Triumph wäre "fast ein Wunder", sagt Schick
Erzbischof Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche
...und entschuldigt sich beim Trierer Bischof Stephan Ackermann für ein Versäumnis
Bischof Stephan Ackermann
Johannes-Wilhelm Rörig
Johannes-Wilhelm Rörig

16.11.2018

Gemischte Reaktionen auf Gedenktag für Missbrauchsopfer "Mahnung und Forderung zugleich"

Am Sonntag will die Katholische Kirche das erste Mal Missbrauchsopfern gedenken. Das löst gemischte Reaktionen aus. Neben Anerkennung gab es auch kritische Stimmen, die von der Kirche eine konkrete Zuwendung zu den Betroffenen forderten.

Der Europarat begrüßte die Initiative für die Opfer sexuellen Missbrauchs. Die Kirche setze mit dem Gedenktag am 18. November "ein wichtiges Zeichen", sagte der Generalsekretär des Europarats, Thorbjorn Jagland, am Donnerstag in Straßburg. Das Bewusstsein für den Schutz Minderjähriger müsse in allen Gesellschaftsbereichen geschärft werden.

Am Sonntag rufen die Bischöfe erstmals zu einem solchen Gedenktag auf. Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, hofft dabei auf ein "starkes Signal" für die Betroffenen. Gedenk- und Gebetstage seien "ein Mittel, dass das Thema nicht wieder wegrutscht", sagte Ackermann. Man wolle Solidarität mit den Opfern zum Ausdruck bringen und die Sensibilität für das Thema wachhalten.

Schick: Gedenktag für Missbrauchsopfer ist Mahnung und Forderung

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sieht in dem von Papst Franziskus für diesen Sonntag ausgerufenen Gedenktag für die Opfer sexuellen Missbrauchs einen Zukunftsauftrag. Der Termin sei "Mahnung und Forderung, alles zu tun, dass sexueller Missbrauch in Zukunft verhindert wird", sagte Schick laut Mitteilung seiner Pressestelle am Freitag in Bamberg. Zudem erklärte der Erzbischof: "Sexueller Missbrauch richtet im Leben der Opfer unbeschreibliches Leid und nachhaltige Schäden an. Den Opfern müssen unser Mitleiden und unsere Aufmerksamkeit gelten, damit ihnen Gerechtigkeit und Heilung zuteilwerden, soweit das irgend möglich ist."

Es müsse immer wieder unmissverständlich klar gemacht werden, dass Missbrauch, Übergriffe und Grenzverletzungen nicht toleriert würden, ergänzte Schick. Bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen arbeite sein Erzbistum eng mit den Staatsanwaltschaften zusammen, was zur Aufarbeitung beitrage. "Achtung voreinander, besonders vor Kindern und Jugendlichen, Achtsamkeit untereinander und Mut füreinander müssen unser Miteinander in Kirche und Gesellschaft prägen", was auch helfe, Missbrauch auszuschließen, so der Erzbischof.

Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung ruft zu besserem Schutz auf

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, rief die katholische Kirche auf, den Schutz von Kindern zu verbessern. Die Geistlichen und Menschen in den Gemeinden müssten dazu beitragen, beim Thema Missbrauch nicht wegzusehen. Der Gedenktag könne dann ein wichtiger Beitrag zur Sensibilisierung der gesamten Gesellschaft sein. Er könne allen Gemeindemitgliedern deutlich machen, "wie wichtig es ist, Kinderschutz nicht vor Institutionenschutz zu stellen, Betroffenen zuzuhören, ihnen zu helfen und die Aufklärung und Aufarbeitung zu unterstützen". Nur so könne die Kirche Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückgewinnen.

Eine jährliche Sonntagsrede alleine reiche aber nicht aus. Bischöfe und Pfarrer sollten das erschütternde Thema in ihren Predigten und Gebeten jetzt kontinuierlich wach halten, sie sollten Gesprächsbereitschaft signalisieren und Unterstützungs- und Hilfeangebote für Betroffene und ihre Familien als festes Angebot in das kirchliche Leben integrieren.

Für die katholische Kirche in Deutschland hatten Wissenschaftler Ende September in Fulda eine "Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" vorgestellt. In den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 hatte das Forscherteam Hinweise auf 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute gefunden. Die Experten gehen zudem von weiteren Fällen aus, die nicht in den Akten erfasst sind.

(KNA)

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