?

Pirmin Spiegel (MISEREOR-Hauptgeschäftsführer): Brasilien ist einer der größten Pestizidmärkte weltweit. Pestizid bedeutet Schädlingsbekämpfungsmittel und deshalb ist Brasilien ein wichtiger Absatzmarkt für Bayer. Auch müssen wir wissen, dass Deutschland einer der größten Pestizidexporteure weltweit ist.

Das heißt konkret: Bayer verkauft dort in Brasilien eine Vielzahl an Pestiziden. Nativo ist eines davon, das Schädlinge bekämpft. Es setzt sich aus Wirkstoffen zusammen, die vermutlich so eingestuft werden, dass sie Kinder während der Schwangerschaft schädigen. Nativo wird auch in der EU genehmigt, mit dem Warnhinweis, dass es möglicherweise für Kinder im Mutterleib schädigend sein kann. Deshalb sagen wir, dass Vorkehrungen getroffen sein müssen, diese Pestizide, die Menschen gefährden, vom Markt zurückzuziehen.

DOMRADIO.DE: Jetzt berichten Ihre Partner vor Ort von diesen Vergiftungen und auch einer zunehmenden Zahl davon. Nimmt Bayer hier Vergiftungen der Landbevölkerung Brasiliens billigend in Kauf, oder handelt es sich einfach um einen Unfall?

Spiegel: Bayer verweist im Gespräch mit uns darauf, dass sich das Unternehmen an nationalen Standards orientiert. Das bedeutet also, dass in Brasilien in diesem Fall andere Standards zählen als bei uns in Deutschland oder in der EU. Bayer sagt, wenn die Produkte sachgemäß angewendet werden würden, dann wäre das kein Problem.

DOMRADIO.DE: Die Firma zieht sich aus der Verantwortung?

Spiegel: Ja. Ich kenne das Problem, weil ich ja viele Jahre in dieser Region in Brasilien gelebt habe. Bei sachgemäßer Anwendung, sagt Bayer, gäbe es kein Problem. Aber es kommt hinzu, dass die gegenwärtige Regierung in Brasilien die Auflagen für Pestizidzulassungen noch geschwächt hat, um damit Partikularinteressen eines bestimmten Agrobusiness noch zu stärken. Diese giftigen und hochgiftigen Pestizide oder Schädlingsbekämpfungsmittel kommen besonders im Mais- und Sojaanbau zum Einsatz.

Wir sagen, wenn Bayer menschenrechtliche Sorgfaltspflichten ganz ernst nehmen würde, dann muss die Verantwortung für mögliche Risiken der Produkte entlang der gesamten Lieferkette mit in den Blick genommen werden.

DOMRADIO.DE: Das heißt, die Bayer AG müsste jetzt auch schon für die Verletzungen der Menschenrechte und der Umwelt zur Rechenschaft gezogen werden?

Spiegel: Es ist schwer nachzuweisen, dass Gesundheitsschäden auf ein ganz bestimmtes Produkt zurückzuführen sind. In Brasilien ist es auch so, dass die Personen zur Verantwortung gezogen werden, die für die Anwendung der Pestizide verantwortlich sind. Das würde in diesem Fall bedeuten, verantwortlich ist die Familie, der das Land gehört, der Pilot, der das Mittel verspritzt.

Das Problem ist, dass es Dutzende verschiedenster Pestizide gibt. Und es ist sehr schwierig nachzuweisen, dass ein Gesundheitsschaden durch ein bestimmtes Pestizid von einem bestimmten Unternehmen ausgelöst wurde. Aber da sind wir bei Misereor mit unseren Partnerorganisationen vor Ort dran, um dies auf den Weg zu bringen und nachweisen zu können.

DOMRADIO.DE: Sie fordern jetzt gemeinsam mit anderen Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen ein Lieferkettengesetz. Wie könnte solch ein Gesetz aussehen und was würde es dann verhindern?

Spiegel: Ein verbindliches Lieferkettengesetz würde in dem Fall für Bayer bedeuten, dass Bayer verpflichtet ist, sowohl die tatsächlichen als auch die möglichen Auswirkungen von Pestizidverkäufen zu untersuchen. Der Konzern müsste dann, nach dem Lieferkettengesetz, die Anwendung eines solchen Produkts vor Ort prüfen, müsste die Risiken evaluieren.

Und wenn ein Risiko bei unsachgemäßer Verwendung der Pestizide entsteht, müsste Bayer Maßnahmen ergreifen, um Gesundheitsschäden vorzubeugen. Deshalb sind wir mit anderen Organisationen gemeinsam unterwegs, ein verpflichtendes Lieferkettengesetz für Deutschland, in der EU, in den Vereinten Nationen, auf den Weg zu bringen.

DOMRADIO.DE: An diesem Dienstag findet die Hauptversammlung von Bayer statt. Aus diesem Anlass haben Sie Ihre Kritik gemeinsam mit der Initiative noch einmal erneuert. Ihre klare Forderung an die Damen und Herren in Leverkusen?

Spiegel: Wir fordern die Mitglieder des Vorstandes, die Mitglieder des Aufsichtsrats von Bayer auf, als eines der größten Pestizidhersteller weltweit ihrer menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nachzukommen, und wir fordern sie ebenso auf, hochgefährliche Wirkstoffe und die in der EU verbotenen Wirkstoffe aus dem Portfolio von Bayer zu nehmen.

(DR)

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