Ein neues Buch beschreibt Formen des geistlichen Missbrauchs
Beleuchtetes Kreuz im Dunkeln

06.02.2019

Erzbischof trifft Missbrauchsopfer in Mexiko "Die Wahrheit mit Füßen getreten"

In Mexiko hat sich Erzbischof Cabrera Lopez mit Missbrauchsopfern des Gründers der Legionäre Christi getroffen. Dieser hatte über mehrere Jahre ein System aus Lügen aufgebaut, um mehrfachen sexuellen Missbrauch zu verschleiern. 

Wie die Zeitung "La Jornada" berichtet, forderte der Ex-Geistliche Alberto Athie Gallo im Rahmen des Treffens mit dem Vorsitzenden der mexikanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Rogelio Cabrera Lopez, größere Anstrengungen der Kirche gegen sexuellen Missbrauch. Die an dem Gespräch teilnehmenden Opfer drängten auf die Einrichtung einer nationalen unabhängigen Untersuchungskommission, die alle Fälle von sexuellen Kindesmissbrauch innerhalb der Kirche untersuchen solle.

Priester hatte mehrere Kinder

In der Gemeinschaft Legionäre Christi wurde 2009 nach dem Tod des Gründers Marcial Maciel (1920-2008) ein System von Lügen und Missbrauch offenbar. Nach Bekanntwerden von Sexualstraftaten des Priesters ordnete der damalige Papst Benedikt XVI. (2005-2013) eine umfassende Inspektion durch den Vatikan an und tauschte die gesamte Ordensleitung aus.

Maciel hatte in Mexiko-Stadt 1941, kurz vor seiner Priesterweihe, eine Kongregation gegründet, aus der die Legionäre Christi und die angeschlossene Laiengemeinschaft Regnum Christi hervorgingen. Gegen Ende seines Lebens und nach seinem Tod wurde bekannt, dass Maciel als Priester nicht nur mehrere Kinder hatte, sondern auch mehrfachen sexuellen Missbrauchs schuldig war.

Dass es bei den "Legionären Christi" zu Missbrauchsfällen gekommen ist, weiß der Vatikan anscheinend schon seit Jahrzehnten. Für den Orden ist die Aufarbeitung eine Herausforderung. Die Pressestelle der Legionäre Christi in Düsseldorf hatte zu einem früheren Zeitpunkt auf Anfrage mitgeteilt, die historische Entwicklung der Verdachtsmomente sei für den Orden selbst "schwierig nachzuverfolgen"; der Vatikan habe die betreffenden Akten nicht zur Einsicht freigegeben, so der Sprecher der Ordensprovinz West- und Mitteleuropa, Karl-Olaf Bergmann.

Vergangenheit besser ausleuchten

Innerhalb der Legionäre sei man sich jedoch "früh bewusst geworden, dass die Geschichte, wie der Gründer sie darlegte, völlig falsch war", sagte Bergmann. So habe es bereits in den 1960er-Jahren vatikanische Ermittlungen gegeben. Dass diese ohne Ergebnis blieben, habe Maciel "als Steilvorlage missbraucht", um die Beschuldigungen als haltlos hinzustellen. Heute wisse man "mit Sicherheit", dass der Ordensgründer "die Wahrheit mit Füßen getreten" habe.

Inzwischen äußerten sich Personen aus dem direkten Umfeld Maciels freier, so der Sprecher weiter. Das ermögliche, "die Vergangenheit besser auszuleuchten". Der Orden verzichte dabei auf eine aktive Prüfung des Wahrheitsgehalts solcher Zeugenaussagen. "Das steht uns nicht zu", sagte Bergmann. Die Aufarbeitung sei für die Legionäre wichtig, um für die Zukunft "stabil aufgestellt zu sein". (KNA)

(KNA)

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