Taschenlampen-Protest vor dem Frankfurter Kaiserdom
Taschenlampen-Protest vor dem Frankfurter Kaiserdom

13.12.2018

Katholische Frauen demonstrieren für "Erneuerung" der Kirche Mit Taschenlampen und Wut im Bauch

Es ist ein surreales Bild: Da stehen am Mittwochabend etwa 50 Frauen mit Taschenlampen in der Hand vor dem Frankfurter Kaiserdom und leuchten die Kirchentür des Haupteingangs an. "Kein Winkel soll im Dunkeln bleiben", lautet die Aufforderung. 

Hier ist kein Einbruch geplant. Vielmehr soll der helle Schein der von der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) initiierten Aktion «Klarheit in die Dunkelheit jahrzehntelangen Macht-Missbrauchs bringen». Sie fordern greifbare Konsequenzen aus den kirchlichen Missbrauchsfällen und eine "strukturelle Erneuerung" der katholischen Kirche.

Mit der Aktion #MachtLichtAn soll öffentlich zum Ausdruck kommen, was viele Frauen in der Kirche bewegt: "Solidarische Klage mit den Opfern, persönliche Betroffenheit und eigene Ohnmacht", hieß es. Deutschlandweit hat es laut kfd am Mittwochabend mehr als 160 solcher "Klage-Andachten" vor Kirchen gegeben - von Aachen bis Würzburg und von Bremen bis Trier.

"Maßlos enttäuscht und fassungslos"

"Wir stehen hier mit Wut im Bauch und im Kopf", sagte Susanne Schuhmacher-Godemann, Pastoralreferentin im Bezirk Main-Taunus, in ihrer Ansprache. Viele seien "maßlos enttäuscht und fassungslos" über den Missbrauchsskandal in der Kirche. "Das Vertrauen in unsere Kirche, in Priester und Bischöfe und die Verantwortlichen, die über Jahrzehnte hinweg geschwiegen, Täter gedeckt und Missbrauch vertuscht haben, ist für viele Frauen zerstört", sagte sie. Und Marianne Berberich, kfd-Vorsitzende der Region Frankfurt, ergänzte: "So stehen und beten wir heute auch ganz bewusst vor der Kirche und nicht innen." Viele wüssten "nicht mehr, ob sie noch zu dieser Kirche dazu gehören wollen".

Ein Hauptgrund für die Mahnwache ist die im September von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichte Missbrauchsstudie. In den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 hatte ein Forscherteam Hinweise auf mindestens 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 Beschuldigte gefunden, darunter mehrheitlich Priester.

Konkrete Forderungen an Bischofskonferenz

Die katholischen Frauen verlasen nun bundesweit mehrere Forderungen an die Bischöfe: Diese müssten den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche "glaubwürdig und umfassend aufklären" und von der Kirche unabhängige Missbrauchsbeauftragte als Anlaufstelle für Betroffene einsetzen. Zudem sollen die Bischöfe den "verantwortungsbewussten und befreienden Umgang mit Körperlichkeit und Sexualität in Ausbildung, Lehre und Katechese" stärken.

Schließlich wird die Bischofskonferenz gemahnt, sich für eine "strukturelle Erneuerung" der Kirche einzusetzen. "Priester sind Diener Gottes und der Menschen und nicht durch ihre Weihe überlegen oder mächtiger", hieß es weiter. "Klerikal-autoritäre Machtstrukturen haben in unserer Kirche keinen Platz!"

Forderung nach Diakoninnenweihe

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Missbrauchsstudie gehörte die These, dass auch der Zölibat, die katholische Sexualmoral, Klerikalismus und andere Strukturelemente der Kirche Missbrauch begünstigen könnten. Die bisherigen Reaktionen der Bischöfe gehen den Frauen nicht weit genug. Nötig sei "die sofortige Diakoninnenweihe für Frauen", forderte Andrea Kortus, Pastoralreferentin der Dompfarrei in Frankfurt. Das "Herrschaftsverhalten in der katholischen Kirche" müsse aufhören.

Die Ungeduld der demonstrierenden Frauen - und auch einiger Männer, die gekommen waren - war in Frankfurt jedenfalls spürbar. Die insgesamt rund 80 Teilnehmer und Passanten am Kaiserdom wurden dazu aufgefordert, Postkarten mit den kfd-Forderungen zu unterschreiben, die der Bischofskonferenz überreicht werden sollen.

Mit rund 450.000 Mitgliedern ist die kfd nach eigenen Angaben der größte Frauenverband und der größte katholische Verband Deutschlands. Nach den Worten der stellvertretenden kfd-Bundesvorsitzenden Agnes Wuckelt bot die Licht-Aktion den Frauen die Möglichkeit, aktiv zu werden und der "eigenen empfundenen Ohnmacht" etwas entgegenzusetzen - und sei es mithilfe vieler hell leuchtender Taschenlampen.

Norbert Demuth
(KNA)

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