Missbrauchsfälle in chilenischer Kirche
Symbolbild: Missbrauch in der Kirche
Kardinal Ricardo Ezzati Andrello
Kardinal Ricardo Ezzati Andrello

04.12.2018

Stiftung stellt Bericht über Missbrauchsfälle in Santiago vor Spekulationen über mögliche Ablösung von Kardinal Ezzati

An diesem Dienstag wird in Santiago ein Bericht der Stiftung "Para la Confianza" über Kindesmissbrauch in Chile vorgestellt. Derweil spekulieren die Medien über einen neuen Hirten für die Hauptstadt des südamerikanischen Landes.

Mit Spannung erwartet die chilenische Öffentlichkeit den Bericht der Stiftung "Para la Confianza" zu Kindesmissbrauch in der Hauptstadtregion Santiago. Die Studie dürfte ein weiterer Mosaikstein in der Debatte über den Missbrauchsskandal werden, den die katholische Kirche Chiles aufzuarbeiten versucht.

Die Stiftung reichte Mitte August unter anderem gegen die beiden Kardinäle Francisco Javier Errazuriz und Ricardo Ezzati Klage ein. Sie sollen versucht haben, Missbrauchsfälle innerhalb der chilenischen Kirche zu vertuschen. Errazuriz und Ezzati wurden inzwischen von der Staatsanwaltschaft vernommen. Sie weisen bislang alle Vorwürfe zurück.

Spekulation über Ablösung Ezzatis als Erzbischof von Santiago

Trotzdem wird über die baldige Ablösung Ezzatis als Erzbischof von Santiago spekuliert. Der gebürtige Italiener ist vor knapp einem Jahr 76 Jahre alt geworden und hat somit ohnehin die Altersgrenze von 75 Jahren überschritten, bei der Bischöfe dem Papst ihren Rücktritt anbieten. Doch die Personalie gewinnt beinahe mit jeder neuen Veröffentlichung zusätzliche Brisanz.

Fast alle chilenischen Zeitungen mutmaßten am Wochenende, dass Ezzati noch vor Weihnachten von einem ausländischen Bischof ersetzt werden könnte. Alejandro Alvarez, Anwalt und Sprecher des Journalistenverbandes "Katholische Stimmen" in Chile, sagte der Tageszeitung "La Tercera": Der Nachfolger müsse Santiago und die Lage der chilenischen Kirche gut kennen, weil auf ihn eine komplexe Realität und große Herausforderung warteten.

"Es könnte jemand sein, der viele Jahre in Chile verbracht hat", so Alvarez. Andere Stimmen werteten eine mögliche neue Besetzung aus dem Ausland als Zeichen des Misstrauens von Papst Franziskus gegenüber der Chilenischen Bischofskonferenz. Freilich: Eine offizielle Bestätigung für die Personalie gibt es noch gar nicht.

Die chilenische Kirche ist nach monatelangen Untersuchungen der Staatsanwaltschaft und immer neuen Enthüllungen schwer angeschlagen.

Vorwürfe gegen ehemaligen chilenischen Erzbischof

Zuletzt geriet auch ein in Deutschland lebender ehemaliger chilenischer Erzbischof in die Schlagzeilen. Francisco Cox Huneeus (84) wurde im Oktober von Franziskus wegen sexuellen Missbrauchs aus dem Klerikerstand entlassen. Er könnte im Januar in seine chilenische Heimat zurückkehren, um sich dort einer Befragung der Justiz zu stellen, erklärte jüngst ein Sprecher der Schönstattpatres.

Cox leide allerdings an Prostatakrebs, Altersdemenz und Diabetes und müsse deshalb bei der Reise begleitet werden. Cox, von 1990 bis 1997 Erzbischof im chilenischen La Serena, wurde seit längerem sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen beschuldigt.

Im Alter von 63 Jahren trat er von seinem Amt zurück, ohne dass die Kirchenleitung einen Grund angab. Seit 2002 lebte Cox am Stammsitz seiner Ordensgemeinschaft der Schönstattpatres in Vallendar bei Koblenz. Der damalige Erzbischof von Santiago, Kardinal Errazuriz, begründete den Wegzug mit einem "unangemessenen Verhalten" des Geistlichen.

Mehr als 100 offene Missbrauchsfälle

Ihren Ursprung nahm die Krise allerdings in einem anderen Fall. Ende September versetzte der Papst den chilenischen Priester Fernando Karadima (88) in den Laienstand. Der charismatische Geistliche gilt als Ausgangspunkt der aktuellen Verwerfungen.

2011 wurde er wegen sexueller Vergehen verurteilt. Aus seinem Kreis gingen mehrere Bischöfe hervor, die von Opfern Karadimas der Mitwisserschaft beschuldigt werden. Mehrere dieser Bischöfe sind mittlerweile von ihren Ämtern zurückgetreten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gibt es derzeit mehr als 100 offene Missbrauchsfälle in den Reihen der katholischen Kirche Chiles. Dutzende Geistliche sollen darin verwickelt sein.

Tobias Käufer
(KNA)

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