Geht in den Ruhestand: Vatikansprecher Federico Lombardi
Federico Lombardi

13.12.2018

Ex-Vatikansprecher für schonungslose Missbrauchs-Aufklärung Von einer Krise in die nächste?

Ex-Vatikansprecher Federico Lombardi hat zur vorbehaltlosen Aufarbeitung des Missbrauchsskandals aufgerufen. Wenn die katholische Kirche die Frage nicht grundlegend angehe, werde sie "von einer Krise in die nächste" geraten.

Das schrieb der Jesuit in einem aktuellen Beitrag für die Zeitschrift "La Civilta Cattolica". Dabei warnte er vor Stimmen, die das Thema als aufgeblasen bezeichneten oder abhaken wollten. Dies sei der falsche Weg.

Weiterhin sei in der katholischen Kirche eine Illusion verbreitet, Missbrauch als Problem des Westens oder der angelsächsischen Welt zu betrachten. Teils herrsche bei Kirchenoberen eine "unglaubliche Naivität", beklagte Lombardi, von 2006 bis 2016 Leiter des vatikanischen Presseamts. Auch in anderen Ländern könnten noch Skandale aufbrechen. "Man muss der Realität ins Auge sehen. Eine angemessene Information hilft dabei sehr", so Lombardi.

Verharmlosung, Vertuschung und Lüge strikt ablehnen

Schon der erste große Missbrauchsskandal in den USA 2002 habe gelehrt, dass eine Politik der institutionellen Selbstverteidigung, der Vertuschung und der Versetzungen unhaltbar sei. Die Medien, wenngleich oft aggressiv, hätten die Kirche zu einer Transparenz genötigt, die sie zuvor weithin vernachlässigt habe.

Kirchenvertreter müssten entschieden der Neigung widerstehen, sich selbst und die Institution zu schützen, indem sie unbequemen Situationen auswichen, so Lombardi. Verharmlosung, Vertuschung und Lüge seien strikt abzulehnen. Die Kirche müsse lernen, "klar und transparent innerhalb wie außerhalb ihrer Gemeinschaft zu kommunizieren", betonte der frühere Vatikansprecher in dem Beitrag für die vom Jesuitenorden herausgegebene Zeitschrift.

(KNA)

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