Zuflucht in einem Frauenhaus
Zuflucht in einem Frauenhaus

25.11.2018

Sozialdienst katholischer Frauen zum Internationalen Tag der Gewalt gegen Frauen "Wenn Sie Hilfe brauchen, klingeln Sie bei mir"

Jede dritte Frau in Deutschland ist Opfer von Gewalt. Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen erklärt der Sozialdienst katholischer Frauen, wie es Betroffenen in Gewaltsituationen geht und auch das Umfeld helfen kann.

DOMRADIO.DE: Gerade Gewalt in der Partnerschaft ist ein häufig auftretendes Thema. 140 000 Fälle wurden 2017 vom Bundeskriminalamt erfasst. Das sind aber noch lange nicht alle Fälle. Was sind denn die Gründe dafür, dass so viele Fälle häuslicher Gewalt zu spät oder gar nicht ans Licht kommen?

Christiane Stermann (Sozialdienst katholischer Frauen in Köln): Ich denke, das eigentliche Zuhause ist immer noch ein privater Bereich im Leben eines Menschen und es ist für die Betroffenen sehr schwer damit rauszugehen. Einfach, weil es mit sehr viel Scham verbunden ist – wer sagt schon gerne, dass jemand geschlagen wird, dass sexuelle Gewalt stattfindet, das eine Bedrohungslage alltäglich existiert.

Damit ist auch die Angst vor der weiteren Existenz komibiert: finanzielle Ressourcen gehen verloren, Abhängigkeiten bestehen. Wenn Kinder im Haushalt leben, besteht auch immer die Frage, ob ich meinen Kindern den Vater nehmen möchte. Wie kommt das innerhalb der Familie an? Glaubt mir überhaupt jemand? Hier treffen ganz, ganz viele Hemmnisse aufeinander, die bedeuten, dass der Schritt damit nach außen zu gehen, sehr schwer ist.

DOMRADIO.DE: Frauen, die Hilfe brauchen, wenden sich unter anderem auch an sie, dem Sozialdienst katholischer Frauen in Köln. Wie helfen Sie diesen Menschen?

Stermann: Ich denke, es ist immer wichtig für diejenigen, die in die Beratung kommen, dass sie um ihre rechtlichen Möglichkeiten wissen. Sie müssen wissen, dass es Schutzmöglichkeiten gibt, über das Gewaltschutzgesetz zum Beispiel. Ob sie es in dem Moment nutzen, ist auf jeden Fall ihre Entscheidung, aber manchmal wirkt es langfristiger, wenn sie die Informationen haben.

Mein Wunsch ist, dass die Menschen, die gehen, ein Stück weit Handlungssicherheit haben und dann einen Zeitpunkt finden, in der sie eine Entscheidung treffen können. Das ist kein Schritt, den man von heute auf morgen macht. Aber man kann versuchen diesen Schritt vorzubereiten, indem man anfängt ein eigenes Konto einzurichten und finanzielle Ressourcen auf die Seite zu schaffen. So können sie eine andere Wohnung anmieten, Unterlagen besorgen, die man benötigt. Das ist schon der erste wichtige Schritt, zu wissen, wo stehe ich überhaupt.

DOMRADIO.DE: Es kommt ja auch mal vor, dass Menschen in ihrem Umfeld bemerken, dass jemand Opfer von häuslicher Gewalt ist. Wie ist es möglich, als Außenstehender aktiv zu helfen?

Stermann: Ich denke, das ist wie überall im Leben: Wenn ich auf Situationen treffe, wo Menschen Hilfebedarf haben, darf ich eben nicht wegschauen. Nicht denken: Oh, das ist meine Nachbarin, das könnte unangenehm, peinlich werden. Sondern ich muss wirklich aktiv werden. Wenn ich in der Nachbarwohnung Schreie, laute Geräusche und Knalle hören, dann sollte ich nicht davor zurückschrecken, die Polizei zu rufen.

Denn es ist oft ganz schrecklich, wenn Frauen bei mir im Büro sitzen und sagen, es habe keiner etwas getan, keiner haben angerufen und sie fühlen sich dadurch auch wieder bestätigt, dass das Problem in den eigenen vier Wänden liegt und besser nicht nach außen dringen soll. Insofern ist es mir doch lieber, wenn die Polizei auf blinden Alarm rausfährt, als dass ich nichts getan habe. Es gibt auch Frauen, die erzählen, dass sie auf der Straße zusammengeschlagen worden sind und Passanten daneben stehen und zugucken.

Das ist etwas, von dem ich denke, das kann jeder leisten: Jeder hat in der Regel ein Handy oder kann jemanden auffordern, die Polizei zu rufen. Das würde ich mir wünschen und die persönliche Ansprache, wenn ich zum Beispiel eine Frau bemerke, die permanent mit sichtbarem Hämatom durch den Hausflur geht. Die kann ich ansprechen und sagen: "Wenn Sie Hilfe brauchen, melden Sie sich oder klingeln Sie bei mir. Sie können dann erst mal runterkommen und ich rufe mit Ihnen die Polizei an oder ich sorge dafür, dass sie eine Adresse in die Hand bekommen."

Das Interview führte Julia Reck.

(DR)

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