Intensivpflege (Symbolbild)
Theologe: Triage nach Alter nur im Extremfall

08.04.2020

Theologe: Triage nach Alter nur im Extremfall Wenn der Zeitdruck es nicht erlaube

​Eine Triage allein nach Alter, Vorerkrankungen oder klinischem Allgemeinzustand ist nach Ansicht des Brixener Moraltheologen Martin Lintner nur im Ausnahmefall ethisch zu legitimieren. Alles andere wäre ein "utilitaristischer Dammbruch" an der Würde des Menschen.

Das gelte etwa, wenn der Zeitdruck es nicht erlaube, die wesentlichen Aspekte wie Dringlichkeit und Erfolgsaussicht von intensivmedizinischen Therapien sowie Überlebenschancen angemessen zu überprüfen, schreibt Lintner am Mittwoch in einem Gastbeitrag für das Internetportal "katholisch.de." "Alles andere würde ich für einen 'utilitaristischen Dammbruch' in einem an der Würde und dem Wohl jedes einzelnen Patienten verpflichteten Gesundheitswesen halten."

Dringlichkeit und Erfolgsaussicht

Bei der Triage geht es um die Entscheidung, welcher Patient weiterbehandelt wird, wenn die Ressourcen nicht mehr für alle Notfälle ausreichen. Das gilt in der Corona-Krise etwa für die Zuteilung von Beatmungsplätzen, die nur begrenzt vorhanden sind. Nach den Worten Lintners müsse im Normalfall das Gerechtigkeitsprinzip sowie eine möglichst individualisierte Erstellung einer Prognose gelten. Etwaige Ungleichbehandlungen müssten durch medizinische Kriterien wie Dringlichkeit und Erfolgsaussicht begründet werden. "Eine Diskriminierung bestimmter Alters- und Patientengruppen ist zu vermeiden", so der Moraltheologe.

Ein moralisches Dilemma im Fall von Triage könne aber die Frage darstellen, ob die intensivmedizinische Behandlung eines Patienten mit infauster Prognose - bei der also mit dem Tod zu rechnen ist - abgebrochen werden darf, um einen anderen Patienten mit einer günstigeren Prognose zu behandeln. Dabei hänge die Entscheidung nicht nur davon ab, "was medizinisch besonders dringlich ist, sondern auch davon, bei wem sie therapeutisch nützlicher beziehungsweise erfolgsversprechender sind". Wichtig sei jedoch, "dass Patienten, bei denen unter diesen besonderen Umständen eine intensivmedizinische Behandlung nicht fortgeführt oder nicht begonnen wird, möglichst gut palliativ und seelsorgerisch betreut werden", so Lintner.

Die neue App von DOMRADIO.DE

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Schabbat Shalom: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland – der Podcast

Jeden Freitag nehmen uns junge Jüd:innen in diesem Podcast mit in die Welt des Judentums. 

Tageskalender

Radioprogramm

 22.06.2021
Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Himmelklar Podcast

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Die ganze Bibel im Ohr! Jetzt spenden!