Papst Franziskus: "Kirche ist kein Käfig des Heiligen Geistes"
Menschenrechte werden oft nicht gewahrt

09.12.2018

Sorge um Menschenrechte "Religionsfreiheit unter Druck"

Zum 70. Jahrestag der UN-Menschenrechtserklärung am Montag haben Vertreter aus Politik und Gesellschaft den Text gewürdigt und vor einem Aushöhlen gewarnt. In Rom mahnte Papst Franziskus eindringlich den Schutz von Flüchtlingsfamilien an.

"Menschenrechte stehen vor jedem noch so legitimen Bedürfnis", so Papst Franziskus.

Besonders das Recht auf Religionsfreiheit sei "weltweit immer stärker unter Druck", kritisierte der CDU-Politiker Michael Brand. Religionszugehörigkeit von Christen, Juden, Muslimen, Buddhisten oder Jesiden werde gezielt für Verfolgung oder das Schüren von Vorurteilen genutzt. "Wir dürfen nicht aufhören, uns für eine Welt einzusetzen, in der wir die Freiheit des Nächsten unterstützen, auch Glauben zu praktizieren", so der menschenrechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag.

Bundestagsvizepräsidentin Roth: Aushöhlung der Menschenrechte in Europa

Am Montag jährt sich zum 70. Mal die Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen. Altbundespräsident Joachim Gauck äußerte sich bei der Verleihung des Deutschen Menschenrechtsfilmpreises in Nürnberg erfreut, dass Künstler das Thema aufgriffen: "Film-Kunst findet andere Türen in unsere Seelen als das politische Argument."

Zugleich kritisierten zahlreiche Stimmen, sicher geglaubte Standards für Menschenrechte würden inzwischen wieder in Frage gestellt. Genannt wurden hier vor allem Russland, China und die Türkei. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth warnte vor einer Aushöhlung der Menschenrechte innerhalb der Grenzen Europas. "Frauen werden angegriffen, Aktivisten eingesperrt und Folter öffentlich verteidigt."

Erzbischof Schick: Menschenrechte gelten immer, überall und für jeden

"Menschenrechte gelten immer, überall für jeden - und nicht nur dann, wenn es die eigenen Interessen und Bedürfnisse nicht berührt", betonte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Ludwig Schick. Es gelte, diese Übereinkunft neu ins Bewusstsein zu bringen.

Er erinnerte ferner daran, dass das derzeit diskutierte Asylrecht keine deutsche Grundgesetz-Erfindung sei, sondern auch in Artikel 14 der Menschenrechtscharta unmissverständlich definiert werde. Zudem seien politische Angriffe auf die freie Presse und die Justiz Versündigungen an den Menschenrechten.

Schick: Kirche hat Pflicht an Schicksal verfolgter Christen zu erinnern

Insbesondere prangerte Schick zudem Einschränkungen der Religionsfreiheit an. Gut 60 Prozent der Menschen lebten in davon betroffenen Ländern. In 21 Staaten würden Gläubige offen verfolgt. Am stärksten treffe dies Christen. Weit über 100 Millionen von ihnen litten laut Menschenrechtsorganisationen unter systematischer Einschüchterung, Misshandlung und Gewalt. Die Kirche habe die Pflicht, an das Schicksal verfolgter Christen immer wieder zu erinnern. Das Menschenrecht der Religionsfreiheit gelte aber nicht nur für sie.

(KNA)

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