Versteigerung von Nazi-Devotionalien
Versteigerung von Nazi-Devotionalien
Ein silberner Geschenkrahmen mit einem Porträt Adolf Hitlers
Ein silberner Geschenkrahmen mit einem Porträt Adolf Hitlers
Initialen im Saum: Hitlers Zylinder war eines von mehr als 800 Auktionsobjekten
Initialen im Saum: Hitlers Zylinder war eines von mehr als 800 Auktionsobjekten

09.12.2019

Warum Abdallah Chatila 600.000 Euro für Nazi-Gegenstände ausgab Der libanesische Christ, der Hitlers Hut für Israel ersteigerte

Damit es nicht in falsche Hände gelange, hat ein libanesischer Geschäftsmann früheres Eigentum von Adolf Hitler ersteigert - und Israel geschenkt. Mit der Aktion will er auch andere zum Einsatz für Toleranz inspirieren.

Mit 600.000 Euro zog der Genfer Diamantenhändler Abdallah Chatila unlängst eine Reihe von Besitztümern Adolf Hitlers aus dem Verkehr - damit sie nicht in falsche Hände geraten. "Hitler ist die Personifikation des Bösen für die gesamte Menschheit, nicht nur für Juden", so erklärte der libanesischstämmige Christ seine Motivation am Sonntag in einer Pressekonferenz mit jüdischen Vertretern in Jerusalem. Nachdem Chatila die Besitztümer ersteigert hatte, spendete er sie der israelischen Stiftung "Keren Hayesod".

Spontaner Kauf

Zuvor ging alles ganz schnell: Chatila hörte von der Versteigerung und dem gescheiterten Versuch, sie zu stoppen. 24 Stunden später gehörten ihm neben dem Faltzylinder Hitlers auch dessen Zigarrenschachtel, Schreibmaschine oder eine Ausgabe von "Mein Kampf" mit Widmung. Der Kauf, erzählt der Geschäftsmann, sei so spontan gewesen, dass er ihn während eines wichtigen Treffens von der Lobby eines Pariser Hotels am Telefon habe abwickeln müssen, "ein Ohr bei der Versteigerung, das andere bei meinem Gesprächspartner". Zwei Gegenstände seien durch ein Missverständnis zwischen Käufer und Agenten in andere Hände gelangt.

Über die anderen Mitbieter der Auktion sowie über die Käufer der beiden verbleibenden Hitler-Gegenstände ist kaum etwas bekannt - sehr verschwiegen sei das Auktionshaus diesbezüglich gewesen, sagt Chatila. "Möglicherweise hatten sie schlechte Intentionen, vielleicht aber auch bessere als ich. Meine Motivation beruht auf dem, was ich in den letzten fünf Jahren in Europa gesehen habe: einen beängstigend wachsenden Rassismus und Antisemitismus."

Ein Mitbieter mit ähnlichen Motiven wie Chatila offenbarte sich in Jerusalem: Er habe sich - ohne große Prüfung der Person seitens des Aktionshauses - für die Versteigerung registrieren lassen, nachdem Versuche, den Verkauf der Nazi-Devotionalien zu stoppen, gescheitert waren, sagte der Vorsitzende der Europäischen Jüdischen Vereinigung, Rabbiner Menachem Margolin. Letztlich sei er aber zu dem Schluss gekommen, dass das Geld in der Waisenhilfe besser aufgehoben sei.

"Ganz einfach gehandelt"

Chatilas Geschichte klingt wie ein Drehbuch, und der Hauptakteur wirkt geradezu überwältigt von der Reaktion auf seine Handlung. Er habe "ganz einfach gehandelt" aus dem Gefühl heraus, handeln zu müssen, "ohne nachzudenken" und "nicht, um vom israelischen Präsidenten eingeladen zu werden". Genau dort aber saß Chatila an diesem Morgen: in der Residenz von Präsident Reuven Rivlin, der ihm für den "wahrhaft menschlichen Akt" dankte. "Ihre Spende ist von großer Bedeutung in diesen Zeiten, in denen Menschen versuchen, die historische Wahrheit zu verneinen", so Rivlin.

Seinem ersten Instinkt folgend wollte Chatila die Gegenstände zerstören. Dann habe er jedoch gedacht, er habe "nicht das Recht, darüber zu entscheiden" - und gab sie an die jüdische Organisation "Keren Hayesod". Diese hat wiederum beschlossen, die Artefakte an die Jerusalemer Holocaustgedenkstätte Yad Vashem zu übergeben. Der Präsident von "Keren Hayesod" Romandie, Avi Lugassi, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), die ersteigerten Gegenstände sollten bis Ende des Jahres in Jerusalem ankommen.

Diskussion um Umgang mit dem Hitler-Erbe

Die Entscheidung über den richtigen Umgang mit dem Hitler-Erbe anderen zu überlassen, zeigt bei aller Spontaneität von Weitsicht - denn die jüdischen Stimmen dazu sind durchaus kontrovers. So plädierte Rabbiner Margolin für das "Zerstören und Verbrennen aller Hitler-Besitztümer mitten in Berlin", damit "keine seiner Botschaften überlebt". Dagegen sprachen sich Yad-Vashem-Direktor Avner Schalev und Präsident Rivlin für deren Konservierung aus, um, so die Worte Rivlins, "zu helfen, das Erbe des Holocaust den nächsten Generationen zu vermitteln, die keine Überlebenden treffen werden".

Chatila schließt unterdessen weitere Auktionen wie diese aus. Er hoffe jedoch, andere zu inspirieren, "das Richtige zu tun" und "die Botschaft für Toleranz vorwärts zu bringen", erklärte er. "Offen zu sein und zu zeigen, wir helfen uns untereinander, aber wir müssen auch den anderen helfen - das ist die schönste Friedensbotschaft für alle."

Andrea Krogmann
(KNA)

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 24.01.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Im Interview: CSU-Politiker Alois Glück wird 80
  • Abt Marianus zu Ökumenischem Ordensleben
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Bistum Münster plant Stellenabbau im Generalvikariat
  • Synodaler Weg : Wie soll die Kirche der Zukunft aussehen?
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Bistum Münster plant Stellenabbau im Generalvikariat
  • Synodaler Weg : Wie soll die Kirche der Zukunft aussehen?
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Ein Jahr nach Dammbruch in Brasilien- trägt TÜV Mitschuld?
  • Ein Jahr nach Dammbruch in Brasilien- trägt TÜV Mitschuld?
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Ein Jahr nach Dammbruch in Brasilien- trägt TÜV Mitschuld?
  • Ein Jahr nach Dammbruch in Brasilien- trägt TÜV Mitschuld?
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Schritt für Schritt: Pilgern wird immer beliebter
  • "Glanz gegen Rechts" - Stolpersteine werden geputzt
  • Abt Marianus zu Ökumenischem Ordensleben
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Passionsspiele 2020

Berichte, Bilder, Interviews und Videos aus Oberammergau.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…