Nach einer Operation.
Nach einer Operation.

15.01.2020

Eine kleine Geschichte der Transplantationsmedizin Legenden und medizinische Standards

Die Geschichte der Transplantationsmedizin ist eine Geschichte mit vielen Misserfolgen. Mittlerweile sind Transplantationen Standard. Der Mangel an Spendern ist das größte Problem.

Es ist ein alter Menschheitstraum: verletzte oder verlorene Körperteile auszutauschen. Mythen und Legenden handeln davon. Eines der ältesten Dokumente stammt aus Indien und ist mehr als 3.000 Jahre alt. Darin wird vom hinduistischen Gott Ganesha berichtet, dem der Kopf eines Elefanten transplantiert wurde.

Auch die beiden als christliche Heilige verehrten Zwillingsbrüder Cosmas und Damian gehören dazu: Sie sollen im dritten Jahrhundert in der heutigen Türkei Kranke unentgeltlich behandelt haben und werden deshalb als Schutzpatrone der Pharmazie verehrt. Die Legende berichtet von einem Beinwunder: Cosmas und Damian sollen das verfaulte Bein eines weißen durch das eines verstorbenen schwarzen Menschen ersetzt haben.

Erste Transplantationen wohl in Idien

Tatsächlich fanden Transplantationen angeblich schon vor etwa 2.500 Jahren in Indien statt. Heiler transplantierten Haut von einer Stelle des Körpers an eine andere und halfen damit Menschen, deren Nasen oder Ohren verstümmelt wurden. Berichte darüber erreichten Europa im 16. Jahrhundert; die Methoden wurden etwa in Italien weiterentwickelt. Im alten Rom experimentierten Mediziner mit Zahntransplantationen. Sklaven mussten ihre Zähne dafür hergeben.

Die Ära der modernen Transplantationsmedizin brach im 19. Jahrhundert an. 1883 verpflanzte der Schweizer Chirurg Theodor Kocher einem Mann Schilddrüsengewebe unter die Haut des Halses. Kurzzeitig linderte das Wachstums- und Entwicklungsstörungen. Lange überlebte das transplantierte Gewebe jedoch nicht. Kochers Pionierarbeiten trugen dennoch dazu bei, diesen Zweig der Medizin zu etablieren. Er erhielt 1909 den Nobelpreis für Medizin.

Erste Versuche beim Hund

1902 verpflanzte der Wiener Arzt Emerich Ullmann einem Hund dessen eigene Niere in den Nackenbereich. Immerhin fünf Tage arbeitete das Organ. 1906 scheiterte die Übertragung einer Niere von Tier zu Menschen. Die erste Mensch-zu-Mensch-Transplantation mit einer Niere führte der sowjetische Chirurg Yuriy Yurievich Voronoy 1933 durch - allerdings ohne Erfolg.

Für einen Meilenstein sorgte der Chirurg Joseph Murray, der 1954 in Boston eine Niere zwischen eineiigen Zwillingen übertrug. Die Transplantation glückte, da die Gewebemerkmale der Geschwister identisch waren. Die Zwillinge lebten noch länger als 20 Jahre. Einen weiteren Meilenstein setzte Murray wenig später durch die erste erfolgreiche Nierenlebendspende bei zweieiigen Zwillingen mit unterschiedlichem Erbgut. Er verabreichte Kortison und führte eine Ganzkörper-Röntgenbestrahlung durch, um Abstoßungsreaktionen zu verhindern.

Erste Herztransplantation in Kapstadt

1967 glückte dem südafrikanischen Chirurgen Christiaan Barnard in Kapstadt die weltweit erste Herztransplantation. Eine Pioniertat, die mit der Mondlandung verglichen wurde. Dennoch überlebten die meisten Patienten nicht besonders lang.

Erst das Wissen um die Funktion des menschlichen Immunsystems eröffnete der Transplantationsmedizin neue Möglichkeiten. Der Pariser Arzt und spätere Nobelpreisträger Jean Dausset entdeckte 1958 das HLA-System, mit dessen Hilfe das Immunsystem zwischen fremdem und eigenem Gewebe unterscheidet. Der Durchbruch kam mit der Entwicklung von Ciclosporin. Das Medikament unterdrückt das Immunsystem. Es wird seit Anfang der 1980er Jahre eingesetzt und hat - wie weitere Medikamente - dazu beigetragen, die Erfolgsraten deutlich zu erhöhen.

Inzwischen sind viele OPs Standard

Transplantationen wurden von nun zum Standard. 1989 erfolgte die weltweit 100.000ste Nierentransplantation. Zur Jahrtausendwende waren weltweit bereits rund 470.000 Nieren, 74.000 Lebern, 54.000 Herzen und etwa 10.000 Lungen transplantiert worden. Heute werden weltweit jedes Jahr mehr als 100.000 Organtransplantationen durchgeführt.

Damit ist die Transplantationsmedizin gewissermaßen ein "Opfer" ihres Erfolges geworden: In immer mehr Fällen ist eine Transplantation möglich und sinnvoll, aber es gibt nicht genügend Spenderorgane. Daher werden Alternativen gesucht und neue Verfahren getestet. Beispielsweise wird untersucht, inwieweit sich tierische Organe und Gewebe für Transplantationen eignen (Xenotransplantation). Dass sich aus Stammzellen Gewebe und vielleicht sogar Organe züchten lassen, ist noch Zukunftsmusik.

Christoph Arens
(KNA)

Die neue Bibel-Nacht

Ein in Deutschland einmaliges Nachtprogramm: Jede Nacht sind in der Zeit von 23 Uhr bis 6 Uhr verschiedene Kapitel aus dem Neuen Testament zu hören.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 28.01.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Stolperstein-Putz-Aktion
  • Neuer Nahost Friedensplan?
  • Junge Christen vs. Nestlé
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Schmierereien, eingeworfene Scheiben & gestohlene Kerzenhalter - Wie eine Berliner Pfarrei mit Vandalismus zu kämpfen hat
  • Pater Mertes, ehemaliger Direktor des Canisius-Kollegs in Berlin, veröffentlicht vor 10 Jahren den Missbrauchsskandal
  • "Suffering in Silence"– Neuer Care-Bericht über vergessene humanitäre Krisen
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Schmierereien, eingeworfene Scheiben & gestohlene Kerzenhalter - Wie eine Berliner Pfarrei mit Vandalismus zu kämpfen hat
  • Pater Mertes, ehemaliger Direktor des Canisius-Kollegs in Berlin, veröffentlicht vor 10 Jahren den Missbrauchsskandal
  • "Suffering in Silence"– Neuer Care-Bericht über vergessene humanitäre Krisen
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Trumps "großartiger Nahost"-Plan: Kann dieser amerikanische Friedensplan funktionieren?
  • Buchtipp: "Picknick im Dunkeln" – Am Gedenktag des Heiligen Thomas von Aquin
  • 87 Prozent unter der Armutsgrenze – Caritas international weitet Hilfe in Venezuela aus
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Trumps "großartiger Nahost"-Plan: Kann dieser amerikanische Friedensplan funktionieren?
  • Buchtipp: "Picknick im Dunkeln" – Am Gedenktag des Heiligen Thomas von Aquin
  • 87 Prozent unter der Armutsgrenze – Caritas international weitet Hilfe in Venezuela aus
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Junge Christen vs. Nestlé
  • Pater Mertes, ehemaliger Direktor des Canisius-Kollegs in Berlin, veröffentlicht vor 10 Jahren den Missbrauchsskandal
  • Schmierereien, eingeworfene Scheiben & gestohlene Kerzenhalter – Wie eine Berliner Pfarrei mit Vandalismus zu kämpfen hat
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Passionsspiele 2020

Berichte, Bilder, Interviews und Videos aus Oberammergau.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…